Untersteinach
Trinkwasserversorgung

Die Untersteinacher machen Druck

Die Pressecklein-Freunde nutzten bei der Bürgerversammlung in Untersteinach ausgiebig die Möglichkeit, den Erhalt des eigenen Brunnens zu propagieren.
Artikel drucken Artikel einbetten
So wie in Grafengehaig vor drei Jahren (Bild) werden bald auch in Untersteinach die Bauarbeiter anrücken müssen, um das Wasserleitungsnetz zu sanieren. 70 000 Kubikmeter kostbares Trinkwasser gehen der Gemeinde jährlich verloren.Archiv/Sonny Adam
So wie in Grafengehaig vor drei Jahren (Bild) werden bald auch in Untersteinach die Bauarbeiter anrücken müssen, um das Wasserleitungsnetz zu sanieren. 70 000 Kubikmeter kostbares Trinkwasser gehen der Gemeinde jährlich verloren.Archiv/Sonny Adam
+4 Bilder

Obwohl immer noch nicht hundertprozentig klar ist, ob die Untersteinacher künftig ihr Trinkwasser aus dem eigenen Brunnen Pressecklein beziehen oder ob die Fernwasserversorgung Oberfranken trotz ihrer Ankündigung, für die Gemeinde keine Vollversorgung zu übernehmen, eine Alternative sein kann, fand am Dienstagabend die zweite Bürgerversammlung statt.

Sinnlos war die Veranstaltung, die im Juli von der Interessengemeinschaft Pressecklein-Freunde initiiert worden war und zu der rund 120 Einwohner in die Turnhalle kamen, dennoch nicht. Vor allem nicht für die Vertreter der IG, die ausgiebig die Gelegenheit nutzten, um Druck zu machen und die Werbetrommel für den Erhalt des eigenen Brunnens zur rühren.

Kosten laufen davon

Zum anderen wurde deutlich, dass der Gemeinde bei der in jedem Fall notwendigen Ortsnetzsanierung die Kosten davonlaufen und diese Maßnahme dringend in Angriff genommen werden muss. Dies formulierte der frühere WGU-Gemeinderat Christian Lotter in einem Antrag, in dem er eine umfassende Kontrolle der Wasserleitungen forderte, "auch wenn das einen fünfstelligen Betrag kostet". Zudem gelte es, Alternativen für die Löschwasserversorgung zu prüfen.

Für Letztere, so hatte Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) eingangs betont, habe sich die Gemeinde bereits mit dem Landratsamt abgestimmt, um die Vorgaben zu erfüllen. Diese sähen vor, dass für zwei Stunden 192 Kubikmeter vorgehalten werden müssen. Auch Schmiechen sah den Vorrang der Ortsnetzsanierung, dazu brauche es aber die Entscheidung für eine der beiden Varianten. Beim Erhalt des Presseckleins müsste der Hochbehälter am Eichberg saniert beziehungsweise auf 200 Kubikmeter erweitert werden. "Es gibt Stimmen, die sagen, das Löschwasser ist nicht so wichtig. Ich übernehme da aber keine Verantwortung."

Löschwasser getrennt betrachten

Helmut Bergmann (Pressecklein-Freunde) forderte, die Löschwasserbevorratung gesondert zu betrachten. Nach seinen Recherchen könnten bei Gesamtkosten von 32 000 Euro Behälter mit einem Fassungsvermögen von rund 200 Kubikmetern angeschafft und im Industriegebiet platziert werden.

"Der Grundgedanke ist ja nicht verkehrt, aber man muss das umsetzen können", antwortete Bürgermeister Schmiechen. "Ich kann nicht einfach einen Behälter ins Hochwassergebiet stellen. Deshalb bin ich momentan dabei, zu schauen, wo das möglich ist. Wir brauchen ein Grundstück dafür."

Mit einer Zahlenflut wartete Ingenieur Sven Müller vom Büro BaurConsult auf, der den Bürgern die aktualisierten Kostenschätzungen für die beiden Varianten vorstellte. Demnach würde die Sanierung des Ortsnetzes inzwischen einen Aufwand von rund 2,2 Millionen Euro erfordern, so dass sich die Gesamtkosten des FWO-Anschlusses auf 2 710 000 Euro und der Erhalt des Presseckleins auf 4 310 000 Euro belaufen würden. Auf den Betrachtungszeitraum von 50 Jahren hochgerechnet, ergeben sich Projektkostenbarwerte von 5 172 491 Euro (FWO) und 6 140 662 Euro (Pressecklein) - laut Müller fiktive Werte, die mit der von der Landes-Arbeitsgemeinschaft Wasser empfohlenen Verzinsung von drei Prozent zu tun haben. Bei den jährlichen Kosten stehen sich 201 000 Euro (FWO) und 238 500 Euro gegenüber.

Gunter Zepter, der als stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung Bayern (IKT) ebenso Rederecht erhielt wie IKT-Schatzmeisterin Brigitte Muth-von Hinten, bezweifelte diese Zahlen (siehe gesonderte Artikel unten).

An Kinder und Enkel denken

"Was muss ich bezahlen? Das interessiert die Bürger", meldete sich Helmut Bergmann zu Wort und verwies auf die Beispielrechnung der IG für ein durchschnittliches Anwesen. Demnach frisst der Kubikmeterpreis der Fernwasserversorgung den Vorteil der geringeren Investitionskosten nach 13,5 Jahren auf. "Sechsundreißigeinhalb Jahre zahle ich dann das teure FWO-Wasser. Und nach 50 Jahren ist ja nicht Schluss damit. Mich trifft es dann nicht mehr, aber unsere Kinder, Enkel und Urenkel." Bergmann gab außerdem zu bedenken, dass die FWO in den vergangenen Jahren "3,5 Millionen Miese gemacht" haben: "Die Preiserhöhung kommt."

