Wirsberg
Lärmschutz

Die Wirsberger wollen endlich Ruhe haben

Der Marktgemeinderat hat am Dienstagabend ein Acht-Punkte-Paket gegen den "unerträglichen" Verkehrslärm und für einen Schutz entlang der B 303 von der Gutsiedlung bis hin zum Laubenweg und zur Knappenleite geschnürt.
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Seit 49 Jahren kämpft die Marktgemeinde Wirsberg für Lärmschutzmaßnahmen an der B 303 - bislang vergebens.  Foto: Archiv/Werner Reißaus
Seit 49 Jahren kämpft die Marktgemeinde Wirsberg für Lärmschutzmaßnahmen an der B 303 - bislang vergebens. Foto: Archiv/Werner Reißaus

Das Gremium folgte mit dem Acht-Punkte-Paket einstimmig dem Vorschlag von Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD), der Punkt für Punkt in akribischer Zusammenarbeit mit der Verwaltung zusammengrtragen hatte. Vorrangiges Ziel ist es, so schnell wie möglich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h im Bereich der Wohnsiedlung zu erreichen. Eine knappe Stunde lang erläuterte Anselstetter den Sachstand und die bisherigen Anträge des Marktes Wirsberg, der seit nahezu 50 Jahren in dieser Sache gegen Windmühlen kämpfe.

Anselstetter verwies zunächst auf die jüngste Bürgerversammlung am 7. Oktober, bei der Martina Karl deutlich machte, dass die Lärmbelästigung inzwischen so massiv ist, dass sie nicht mehr hinnehmbar sei. So hat sich nach ihrer Meinung der LKW-Verkehr deutlich erhöht, und die Anlieger seien stärkeren Lärmbelästigungen ausgesetzt, die jetzt Schutzmaßnahmen erforderlich machten. Anselstetter unterstützte diese Feststellungen: "Wer heute noch sagt, diese Beschwerden sind nicht gerechtfertigt, der liegt total daneben."

Inzwischen liegen der Marktgemeinde rund 150 Unterschriften von Anliegern vor, die sich ebenfalls in ihrer Lebensqualität durch den Verkehrslärm eingeschränkt fühlen. Für sie sei der Lärm die "Hölle" und eine tägliche "Tortur". Eine Nutzung der Terrasse sei gar nicht mehr möglich.

Die Marktgemeinde hat deshalb mit Schreiben vom 28. Oktober 2019 einen Antrag auf weitergehende Lärmschutzmaßnahmen gestellt. In diesem Zusammenhang dankte der Bürgermeister dem Staatlichen Bauamt dafür, den Aufbau eines Flüsterasphalts auf der B 303 vorzunehmen. Das sollte bereits in diesem Jahr geschehen, doch wegen der umfangreichen Arbeiten an der A 9 im Bereich von Himmelkron musste diese Maßnahme auf das kommende Jahr verschoben werden.

Zwischenzeitlich fand am 25. November ein Gespräch mit Baudirektor Siegfried Beck, den betroffenen Anliegern und Vertretern der Marktgemeinde im Sitzungssaal statt. Dabei erfuhren die Beteiligten, dass das Verkehrsaufkommen gesunken sei. Für 2020 wurde eine weitere Verkehrszählung über das gesamt Jahr zugesagt. Die zulässigen Dezibelwerte seien laut Straßenbaubehörde nicht überschritten worden. Eine eigene Messung, die Bürgermeister Anselstetter mit einem Anlieger eine Woche lang vornahm, habe aber erhöhte Werte gebracht.

Seit 1970 und dann noch verstärkt in den Jahren 1990 bis 1992 habe der Markt Wirsberg an dem Thema massiv gearbeitet, aber bislang ohne nennenswerten Erfolg. Bürgermeister Anselstetter: "Es ist kaum zu glauben, dass unterm Strich nichts rausgekommen ist. Es dreht sich alles im Kreis und wir haben nur beschriebenes Papier in den Händen."

Mittlerweile ist von einer Russbelastung die Rede, die der Deutsche Wetterdienst an der B 303 festgestellt habe. Ein Lärmschutzgutachten, das nach den Worten von Anselstetter Mängel aufweise, zweifelt die Gemeinde an. "Wir wollen das Gutachten sehen. Es ist ein unerträglicher Dauerlärm, der nicht zumutbar ist."

Gemeinderat Jochen Trier (FW) war der Meinung, dass der Staat aufgrund geänderter Fakten für eine Minderung der Dauerbelastung der Anlieger sorgen müsse. Trier hielt auch einen Ortstermin mit den örtlichen Landtagsabgeordneten für zielführend. Gilbert Ringsdorf (SPD) war der Meinung, dass seine Eltern ihr Haus "Im Gut" einst an eine Landstraße bauten, jetzt habe sich die B 303 zur Schnellstraße entwickelt. Jörg Treutler (SPD) sprach mit Blick auf den Lärmschutzwall im Anschluss an die Kreuzung von einer Ungleichbehandlung, und Sabine Leuschner (FW) stellte die Frage, warum nicht schon längst eine Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet wurde.

Das Acht-Punkte-Paket 1. Das Bebauungsplan-Verfahren ist nach erfolgter Anhörung der Straßenbauamtes zu prüfen.

2. Die Geschwindigkeit ist im Bereich der Wohnsiedlung auf 60 km/h zu beschränken.

3. Der Lärmkataster des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ist auf den Bereich ab der Kreuzung bis zum Ende der Wohnsiedlung auszudehnen.

4. Die Gemeinde will Einsicht in das aktuelle Lärmschutzgutachten und damit Kenntnis, welche Kriterien in die Berechnungen eingeflossen sind.

5. Die Einholung von Kostenangeboten für eine Lärmschutzmessung wird gefordert.

6. Aktuelle Verkehrszählungen werden für notwendig gehalten.

7. Installierung einer Dauerzählmesstelle, wie sie bereits 1991 vom damaligen Landrat Herbert Hofmann in Abstimmung mit dem Umweltministerium angeregt wurde.

8. Der Antrag vom 28. Oktober 2019 wird beim Staatlichen Bauamt erneuert und aufrecht erhalten.

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