Untersteinach
Spendenaktion

Die Untersteinacher Kirchengemeinde sammelt Zinn-Spenden um die gestohlenen Altarleuchter zu ersetzen

Von den gestohlenen Altarleuchtern der Untersteinacher Kirche St. Oswald fehlt jede Spur. Nun sollen mit Hilfe einer Spendenaktion neue angeschafft werden.
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Pfarrer Wolfgang Oertel und Mesnerin Elke Ufer zünden die Altarkerzen an. Die stehen derzeit in Ersatzleuchtern.Foto: Katrin Geyer
Pfarrer Wolfgang Oertel und Mesnerin Elke Ufer zünden die Altarkerzen an. Die stehen derzeit in Ersatzleuchtern.Foto: Katrin Geyer

Der Schreck war groß in der Kirchengemeinde St. Oswald in Untersteinach: Am Wochenende noch hatten die Konfirmanden die Kirche geputzt. Zu Wochenbeginn fiel dann auf, dass die Altarleuchter fehlten. "Erst haben wir noch gedacht, da hat sich jemand einen Jux gemacht und die Leuchter versteckt", erinnert sich Mesnerin Elke Ufer. Aber bald war klar: Das war kein Jux - sonder Diebstahl. Die Polizei nahm die Anzeige auf. Aber die Ermittlungen blieben bis heute ergebnislos. Und die Leuchter blieben verschwunden.

Sechs große Leuchter aus poliertem Zinn waren es, zwischen zwei und drei Kilo schwer, die seit Jahrzehnten den Altar der evangelischen Pfarrkirche St. Oswald schmückten. Gespendet hatten sie einst, so stand es in winziger Schrift auf dem Leuchterfuß zu lesen, die Konfirmanden des Jahres 1937. Materieller Wert: Einige Tausend Euro. Ideeller Wert: Unersetzlich!

Dennoch soll Ersatz beschafft werden. Die Firma Zinn-Kraus in Tirschenreuth hat bereits damit begonnen, neue Leuchter anfertigen. Als Vorlage dienen dabei alte Fotos. Weil jeder der Leuchter ein Einzelstück war, ist der Nachbau verhältnismäßig aufwendig. "Wir gießen erst einzelne Formen. Die werden dann zusammengesetzt, verlötet und gedreht", erläutert Graveurmeister Martin Zant, Geschäftsführer des oberpfälzischen Unternehmens. Verarbeitet wird dabei nicht reines Zinn, sondern eine Legierung, die 95 Prozent Zinn enthält.

Auf rund 2600 Euro beläuft sich der Kostenvoranschlag der Firma Kraus. Bei der Finanzierung setzt die Kirchengemeinde auf die Versicherung - aber auch auf die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung. "Wenn jemand zu Hause Zinnteller, Becher, Pokale oder ähnliches hat, kann er die bei uns abliefern", so Pfarrer Wolfgang Oertel. "Wir geben die dann an die Zinngießerei weiter." Zwar werden diese Spenden nicht zur Herstellung der neuen Leuchter verwendet. "Aber der Gegenwert wird verrechnet."

Einige Zeit wird es noch dauern, bis die neuen Leuchter fertig sind. Aber der Pfarrer und seine Mesnerin hoffen, dass sie im Kirchweihgottesdienst am 23. September wieder auf dem Altar der St.-Oswald-Kirche stehen.

Spendenannahme

Zinnspenden können im Pfarramt zu den üblichen Bürozeiten abgegeben werden: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 13 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr. Außerdem nimmt Mesnerin Elke Ufer vor und nach den Gottesdiensten Spenden entgegen

Die offene Kirche - ein Sicherheitsrisiko?

Dass evangelische Gotteshäuser außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet sind, ist nicht selbstverständlich. Seit Jahren gibt es eine Initiative, die sich unter dem Motto "Unsere Kirche ist offen. Treten Sie ein!" darum bemüht, das zu ändern. Auch die Kirchengemeinde Untersteinach hat sich im Mai 2017 dieser Initiative angeschlossen. Seitdem steht das Gotteshaus an allen Tagen allen Besuchern offen. Zudem zählt die Kirche zu den "Radwegekirchen", die in der Nähe viel befahrener Radwanderwege liegen und Radler zum Innehalten einladen.

Ist eine solche "offene Kirche" nicht ein Sicherheitsrisiko? Das wollten wir von Pfarrer Wolfgang Oertel wissen. "Nein", sagt der - auch wenn der Diebstahl der Altarleuchter das Gegenteil zu beweisen scheint. Dieser Diebstahl und das Zusammentreffen einer Organistin mit Männern mit möglicherweise finsteren Absichten, die allerdings die Flucht ergriffen, als sie angesprochen wurden, seien bislang die einzigen Zwischenfälle gewesen. Deshalb soll die Kirche auf künftig geöffnet bleiben - um möglichst vielen Besuchern den außergewöhnlichen Innenraum und das Wehrkirchen-Ensemble erlebbar zu machen.



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