Kulmbach
Einzelhandel

Die Schnäppchenjagd ist eröffnet

Die roten Schilder, die reduzierte Ware preisen, hängen wieder in den Schaufenstern. Ist der Schlussverkauf für die Läden überhaupt noch ein Thema?
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Wer ein Schnäppchen machen will, für den ist gerade genau die richtige Zeit. Mirjam Stumpf
Wer ein Schnäppchen machen will, für den ist gerade genau die richtige Zeit. Mirjam Stumpf
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Eine knarrende Holztreppe führt in den ersten Stock. Oben angekommen steht man in einem gemütlichen Raum zwischen Trachtenmode und Bauernmöbeln. Das urige Geschäft "Kathrin's Geschenkstadel" in der Kulmbacher Innenstadt hat sich ganz auf Traditionelles für jung und alt spezialisiert. Und auch dort, wo es vielleicht erst einmal nicht gleich zu erwarten ist, macht er sich in Form von Schildern bemerkbar: Der Winterschlussverkauf.

In der Zeit nach dem Jahreswechsel sind zahlreiche Schaufenster des Einzelhandels mit solchen Schildern ausgestattet, auf denen "Ware reduziert" steht oder auch nur Prozente abgebildet sind. Die Händler wollen ihre Winterware loswerden, um möglichst bald Platz für die neu eintreffenden Frühlingsartikel zu machen.

"Wir müssen schauen, dass wir unsere Sachen losbekommen, deswegen haben auch wir reduziert", sagt die Inhaberin von Kathrin's Geschenkstadel, Kathrin Herold. "Auch durch die andauernden Baustellen ist die Innenstadt zur Zeit leerer als sonst", beschreibt sie die eher ruhige Einkaufslage.

Davon merken andere Einzelhändler weniger. Bianka Feulner, Angestellte im Modegeschäft "Privera Trend & Style" sagt, dass Januar und Februar generell ruhige Monate bei ihnen im Geschäft sind, da es die Übergangszeit zu den warmen Monaten ist. "Die Wintersachen wollen die Kunden eigentlich nicht mehr, die Frühlingssachen können sie wegen des Wetters aber noch nicht tragen. Deswegen geht man im Winter eher auf Schnäppchenjagd", sagt sie. Mit den Reduzierungen fange "Privera Trend & Style" bereits nach Weihnachten an. Eine gezielte Nachfrage nach bestimmten Produkten bestünde allerdings nicht.

Für einige Kunden spielt der Winterschlussverkauf keine so große Rolle mehr. "Ich schaue mich schon manchmal um, aber ich stürze mich nicht darauf", erzählt eine Kundin, die sich vor einem Geschäft reduzierte Kleidung ansieht. Eine andere Kundin, die auch gerne mal einen Blick auf Reduziertes wirft, ist vor allem überrascht über die hohen Prozente, die in den Läden angepriesen werden. "Es kommt mir vor, als ob die Reduzierungen früher nicht so stark waren", sagt sie.

Zeitfenster vergrößert

Bis vor einigen Jahren war das Zeitfenster, in dem der Winterschlussverkauf stattfinden durfte, gesetzlich geregelt. Ab dem letzten Montag im Januar für genau zwölf Tage - genau so lang war die Winterware zum vergünstigten Preis zu erhalten. Seit einer Gesetzesänderung 2004 wurde dies aber aufgehoben, den Zeitraum kann nun jedes Geschäft selbst festlegen. Auch die Höhe von Rabatten unter dem Jahr dürfen die Händler selbst wählen. "Mit zu vielen Rabatten im Jahr macht man sich den Handel aber eher kaputt", so Sabine Köppel, Bezirksgeschäftsführerin des Handelsverbandes Oberfranken, der die Interessen des Einzelhandels vertritt.

"Rote Preise locken die Kunden an", sagt Center-Managerin des Fritz-Einkaufszentrums Anja Curioso Naiaretti. Trotzdem würde sie einen geregelten Abschnitt des Winterschlussverkaufs wieder befürworten. Dies sieht auch Diana Katz, Inhaberin des Modegeschäfts Katz und Katz, so. Denn durch den genau festgelegten Zeitraum wäre dieser den Kunden besser präsent, sie würden gezielter in dieser Frist zum Einkaufen gehen.

Dem entgegen wirkt auch der Onlinehandel. "Online gibt es ständig Ware, die reduziert zu kaufen ist."

Die Rolle des Klimas

"Früher war der Laden in dieser Zeit immer voll", erinnert sich auch auch Werner Türk an die Zeiten des geregelten Ausverkaufs in seinem Laden. "Heutzutage regelt sich alles über den Preis", gibt der Inhaber von "Herrenmode Türk" zu bedenken. Aber er müsse schließlich auch genug Einnahmen über den regulären Preis hereinbringen, wie beispielsweise im Weihnachtsgeschäft. Eine früh beginnende Reduzierung der Ware wäre da nicht von Vorteil. "Man kann nicht nur von Rabatten leben".

Diana Katz sagt, auch das Klima spiele im Einzelhandel eine große Rolle. Durch den lang andauernden Sommer und den verhältnismäßig warmen Winter ist die Nachfrage nach warmer Winterkleidung nicht so hoch wie in anderen Jahren. "Bei uns sind vor allem Daunenjacken in dieser Saison wenig gefragt", resümiert die Inhaberin. Ende Dezember habe sie deshalb mit den Reduzierungen begonnen. "Das Klima macht uns im Einzelhandel manchmal einen Strich durch die Rechnung."

Im Herrenmodehaus von Werner Türk hat der Winterschlussverkauf erst vergangenen Freitag begonnen. Besonders Pullover seien in den letzten Monaten oft über die Ladentheke gegangen.Bei ihm gibt es jetzt die Wintermode zum halben Preis.



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