Bernhard Hermann, dem zuvor wegen mehrerer Zwischenrufe von Bürgermeister Schmiechen das Wort entzogen worden war, vertrat die Meinung, dass hinter dem Ausstieg mehr steckt als die von der FWO behaupteten unsachlichen Debatten.

Wasserhaushaltsgesetz beachten

"Vielleicht das Mikroplastik, das im Wasser gefunden wurde, oder die Mitteilung von Ministerialrat Frei an MdL Schöffel, dass der Paragraf 50, Absatz 2, des Wasserhaushaltsgesetzes sehr wohl zu beachten ist." Der Anschluss an die FWO könne dann die Ausnahme sein, wenn Qualität und Quantität des eigenen Brunnens nicht ausreichen, was beim Pressecklein aber nicht der Fall sei. Diese Rechtsposition werde auch im Umweltministerium vertreten. Herrmann: "Dass sich die FWO eine Woche nach der Korrespondenz mit MdL Schöffel zurückgezogen hat - da hör' ich doch die Glocken klingeln."

"Verrat an Heimat und Umwelt"

Eine Aufgabe des Presseckleins bezeichnete Herrmann als einen "Verrat an die Heimat und die Umwelt" und als ein "Zeichen von Undankbarkeit".

Bei Verwaltungsleiter Martin Betz fragte Herrmann nach, was dessen Vorgespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt ergeben haben. Ein Vertreter dieser Behörde habe ihm, Herrmann, in Bezug auf die Zuschussfrage mitgeteilt, dass die Gemeinde noch keine Informationen über bisherige Investitionen und die Planungen vorgelegt habe.

Betz antwortete, dass noch gewisse Planungsleistungen vergeben werden müssen. Die Bredouille sei außerdem, dass eine europaweite Ausschreibung der Arbeiten erforderlich ist.

Wasserverluste: "Ein dubioses Thema"

Hochkarätige Unterstützung erhielten die Pressecklein-Freunde bei der Bürgerversammlung von der Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung Bayern (IKT). Brigitte Muth-von Hinten, die sich seit Jahrzehnten für den Erhalt gemeindeeigener Brunnen einsetzt und nicht nur Schatzmeisterin der IKT, sondern auch Vorsitzende der Ortsgruppe Margetshöchheim im Bund Naturschutz ist, pries die Vorteile des Presseckleins an, bei dem die Wasserentnahme bis 2042 genehmigt ist. Der Brunnen liefere frisches Wasser in guter Qualität ohne notwendig Behandlung, die Förderung betrage 116 000 Kubikmeter pro Jahr. Zudem würden vertragsgemäß von der FWO 21 000 Kubikmeter zugeliefert - bei einem Verbrauch von 78 000 bis 80 000 Kubikmetern.

Wie später auch Bernhard Herrmann verwies sie auf den Paragrafen 50, Absatz 2, des Wasserhaushaltsgesetzes, demzufolge die öffentliche ortsnahe Versorgung Vorrang hat. "Und es ist nicht so, dass eine Fernwasserversorgung keine Probleme bringt. "In Würzburg, wo die FW Mittelmain zuständig ist, mussten die Leute das Wasser zwei Wochen lang abkochen."

Als "dubioses Thema" bezeichnete die IKT-Schatzmeisterin die Wasserverluste, deren Höhe sich schon oft geändert habe. Auch im Fall von Rohrbrüchen sei aber das Pressecklein in Zukunft die bessere Lösung: "Wenn Sie Eigenwasser haben, zahlen Sie nur die Pumpkosten, bei der FWO aber auch jeden Kubikmeter, der verloren geht." Beim Vollanschluss an die Fernwasserversorgung seien die Betriebskosten dauerhaft höher, und irgendwann werde sich auch bei dieser Variante Sanierungsbedarf ergeben.

"Löschwasser darf kein Argument sein"

Die Frage der Löschwasserbevorratung darf nach Ansicht des stellvertretenden IKT-Vorsitzenden Gunter Zepter kein Argument sein. Um für einen Brandfall gerüstet zu sein, könne auch die Entnahme von Löschwasser aus Teichen, Brunnen, Schwimmbecken, sonstigen Behältern oder durch die Bereitstellung von Tanklösch- oder Behälterfahrzeugen in Betracht gezogen werden.

Zu der von der Landesarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) vorgeschlagenen dreiprozentigen Realverzinsung sagte Zepter, dass diese seit 2008 nicht mehr zeitgemäß ist. "Varianten wie der Erhalt des eigenen Brunnens, die am Anfang hohe Investitionen erfordern, werden dadurch benachteiligt. Bei einem Ansatz von 1,5 Prozent wären die Projektkostenbarwerte alle gleich."

Sven Müller (Ingenieurbüro BaurConsult) antwortete darauf, dass der Zinssatz natürlich inzwischen auf minus 0,2 Prozent gesunken sei. Doch als Planungsbüro müsse man sich eben an diese Empfehlung der LAWA halten. "Das verfälscht das Ergebnis der Kostenberechnungen total", konterte Zepter.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren