Kulmbach
Naturschutz

Die letzten Brutgebiete des Kiebitz im Kulmbacher Land sind bedroht

Weltweit sind Kiebitze selten geworden. In der Region Kulmbach gibt es noch einen kleinen Bestand - aber auch der ist bedroht.
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Der taubengroße Kiebitz war früher auch in der Region Kulmbach in großer Zahl anzutreffen. Mittlerweile sind die Vögel selten geworden und in ihrem Bestand bedroht. Foto: Archiv/Petra Weller
Der taubengroße Kiebitz war früher auch in der Region Kulmbach in großer Zahl anzutreffen. Mittlerweile sind die Vögel selten geworden und in ihrem Bestand bedroht. Foto: Archiv/Petra Weller
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Groß sind seine Chancen nicht mehr. Es wäre, so meint Frank Schneider vom Landesbund für Vogelschutz, fast ein kleines Wunder, wenn es gelänge, das Verschwinden des Kiebitz aus unserer Region aufzuhalten. Das letzte größere Brutgebiet der Vogelart im Obermain-Gebiet ist akut bedroht: Für den Kiebitz ist es fünf vor zwölf.

Es ist erst wenige Jahrzehnte her, dass die taubengroßen Vögel mit ihrem typischen "kiju-wit"-Ruf in großen Scharen die Wiesen im Landkreis Kulmbach bevölkerten oder mit lockeren, gemächlichen Flügelschlägen in der Luft zu beobachten waren. Mittlerweile allerdings sind Kiebitze weltweit in ihrem Bestand bedroht. Seit 2015 stehen die Vögel auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Der Gründe dafür liegen, so erläutert Frank Schneider, vor allem im Rückgang der Feuchtwiesen. Der Kiebitz, ein Bodenbrüter, der dort seine Nester baute, war sicher: Vor Mitte Mai wurden solche Wiesen nicht gemäht. Bis dahin war das Brutgeschäft längst erledigt, die Jungen waren flügge geworden.
Wo es keine geeigneten Wiesen mehr gibt, weichen die Kiebitze aus. Sie bauen ihre Nester in der Ackerfurchen frisch gepflügter Felder - und setzen sich damit Todesgefahr aus. "Die Zeitspanne zwischen dem Pflügen und der Einsaat ist einfach zu kurz", so Frank Schneider. "Die Vögel haben keine Chance, ihre Eier auszubrüten. Werden die Tier von ihrem Gelege vertrieben, suchen sie sich bisweilen einen neuen Brutplatz. "Aber da passiert dann wieder das Gleiche."

Schneider ist überzeugt davon, dass die Tiere auch im Raum Kulmbach schon verschwunden wären, gäbe es nicht einige wenige Flächen, wo sie noch Unterschlupf finden - und wo es gelungen ist, in Kooperation mit den Landwirten die Vögel und ihre Brut zu schützen.

Wenn im Frühling die Brutzeit beginnt, macht sich ein kleines Häuflein Ehrenamtlicher des Landesbundes für Vogelschutz auf die Suche nach den Vögeln. Dort, wo fliegende Tiere vermuten lassen, dass Nester in der Nähe sind, werden die Äcker behutsam abgesucht - idealerweise mit einem starken Fernglas. Wird ein Nest entdeckt, suchen die Vogelschützer das Gespräch mit dem Nutzer der Fläche. "Manchmal lässt sich die Einsaat verschieben", so der Experte. "Mais lässt sich auch noch im Mai säen."
Eine andere Möglichkeit ist das Markieren der Nester. So hat der Landwirt die Möglichkeit, bei der Einsaat das Nest und die unmittelbare Umgebung auszusparen. "Ein Landwirt, der das macht, hat die Möglichkeit, eine Entschädigung zu beantragen", erläutert Frank Schneider. Freilich stört auch diese Methode die Vögel in ihrem Brutgeschäft auf. "Wir können vielleicht das eine oder andere Nest retten, riskieren aber natürlich auch, dass das eine oder andere Gelege verlassen wird."

Dankbar ist man beim Landesbund für Vogelschutz dafür, dass sich die Landwirte im Rotmaintal sehr entgegenkommend verhalten. Auch für die Modellflugvereinigung, die in der Nähe des Brutgebietes ihr Fluggelände hat, gibt es ein großes Lob: "Natürlich ist der Flugbetrieb auch eine Störung. Aber der Verein ist schon so lange auf dem Gelände aktiv. Die Mitglieder bemühen sich um größtmögliche Rücksichtnahme und versuchen, Störungen möglichst zu vermeiden."

Ein Dorn im Auge sind den Naturschützern hingegen Spaziergänger, die einfach quer über die Wiesen gehen - auch wenn das Gesetz das bis zum 1. Mai noch erlaubt. "Die Lerchen brüten schon. Die werden dadurch ebenfalls gestört." An die Hundebesitzer appelliert Schneider, ihre Tiere anzuleinen.

Was lässt sich sonst noch tun, um die letzten Kiebitz-Bruten in der Region zu retten? "Wer außerhalb des Rotmaintals Kiebitze beobachtet, den bitten wir, uns das zu melden", sagt Schneider. Unter der Telefonnummer 09221/699802 werden entsprechende Hinweise entgegen genommen. "Und dann hat es ja auch jeder Verbraucher durch sein Einkaufsverhalten in der Hand, jene Bauern zu unterstützen, die sich für den Schutz einer bedrohten Art einsetzen."


Der Kiebitz
Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist eine Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer (Charadriidae). Er brütet typischerweise in Feuchtwiesen, weicht seit geraumer Zeit aber auch auf frisch gepflügte Äcker aus.
Kiebitze sind Bodenbrüter; der Bestand ist global bedroht. 2015 wurde die Art auf die Internationale Rote Liste gefährdeter Vogelarten gesetzt.
Das Flugbild des etwa taubengroßen Kiebitzes ist charakteristisch und unverwechselbar: Kiebitze fliegen mit lockeren, gemächlichen Flügelschlägen, die Flügel selbst sind auffällig breit und paddelförmig gerundet. Durch die im Flug blinkende schwarze Ober- und schwarzweiße Unterseite kann man fliegende Kiebitze schon aus weiter Entfernung bestimmen.
Kiebitze sind während der Brutzeit sehr stimmfreudig; ihr Rufen klingt klagend schrill, wie "kschäää" oder "kiju-wit", was ihnen den deutschen und auch den niederländischen Namen "Kievit" eingetragen hat. Im Balzflug kann mit den Flügeln ein wummerndes Geräusch erzeugt werden.

Mehr über den Kiebitz gibt es im Internet auf der Seite des Landesbundes für Vogelschutz.
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