Kulmbach
Entdecker-Tour (74)

Auf einem Kulmbacher Schleichweg stehen drei Steine

In der "Kalten Marter" in Kulmbach gibt es eine Besonderheit, die einst sogar einem Wirtshaus den Namen gab.
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Lisa Marie und Christian Eber haben bei der Suche nach einer Inschrift kräftig mitgeholfen. Foto: Erich Olbrich
Lisa Marie und Christian Eber haben bei der Suche nach einer Inschrift kräftig mitgeholfen. Foto: Erich Olbrich
Für die einen ist es eine schöne Abkürzung in die Innenstadt, für die anderen ein beliebter Weg zum Rehberg: Zwei unterschiedliche Trassen führen hoch zu den "Drei Steinen".


Befestigter Weg und Trampelpfad


Ein befestigter Weg zweigt bei der katholischen Stadtpfarrkirche "Zu Unseren Lieben Frau" vom Schießgraben in südlicher Richtung ab, der andere, mehr ein Trampelpfad, führt an der Brunnenstube vorbei von der Trendelstraße hoch (Entdecker-Tour 15).

Aus welchem Grund die "Kalte Marter" auch immer genutzt wird, mit einem Auto ist dies nur eingeschränkt möglich. So musste schon so mancher unkundige Autofahrer, sich auf Karte oder Navi verlassend, hier den Rückwärtsgang einlegen.


Bevölkerung protestierte


Am höchsten Punkt wird nämlich die Durchfahrt von drei Sandsteinen, den "Drei Steinen", versperrt. Vor einigen Jahren unternahm die Stadt Kulmbach den Versuch, eine Durchfahrt zu ermöglichen. Die Sandsteine wurden seitlich in die Grasfläche umgesetzt. Dies wurde aber nach einem heftigen Protest aus der Bevölkerung wieder rückgängig gemacht.

Seit diesem Rückbau passt wenigstens die kleine Kehrmaschine des Bauhofs zwischen den Steinen durch.

Die viereckigen Steine haben unterschiedliche Abmessungen, der linke ist 55 mal 38 mal 35 Zentimeter groß, auf diesem konnte man früher eingemeißelt lesen: "Zum Rehberg". Der mittlere Stein ist 115 mal 40 mal 40 und der rechte zur Mauer hin 65 mal 37 mal 33 Zentimeter groß. Durch verschiedentliche Asphaltierungsarbeiten in diesem Bereich hat sich die sichtbare Größe verändert.


Die Reste von Martern?


Solche markanten Straßensperren werden natürlich im Volksmund gerne mit einer Bedeutung versehen. So sollen diese Steine der Sockel von Kreuzen eines Kalvarienberges oder die Reste von Martern einer Kreuzwegstation gewesen sein.

Dies würde im Zusammenhang mit dem alten Wallfahrtsweg von Kulmbach hinaus zur Mangersreuther Kirche, wo sich ein wundertätiges Marienbild befand, gut passen. Der Weg führte aus der Stadt, nicht wie öfters schon gehört, durch die Öffnung beim Heilingschwertturm, sondern durch die "Mangersreuther Pforte", die zwischen der Oberen Schule und dem Prinzessinhaus lag.
Entlang dieses Weges gab es auch verschiedene Kreuzwegstationen mit Marterbildern. Nachdem Kulmbach 1528 protestantisch wurde, entfernte man sie jedoch.

Die Bezeichnung "Kalte Marter" kommt vom gleichnamigen Flurnamen. Auf alten Zeichnungen findet sich der Name "Kaltes Kreuz". Dieser Nordhang wird von der Sonne weniger erreicht als der Südhang des Rehberges, der den Flurnamen "Gleißende Marter" innehat.


Sperre für Fuhrwerke


Richard Lenker erkannte in den drei Sandsteinen eine Sperre für Fuhrwerke die erst in späteren Zeiten gesetzt wurden.

Viele Spaziergänger nutzten damals wie auch heute den Weg zum Rehberg, um dort Erholung in sauberer Luft zu finden. Ein schwer zu bremsendes Fuhrwerk auf diesem steilen Weg wäre eine zu große Gefahr gewesen.

Beliebt bei den Kulmbachern war auch die Gastwirtschaft die ihren Namen von den "Drei Steinen" erhalten hatte. Leider stürzte der Anbau am 16. Juli 1984 ein. Glücklicherweise waren an diesem Kerwamontag noch keine Gäste im Haus.


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