Stadtsteinach

Die Stadtsteinacher Umgehung nimmt Formen an

Der Bau der Ortsumfahrung Stadtsteinach tritt in die nächste Phase. Nun wurden Gehölze an der Alten Pressecker Straße gerodet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit einer lichten Weite von 55 Metern überspannt die Brücke die Untere Steinach vor dem Eingang zum Steinachtal. Gegen sie wirkt das Gebäude am Hochofen fast wie ein Spielzeug. Fotos: privat
Mit einer lichten Weite von 55 Metern überspannt die Brücke die Untere Steinach vor dem Eingang zum Steinachtal. Gegen sie wirkt das Gebäude am Hochofen fast wie ein Spielzeug. Fotos: privat
+4 Bilder

Es geht zügig voran mit der Ortsumgehung von Stadtsteinach: Schon im kommenden Jahr soll die Streckenfreigabe erfolgen, der Abschluss der Gesamtmaßnahme wird in der zweiten Hälfte des darauffolgenden Jahres erwartet. "Die Aufträge wurden gemäß des Zeitplans abgewickelt", sagt Bauoberrat Siegfried Beck vom Staatlichen Bauamt in Bayreuth.

Bei den bisherigen Arbeiten handelte es sich im Wesentlichen um Bodenerkundungen an wichtigen Stellen der Trasse. Das Wissen um die geologischen Verhältnisse ist nicht nur wichtig für den Straßenkörper an sich, sondern auch für die Brückenbauwerke, die wegen ihrer Masse ein besonders tragfähiges Fundament benötigen. Drei dieser Brücken stehen bereits: Am Hochofen beim Eingang zum Steinachtal ein besonders großer Koloss aus Stahlbeton, über den die Strecke aus südlicher Richtung kommend über die Wallleite nach Norden geführt wird. Die Arbeiten sind mit 1,8 Millionen Euro veranschlagt und noch nicht abgeschlossen.

Anders bei den zwei weiteren Brücken: Fertiggestellt ist das "Bauwerk 1-1" kurz unterhalb der Hartsteinwerke Schicker, das mit einer Million Euro veranschlagt ist. Die dritte Brücke ist entstanden unweit von Höfles. Sie hilft, den nahegelegenen Schindelbach zu queren, dessen Verlauf in einem Teilabschnitt verlegt wird. Mit einer Auftragssumme von 500 000 Euro ist sie die günstigste der drei Brücken. Unweit von ihr wird ein Kreisel entstehen, über den der Verkehr auf die bestehende Trasse der B 303 einmünden und in Richtung Kronach einerseits sowie in die Innenstadt Stadtsteinachs andererseits weitergeführt wird.

Stützwand und Lärmschutz

"Bis Ende Januar werden die Leistungen für den Streckenbau und die weiteren Bauwerke ausgeschrieben. Wir wollen die Arbeiten im Laufe des Frühjahrs zügig fortsetzen", sagt Siegfried Beck. Heuer möchte das Staatliche Bauamt auf jeden Fall mit der Errichtung weiterer Brücken und Stützmauern beginnen. Konkret geht es dabei um die Bauwerke beim Vogtendorfer Weg oberhalb der Firma Röttgen und an der Alten Pressecker Straße. Dort, in unmittelbarer Nähe der Salem-Anlage, wird eine Stützwand errichtet. Zudem sind Lärmschutzwände und -wälle vorgesehen. Nach der Beendigung der Maßnahme geht es an die Wiederherstellung des bestehenden Geh- und Radwegs zwischen der Stadt und ihrem Ortsteil Zaubach.

Alles in allem ist es bisher zu keinen größeren Schwierigkeiten bei den Arbeiten gekommen - mit einer Ausnahme: Weil in Teilbereichen der Boden aus Ton und Tonstein besteht, müssen mancherorts die Böschungen flacher gehalten werden, das heißt ihr Gefälle wird verringert. "Der anstehende Boden muss für den Wiedereinbau als Dammbaustoff durchgängig verbessert und stabilisiert werden", so Siegfried Beck gegenüber unser Zeitung.

Mit dem Bau der Ortsumgehung hatte das Staatliche Bauamt im März vergangenen Jahres begonnen. Der offizielle Beginn lag allerdings erst im Mai, als Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den ersten Spatenstich vollzog. Diese Veranstaltung hatte für Irritationen gesorgt, nachdem zwar Bürgermeister Roland Wolfrum teilgenommen hatte, nicht jedoch das Gros des Stadtrats. Die Räte waren schlichtweg zu diesem Termin nicht eingeladen worden, was deutliche Kritik nach sich zog.

Unmut der Naturschützer

Unmut hatte es auch zu der Gesamtmaßnahme gegeben: Naturschützer und die Gruppierung "Pro Stadtsteinach" prangerten den Eingriff in die Natur an. In weiten Teilen der Bevölkerung aber wird der Umgehungsbau begrüßt als deutlicher Beitrag für Sicherheit und Lebensqualität im Kernbereich Stadtsteinachs. An manchen Stellen wie am Marktplatz oder am Heimatmuseum kommt es beim Begegnungsverkehr vor allem von Lastwagen immer wieder zu brenzligen Situationen. Teils müssen Laster auf die Gegenfahrbahn wechseln, um die engen Kurvenradien meistern zu können. Oder sie befahren die schmalen Gehsteige, um aneinander vorbei zu kommen.

Die B 303 verbindet den südlichen Landkreis Kronach mit der Autobahn A 9. Sie stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem Mittelzentrum Kronach, der Autobahn und dem Landkreis Kulmbach dar. Täglich benutzen sie rund 6700 Fahrzeuge (Quelle: Verkehrszählung 2015).

Umgehung in der Rückblende

Abgelehnt Die Pläne, eine Umgehung für Stadtsteinach zu bauen, sind nicht neu. Schon vor 85 Jahren gab es Ansätze dazu, die aber nicht weiter verfolgt wurden. Diskutiert wurde das Projekt wieder in den 1960-er Jahren und 1979. Mitte der 80-er Jahre lehnte der Stadtrat den Bau der Umgehung mehrheitlich ab.

Verkehrsaufkommen Nach der Grenzöffnung 1989 wird die Bundesstraße 303 immer stärker in Anspruch genommen. Größer werdende Fahrzeuge auch im Bereich der Landwirtschaft verschlimmern die Situation auf der engen und teils kurvenreichen Strecke. Die Klagen über die Zustände werden immer lauter, und es kommt zu einer Demonstration von Betroffenen auf dem Marktplatz. 2014 wird das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Die geplante Streckenführung im Bereich Zaubach stößt auf heftigen Widerstand, sodass Ober- und Unterzaubach vom Gesamtprojekt abgetrennt werden. Im Juni 2017 erfolgt die Baugenehmigung.

Umsetzung Das Bundesverkehrsministerium gibt im Oktober 2017 insgesamt 13,8 Millionen Euro als erste Mittel für den Bau der Umgehung frei. Das Staatliche Bauamt nimmt die Planungen auf. Am 3. Mai 2019 erfolgt der erste Spatenstich. Die Gesamtlänge der neuen Umgehung beträgt 3,5 Kilometer, ihre Kosten belaufen sich auf 22 Millionen Euro. Die Strecke wird über drei Anschlussstellen angebunden und verfügt über insgesamt sechs Brücken sowie je eine Stütz- und Lärmschutzwand (Salem). Zwei Regenrückhaltebecken werden errichtet, bei Höfles ist ein Kreisel vorgesehen.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren