Rugendorf
Enegieversorgung

Die Macht des eigenen Stroms: FDP-Chef Lindner staunt

FDP-Chef Christian Lindner, der als Kritiker der Energiewende gilt, besuchte das Energie-Forum der Rugendorfer Firma Münch.
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Firmeninhaber Mario Münch (rechts) im Gespräch mit FDP-Chef Christian Lindner. Foto: Alexander Hartmann
Firmeninhaber Mario Münch (rechts) im Gespräch mit FDP-Chef Christian Lindner. Foto: Alexander Hartmann
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Rugendorf Christian Lindner gilt als Kritiker der Energiewende. Diese sei in ihrer bisherigen Form gescheitert, hat der FDP-Bundesvorsitzende mehrfach im Wahlkampf erklärt. Seine Partei hat sich gegen den staatlich organisierten Umbau der Energiewirtschaft gewandt, ein Ende der Dauersubventionen gefordert. Der Windkraft-Ausbau etwa müsse auf ein vernünftiges Maß begrenzt werden, hat Lindner erklärt und deutlich gemacht, dass es keinen Sinn macht, einen Energieträger mit Subventionen auszubauen, wenn der produzierte Strom nicht genutzt werden kann.


Das physikalisch Machbare

Lindner ist für "eine marktwirtschaftliche Wende in der Energiepolitik", die das ökonomisch und physikalisch Machbare berücksichtigt. Dabei hat er sich stets auch als überzeugter Anhänger von moderner Energietechnologie und regenerativen Energien ausgegeben. Und so war er ein gern gesehener Gast beim Energie-Forum in Rugendorf, zu dem die Firma Münch Energie eingeladen hatte. Eine Firma, die im Bereich der erneuerbaren Energien für Furore gesorgt hat.
Um seinen Eltern die Rente aufzubessern, hatte Inhaber Mario Münch 2002 eine der ersten Freiland-Photovoltaikanlagen Deutschlands gebaut. Inzwischen hat sich die Firma zu einem Musterbeispiel für einen mittelständischen Energieversorger entwickelt. Davon hatte wohl auch Christian Lindner erfahren, der bei seiner Begrüßung vom "sagenumwobenen Herrn Münch" sprach.


200 Unternehmer zu Gast

Der Firmeninhaber hieß seinerseits den FDP-Chef an "Deutschlands energieeffizientesten Industriestandort" willkommen. Münch machte Lindner und den 200 Unternehmern aus ganz Süddeutschland, die der Einladung gefolgt waren, deutlich, welch großes Potenzial die dezentrale Energieversorgung hat. Selbst produzierter Strom sei nicht nur ökologischer, sondern auch deutlich günstiger als der Strom aus dem Netz. Unternehmen wie Kaeser Kompressoren, die Kulmbacher Brauerei oder Aldi seien Kunden. Durch selbst erzeugten Strom erhöhten diese nachhaltig ihre Umsatzrendite und sicherten sich Wettbewerbsvorteile .


Die Münch-Strategie

Wie Münch darlegte, nutzt seine Firma in der Regel vorhandene Dachflächen zur Energiegewinnung durch Photovoltaik. Als Energiespeicher würden neben den klassischen Batterien auch unkonventionelle Speichermöglichkeiten genutzt wie Druckluft, die Antriebstechnik von Hubwagen oder Wasserbecken. Eine digitale Steuerung lege abhängig von der Wettervorschau fest, wann die Energie sofort verbraucht oder in den unterschiedlichen Speichern abgelegt werden soll. "Auf diese Weise werden Unternehmen vollkommen energieautark", stellte Münch fest. Für die Unternehmen rechne sich das vom ersten Tag an. "Sind die Anlagen nach zehn Jahren abgeschrieben, fallen die Energiekosten noch einmal kräftig."
Dass durch den Umstieg auf die Eigenstromversorgung die Überlebensfähigkeit seines Betriebs gesichert worden ist, stellte Bernd Drechsel fest. Drechsel ist Geschäftsführer der Textilveredlung Drechsel GmbH in Selb. Da die Produktion in seinem Unternehmen sehr energieintensiv ist, sei die Abkehr vom Strom aus dem Netz gerade auch mit Blick auf die EEG-Umlage zwingend gewesen, sagte er.

Auch aus Sicht von Christian Lindner ist die dezentrale Versorgung, die die Eigenverantwortung stärke, aus marktwirtschaftlichen Gründen sinnvoll. Die Grundlast werde aber zunächst einmal sehr viel stärker vom Gas getragen werden müssen, da es keine ausreichenden Speichermöglichkeiten gebe, so der FDP-Chef.


Kritik an der großen Politik

Dass es Speicherkapazitäten gibt, machte Claudia Kemfert deutlich, die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ist. Den dezentralen Lösungen gehört nach ihren Worten die Zukunft. Zur großen Politik sagte sie: "Wir reden über Kohlekraftwerke und Stromleitungen, aber nicht über die Welt von morgen, nicht über Konzepte wie die von Herrn Münch." An Christian Lindner gewandt, richtete Claudia Kemfert folgende Worte: "Je länger sie an Kohlekraftwerken festhalten, desto schwerer wird der Umstieg."

Der ist dringend geboten, wie Mario Münch mehrfach deutlich machte. Vieles von dem, was heute möglich sei, sei nach Berlin noch gar nicht durchgedrungen, sagte der Firmenchef, der sein Wissen gerne weitergeben würde: "Ich würde mich für die Bundesregierung sogar prostituieren, um euch zu zeigen, was alles geht."
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