Wonsees
Interview

"Die Wagenknecht wär' eine für uns"

Ein Jahr nach dem verpassten Bundestagseinzug erklimmt die Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen im Osten neue Höhen. Die AfD weiter im Aufwind sieht auch Georg Hock, Kreisvorsitzender für Kulmbach/Lichtenfels.
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Der Kreisvorsitzende Georg Hock aus Wonsees sieht die Alternative für Deutschland (AfD) noch nicht am Ziel angekommen. Foto: Jochen Nützel
Der Kreisvorsitzende Georg Hock aus Wonsees sieht die Alternative für Deutschland (AfD) noch nicht am Ziel angekommen. Foto: Jochen Nützel
Durch die jüngsten Erfolge bei den Landtagswahlen gilt die Alternative für Deutschland als feste Größe im Parteienspektrum. Für AfD-Kreisvorsitzenden Georg Hock aus Wonsees ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Die Alternative für Deutschland holt nach knapp zehn Prozent in Sachsen jetzt über zehn in Thüringen und mehr als zwölf Prozent in Brandenburg. Eine Überraschung für Sie?
Georg Hock: Ich war mir am Sonntag ganz sicher, dass wir das Sachsen-Ergebnis noch überflügeln. Für uns sind die Ergebnisse keine Paukenschläge, sondern logische Konsequenz der Weiterentwicklung unserer Partei.
Ich selber will bei den jetzigen Ergebnissen nicht stehen bleiben, wir werden es auch auf 20 Prozent und mehr schaffen.

Der Kreisverband Kulmbach/Lichtenfels mit Ihnen an der Spitze soll in Sachsen den Landesverband unterstützt haben.
Das stimmt. Die AfD-Landesverbände im Osten sind noch überschaubar, was die Mitgliederzahlen angeht. Ich war mit einigen Kulmbachern in Sachsen unterwegs - Plakate kleben. Die Ostländer sind, was ihr Abstimmungsverhalten angeht, revolutionärer und mutiger als der Westen mit dem festgefahrenen Parteiengefüge. Die Meinungsinstitute hatten die AfD ja dort bis zuletzt nur bei sechs Prozent gesehen. Man hat uns fast überall konsequent runtergeschrieben, gerade im Medien-Mainstream. Ich bin, glaube ich, als Person und AfD-Vertreter noch derjenige, über den in Bayern am meisten veröffentlicht worden sein dürfte. Die Berichterstattung in den Öffentlich-Rechtlichen Medien war nach der Sachsenwahl eine bodenlose Unverschämtheit, wir als viertstärkste Kraft wurden praktisch totgeschwiegen.

Eine Vermutung warum?
Wenn wir bei ARD und ZDF irgendwie vorkommen, dann spricht man von rechts und meint damit natürlich gleich rechtsradikal. Das will man uns anhängen. Ich bin seit Anfang an dabei, seit den ersten Gründungsbemühungen: Ich habe keine einzige rechtsradikale Bestrebung erlebt.

Hat Ihnen diese Einordnung womöglich noch bei der Bundestagswahl den Einzug ins Parlament gekostet? Sie waren ja vor Jahresfrist der regionale AfD-Kandidat.
Im Nachhinein ist das schwer abzuschätzen. Dass es nicht geklappt hat, wurde von einigen als Manko betrachtet. Ich sage: Vielleicht war es gar nicht so schlecht, gescheitert zu sein. Das hat auch bestimmte Personen in unserem Lager verhindert, die nach meinem Dafürhalten der Idee hinter der AfD nicht zuträglich gewesen wären und auch nie wirklich vertrauenswürdig waren. Da ist ein wichtiger Bereinigungsprozess im Gange. Allein die ganzen Zeitgenossen, die die AfD mit ihrem libertären Gedankengut zu einer Art "FDP light" mit Westerwell'scher Prägung machen wollten, tun der Partei nicht gut. Ich selber bekenne: Obwohl ich aus dem konservativen Lager komme und immer der CDU/CSU nahe stand, habe ich mich auch mal kurz zu den Liberalen verirrt. Die Masse von uns, 75 Prozent, waren vorher nie in einer Partei, ich gehöre dazu.

Es sind viele Versprengte dabei?
Waren. Die Zahl der Partei-Hopper war zunächst durchaus beachtlich: Welche, die bei der FDP waren, dann bei der SPD, dann bei der STATT-Partei und der Linken. Das ist zu Beginn einer Partei-Etablierung wohl nicht zu vermeiden, aber das normalisiert sich zusehends. Es gab die - und es gab die knallharten Karriere-Geilen. Es gibt bei uns ja nicht nur Ämter, die viel Mühe machen so wie das eines Kreisvorsitzenden und außer Ruhm und Kosten wenig eintragen, sondern ja auch noch die, die auf ein Bundestagsmandat schielen. Mit all den Erlösen und Steuervorteilen.

Was gab den Ausschlag, sich parteipolitisch zu engagieren?
Ich war generell unzufrieden mit der Unionspolitik unter Angela Merkel. Merkel war für 90 Prozent von uns das Erweckungs erlebnis. Der Wahnsinn Euro-Rettung, die ja keine ist, sondern den Kontinent zersprengt. Das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, hat fast noch größeren Schaden angerichtet. Dazu kommen die Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Veränderungen wie der Einwanderungs- und Asylpolitik sowie der Umgang mit Familien und Frauen. Es gibt gerade hier die unheilige Allianz der grün-linken Emanzipations-Schickeria mit den Spitzen der deutschen Wirtschaft: Die wollen die Mütter aus dem Kindbett gleich wieder in den Beruf treiben. Das ist gesellschaftspolitischer Wahnsinn.

