Kulmbach
Sicherheit

Die Zeitung auf dem Lenkrad und Schüler im Bus

Ein 51-Jähriger konnte erst nicht glauben, was ihm sein Sohn über den Schulweg erzählte: Die Person am Steuer des Busses liest während der Fahrt Zeitung.
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Die Zeitung über dem Lenkrad - und das während der Fahrt: Das Foto, das ein Schüler aufgenommen hat, sorgt für Wirbel. privat
Die Zeitung über dem Lenkrad - und das während der Fahrt: Das Foto, das ein Schüler aufgenommen hat, sorgt für Wirbel. privat

Zuerst konnte der 51-Jährige nicht glauben, was ihm sein Sohn über seine Fahrten mit dem Bus zur Schule erzählte. Aber es gibt Fotos - mit dem Handy aufgenommen -, die die Geschichte des Jungen belegen: Die Person am Steuer liest während der Fahrt im vollbesetzten Bus die "Bayerische Rundschau". "40 Kinder sitzen im Bus, 20 stehen", erklärt der Mann aus dem Landkreis und mag sich gar nicht vorstellen, wenn sich dann wegen des Verhaltens ein Unfall ereignet. "Da wird mit dem Leben der Kinder gespielt."

Auf der gut ausgebauten B 289 und der Kulmbacher Umgehung, über die der Bus den ZOB ansteuere, liege die Zeitung immer wieder über dem Lenkrad, hat er von seinem Sohn und anderen Schülern erzählt bekommen. Seinen Jungen lässt er nicht mehr mitfahren - zu groß ist die Angst, dass etwas passiert.

Und er geht davon aus, dass auch andere Eltern ihre Kinder nicht mehr in den Bus einsteigen lassen würden, wüssten sie von dem Verhalten, für das er kein Verständnis hat: "So jemand gehört nicht hinters Steuer. Das hat etwas mit Verantwortung zu tun."

Die Polizei hat er ebenso informiert wie das für die Schülerbeförderung zuständige Landratsamt.

Polizei hat kontrolliert

Die Polizeiinspektion Kulmbach hat daraufhin Kontrollen durchgeführt, erklärt Inspektionsleiter Peter Hübner. Am Montagmorgen nahmen die Beamten den Schülertransport in Mainleus und am ZOB in Kulmbach unter die Lupe. Es gab keine Beanstandungen. "Wir werden aber weiter die Sache beobachten", betont Hübner.

Was wäre passiert, wäre ein zeitungslesender Busfahrer von den Beamten erwischt worden? Dann hätte er eine Verkehrsordnungswidrigkeit begangen, die eine Strafe im niedrigen zweistelligen Bereich zur Folge hätte. Zum Vergleich: Bei einem digitalen Gerät wie einem Handy wären 100 Euro und ein Punkt fällig.

Hübner zufolge werden weitere Kontrollen folgen und die besagte Person ebenfalls wieder ins Visier genommen. Dann soll auch eine "Gefährderansprache" erfolgen. Diese hat zur Folge, dass im Falle eines Unfalls höhere Strafen drohen. Hübner hofft, dass das Wirkung zeigt und Vernunft einkehrt. "Es besteht schließlich eine besondere Verantwortung gegenüber den Schülern."

Noch nie so einen Fall gehabt

"Das ist ein Einzelfall, den es in der Form noch nicht gegeben hat", sagt Kathrin Limmer. Die Juristin beim Landratsamt, das für die Schülerbeförderung verantwortlich ist, sieht für die Behörde allerdings nur wenig Handlungsspielraum. Denn bei besagter Strecke handele sich sich um eine öffentliche Linie des Omnibusverkehr Franken (OVF), die nicht nur von Schülern genutzt werde. Das Landratsamt stelle lediglich die Fahrkarten beziehungsweise sorge für eine Kostenerstattung.

Der OVF bedient in Zusammenarbeit mit privaten, mittelständischen und kommunalen Verkehrsunternehmen viele Linien im öffentlichen Personennahverkehr.

Natürlich habe die Behörde den OVF über die Vorkommnisse in dem Bus informiert. "Es liegt schließlich auch im Interesse des Unternehmens, dass so etwas nicht vorkommt", sagt Limmer und verweist auf mögliche Klauseln in den Verträgen wie den Einsatz von "zuverlässigen Fahrern".

OVF überprüft den Fall

Wir haben auch beim Omnibusverkehr Franken (OVF) nachgefragt, der die Schüler fährt. Der OVF gehört im Rahmen des DB-Konzerns zum Geschäftsfeld DB Regio Bus. Auch dort will man die Vorwürfe prüfen und sich danach wieder bei der Redaktion melden, hieß es am Montag seitens der Pressestelle. Die Überprüfung könne aber etwas Zeit in Anspruch nehmen.

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