Kulmbach
Prozess

Diebestour durch die Sportheime: Bande vor Gericht

Sieben Männer aus dem Raum Kulmbach müssen sich seit heute wegen schweren Bandendiebstahls vor Gericht verantworten. Einer der Angeklagten ist hoch verschuldet, die anderen sind arbeitslos. Bei ihrer Diebestour durch Sportheime erbeuteten sie über 25.000 Euro.
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Mit brachialer Gewalt ist die siebenköpfige Bande bei ihren Sportheim-Einbrüchen in der Region vorgegangen. Foto: Archiv
Mit brachialer Gewalt ist die siebenköpfige Bande bei ihren Sportheim-Einbrüchen in der Region vorgegangen. Foto: Archiv
Rund sechs Wochen lang hat zum Jahresende 2012 eine Diebesbande die Mitglieder verschiedener Sportvereine im Raum Kulmbach in Atem gehalten. Die Täter gingen immer nach dem gleichen Muster vor: Mit brachialer Gewalt verschafften sie sich zu nachtschlafender Zeit Zugang zu den Sportheimen und nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Der Entwendungsschaden war meist höher als der Sachschaden, am Ende kamen die Ermittler auf weit über 25.000 Euro.

Seit Montag wird den sieben Männern im Alter zwischen 18 und 26 Jahren am Landgericht Bayreuth der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem schweren Bandendiebstahl in einer Vielzahl von Fällen in Tateinheit mit Diebstahl und Sachbeschädigung vor.

Hoch verschuldet und arbeitslos

Einer hoch verschuldet, die anderen arbeitslos und Weihnachten steht vor der Tür: "Da haben wir irgendwann einfach mal mit
den Sportheimen angefangen", sagte der 26-Jährige Kulmbacher, der als Kopf der Bande gilt. Der Mann, der bereits wegen eines anderen Vergehens im Gefängnis sitzt und dem auch während seiner Vernehmung die Fußfesseln nicht abgenommen wurden, soll die anderen um sich geschart, eingeteilt und über das Diebesgut sogar Buch geführt haben. Die Anklageschrift nennt ihn offiziell das Oberhaupt der Gruppe.

Am meisten hatten die Männer, die jeweils in wechselnder Besetzung auftraten, beim Einbruch in das Sportheim des TSV Wirsberg erbeutet: Ein Fernsehgerät, einen Computer, 28 Kästen Getränke, einen DVD-Player, einen Sat-Reciver, Lebensmittel aus der Tiefkühltruhe und ein Drucker-Fax-Kombigerät. Zwei Mal musste die Bande fahren, um das ganze Diebesgut abzutransportieren.

Nicht zimperlich vorgegangen

Aber auch bei den anderen Aufbrüchen war die die Gruppe nicht gerade zimperlich. Beim Sportheim des 1. FC Kirchleus soll ein Stahltor aufgebrochen worden sein, beim 1. FC Schwarzach wurde eine Tür aus dem Türstock gehebelt, beim TSV Melkendorf sollen sogar Glasbausteine zerschlagen worden sein.
Kein Wunder, denn bei der Festnahme der Männer fanden die Beamte eine komplette Werkzeugausstattung mit ganzen Sätzen verschiedenster Brecheisen, Äxten und andere, Spezialwerkzeug.

In Schwarzach machten die Männer auch eine ganz besondere Beute. Neben dem üblichen Bargeld aus dem Tresor, technischen Dingen wie einem Beamer, Zigaretten oder auch mal Zigarillos und Getränken, entwendeten die Ganoven auch sieben Stangen Schinken.

Beim FSV Danndorf nahmen die Täter zwei Fußbälle mit und beim TSV Melkendorf die kompletten Tombola-Preise, die eigentlich für die Weihnachtsfeier gedacht waren. In Melkendorf hatten sie auch die komplette kupferne Dachrinne abmontiert und abtransportiert. War nichts Nennenswertes zu holen, ließen die Männer wenigstens Süßigkeiten und Kugelschreiber mitgehen. Weitere Anklagepunkte werfen den Angeklagten den Diebstahl eines kompletten Zigarettenautomaten im Sportheim des TSC Melkendorf vor.

Automaten im Weiher versenkt

Mit roher Gewalt soll der Automat aus der Verankerung gebrochen, die Zigaretten im Wert von fast 400 Euro entwendet und der Automat anschließend in einem Stauweiher versenkt worden sein.
Zwei der Männer müssen sich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten, zwei Angeklagte wegen einer Falschaussage, mit der sie den Kopf der Gruppe schützen wollten.

"Es gab keinen, der sagte, er macht nicht mit", so der Hauptangeklagte. Man habe sich schon gezielt die Vorweihnachtszeit ausgesucht, weil man geglaubt habe, dass in dieser Zeit wegen der anstehenden Weihnachtsfeiern in den Sportheimen meist Bargeld vorhanden sei. Beim Durchsprechen der einzelnen Anklagepunkte räumten die Männer unisono die Taten ein, lediglich die Beute sei in den meisten Fällen etwas geringer ausgefallen, als in der Anklageschrift vermerkt.

"Für die Vereine ein Schock"

Für die Vereine sei das Ganze jedenfalls ein gewaltiger Schock gewesen, sagte vorsitzender Richter Michael Eckstein. Vor allem für die Vorsitzenden sei das ganze extrem ärgerlich, denn ihnen hätten die Einbrüche wahnsinnig viel Zeit gekostet.

Für die Verhandlung sind insgesamt fünf Tage angesetzt, Fortsetzung ist am kommenden Montag um 8.30 Uhr.
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