Sie sind also mehr als die Ein-Punkte-Partei?
Die waren wir nie, auch wenn wir noch kein endgültiges Parteiprogramm haben. Die Eckpunkte sind faktisch dieselben wie zur Gründung - nur der Punkt EEG kam in seiner intensivierten Auseinandersetzung damit neu hinzu. Die Partei wollte das Gesetz reformieren, gegen meinen Willen. Ich hingegen bin für die Abschaffung.

Wie lautet Ihre Alternative?
Zurück auf Start. Ich bin der Meinung, die Zukunft gehört der Atomkraft. Um uns herum in der Welt stehen mehr als 400 Atommeiler, ebenso viele sind in Bau oder in Planung. Ich rede nicht von der Kernkraft, wie wir sie heute haben, sondern von der so genannten kalten Fusion oder ähnlichen Methoden. Die deutsche Forschung arbeitet an Verbesserungen. Man hätte in der Phase eines verlängerten Ausstiegs weiter am Fortschritt dranbleiben können - die Chance hat man sich verbaut. Auch die Nutzung unserer heimischen Kohle ist per se nichts falsches. Wir werden sonst früher oder später an den Stromkosten in die Knie gehen - und da zählen nicht nur sozial Bedürftige dazu, sondern auch Menschen aus der mittleren Einkommensebene.

Momentan überlagert die Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen selbst die Dauerthemen Euro und Energiewende. Welches politische Vorgehen schlägt die AfD vor?
Horst Seehofer hat es neulich selber gesagt: Wir müssen das Schengener Abkommen kündigen. Wir können nicht hunderttausende Menschen aus Nordafrika oder dem Nahen Osten aufnehmen. Die Italiener brechen täglich das Abkommen, indem sie die Flüchtlinge, die bei ihnen anlanden, in den Zug setzen. Dann reisen die durch zwei sichere Drittländer, Italien und Österreich, zu uns. Die dürften laut EU-Vorgabe eigentlich gar nicht zu uns kommen.

Für solche Vorschläge werden Sie von politischen Gegner als rechts angesehen.
Ach, ich sehe das mit einem gewissen Schmunzeln. Es hilft uns sogar, aber es ist Unsinn. Wir trennen ganz klar zwischen Einwanderung und Asyl. Beim Asylrecht sind wir dafür, dass politisch und auch religiös Verfolgte Asyl in Deutschland bekommen, ohne Wenn und Aber. Insbesondere denke ich da an die hunderttausende geprügelten und systematisch verfolgten syrische Christen, das gilt auch für die Jesiden. Nur: Laut Statistik sind gerade zwei Prozent aller Asylanträge positiv beschieden, bei den restlichen 98 Prozent handelt es sich um Wirtschaftsflüchtlinge. Ich war auch ein Verfechter des Plakats mit dem Ausspruch "Wir sind nicht das Welt-Sozialamt". Stimmt ja: Wir können nicht zig Millionen Schwarzafrikaner aufnehmen. Diese Menschen kommen ohne jegliche Qualifikation und wir hätten keinen Platz.

Wie wäre es denn mit der Schule hier in Wonsees? Sie steht leer und ist im Gemeindebesitz.
Ich habe im Kommunalwahlkampf den damaligen Bürgermeister Günther Pfändner von der Seite angestachelt und gefrotzelt, dass die CSU doch da sicher Asylbewerber unterbringen wolle. Ich hänge da gleich mal ein paar AfD-Fähnchen hin. Das hat man seitens der Christsozialen dann weit von sich gewiesen. Fakt ist: Der Ort ist zu klein, es würde wohl einen Aufstand in der Bevölkerung geben.

Wer sich mit Bürgern über die AfD in Franken unterhält, dem fallen spontan nicht viele Namen ein.
Das kann gut sein. Bundesvorsitzender Bernd Lucke ist das Gesicht, klar. Ich hatte bei einem der ersten Parteitage in Ingolstadt ein Gespräch mit einem Kollegen, der brachte Gabriele Pauli ins Spiel, die ehemalige Fürther Landrätin und so genannte CSU-Rebellin. Ich habe mal im Nürnberger Umland gewohnt, sie war damals meine Landrätin. Die Frau hatte eine Spitzenstellung in der Bevölkerung. Damals dachte ich tatsächlich: Was wir brauchen sind Köpfe. Wegen Georg Hock wählt kaum einer die AfD. Mir fehlt noch der Beckenbauer zum Parteimarketing. Wir haben den Plan mit Frau Pauli dann verworfen. Übrigens: Was die Analyse, nicht die Lösung, aber die Analsye der vermeintlichen Euro-Rettung angeht, ist Sahra Wagenknecht von den Linken meiner Auffassung quasi deckungsgleich. Vielleicht sollte ich bei ihr man anfragen. Die schöne Sahra wär' eine für uns. Sie ist zu intelligent für die Linke.
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