Kulmbach
Burggeflüster

Die Straßenfeger von Russland

Was wäre, wenn jeden Tag ein WM-Spiel mit deutscher Beteiligung stattfände?
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Symbolbild Marius Becker/dpa
Symbolbild Marius Becker/dpa
Sonntag, 17. Juni, ungefähr 16 Uhr: Das große Gelände der Mönchshof-Brauerei, wo kurz zuvor noch an die 800 Oldtimer standen und von Tausenden Besuchern bewundert wurden, leert sich binnen einer halben Stunde. So schnell, dass es bei der Ausfahrt in die Hofer Straße zu einem ansehnlichen Stau kommt. Was ist passiert?

Sind Teilnehmer und Gäste von einem Gewitter überrascht worden? Hat die Polizei das Gelände wegen einer Bombendrohung geräumt? Weder noch. Der simple Grund: Bis zum Anstoß des Spiels der deutschen Mannschaft gegen Mexiko dauert es nur noch eine halbe Stunde. Die Fußball-WM in Russland ist ein Straßenfeger.

Weil ich beim Oldtimer-Stammtisch Kulmbach bin und neben weiteren Mitgliedern im Mönchshof mit Aufräumarbeiten beschäftigt bin, kann ich die erste Halbzeit nicht sehen.

Dann, es ist kurz vor 17.30 Uhr, eine ganz neue ErFAHRung auf dem Heimweg: Die Straßen sind nahezu auto- und menschenfrei, nach der Berliner Brücke überhole ich einen einsamen Rennradfahrer, der die komplette rechte Spur für sich beansprucht. Am Bahnhof kommt mir noch ein Polizeibus entgegen, am Kriegerdenkmal läuft eine alte Frau. Das war's.

Was wäre, so kommt es mir in den Sinn, wenn jeden Tag WM mit deutscher Beteiligung stattfände? Wir würden jeden Tag Tausende von Tonnen CO 2 einsparen, es gäbe zwei Stunden lang keine Unfälle, die Tankwarte hätten eine große Pause, und der Bierumsatz würde exorbitant ansteigen.

Wird nicht passieren, WM ist nur alle vier Jahre. Als ich die Wohnzimmertür öffne, teilt mir meine Frau mit, dass ich das erste Tor schon verpasst habe. "Für wen?" "Mexiko!"

Ich habe also gar nichts verpasst. Angesichts der mauen Leistung von Jogis Jungs hätte ich mir auch die zweite Halbzeit sparen - und noch ein bisschen auf den leeren Straßen von Kulmbach herumfahren können.


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