Hutschdorf
Medienerziehung

Die Kinder im Hutschdorfer Kindergarten entdecken die digitale Welt

Im Kindergarten "Kastanienburg" in Hutschdorf ist ein Projekt angelaufen, das den Kindern Medienkompetenz vermitteln soll.
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Gemeinsam mit Medien-Coach Katharina Nierhoff probieren Eva, Emil und Lena (von links) aus, was man mit dem neuen Tablet alles machen kann. Lias, der zu den Jüngsten im Kindergarten gehört, schaut noch etwas skeptisch zu. Fotos: Katrin Geyer
Gemeinsam mit Medien-Coach Katharina Nierhoff probieren Eva, Emil und Lena (von links) aus, was man mit dem neuen Tablet alles machen kann. Lias, der zu den Jüngsten im Kindergarten gehört, schaut noch etwas skeptisch zu. Fotos: Katrin Geyer
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Fröhlich grinst der dreijährige Emil in die Kamera. Hat er nicht gemerkt, dass direkt hinter ihm ein großer, gefährlich anzusehender Löwe sein gewaltiges Maul aufreißt? Gleich wird er angreifen!

Szenen wie diese können kleinen Kinder gehörig Angst einjagen. Nicht so den Schützlingen des Awo-Kindergartens "Kastanienburg" in Hutschdorf. Sie sind richtige Medienprofis, wissen, dass man so ein Bild machen kann, wenn man jemanden vor einer einfarbigen Wand fotografiert und ein Computer das Bild dann in die Aufnahme mit dem Löwen hineinkopiert. Kein Grund zur Aufregung also!

Gelernt haben das die Buben und Mädchen gerade erst in ihrem Kindergarten. Der beteiligt sich an einem Modellversuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP). "Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken" heißt das Projekt. Eine recht akademische Bezeichnung, aber ein sehr konkretes, alltägliches Problem, das ein solches Projekt sinnvoll erscheinen lässt.

Kaum ein Haushalt ohne PC

Medien unterschiedlichster Art gehören längst zur Lebenswirklichkeit kleiner Kinder. Kaum ein Haushalt ohne Fernsehgerät oder CD-Spieler, kaum noch Eltern, die nicht Tag für Tag den Computer und ihr Smartphone nutzen. Technik, die die meisten Kinder fasziniert - die aber auch ihre Tücken hat.

"Kinder, die lernen, mit diesen Medien umzugehen, sind besser vor deren Risiken geschützt", sagt Katharina Nierhoff. Sie ist Medienpädagogin und betreut als Medien-Coach die Buben und Mädchen der "Kastanienburg", deren Erzieherinnen und die Eltern, die vom Modellversuch ebenfalls profitieren sollen.

Tablets und Computer im Kindergarten? Mancher mag das kritisch sehen. Aber Sandra Schmidt, die Leiterin der Einrichtung, und Elisabeth Weith, bei der Arbeiterwohlfahrt Kulmbach zuständig für die pädagogischen Einrichtungen und damit auch für die "Kastanienburg", können die Skeptiker beruhigen. Da wird nicht bloß gedaddelt, sagen sie. Medienerziehung sei vielmehr ein Erziehungsauftrag, festgeschrieben im Bildungsplan für die Kindergärten. Und Katharina Nierhoff betont: "Jedes Kind hat das Recht auf digitale Bildung von Geburt an."

In den Alltag eingebaut

Der Hutschdorfer Kindergarten ist also nun eine von 100 Tagesstätten in Bayern, die mit Hilfe des Projektes diesem Erziehungsziel näherkommen könnten. Die Voraussetzungen könnten idealer nicht sein: Eine kleine, aber feine Tagesstätte ist die "Kastanienburg". Nur zwölf Buben und Mädchen werden derzeit dort betreut, ein paar Plätze sind frei.

Weil der Kindergarten als Sprach-KiTa anerkannt ist, ist die personelle Ausstattung vergleichsweise komfortabel. Sandra Schmidt und ihre Kolleginnen können also sehr intensiv auf die Kinder eingehen - auch beim digitalen Lernen.

Die Beschäftigung mit den "neuen" Medien, die für viele Kinder so neu gar nicht mehr sind, wird in Hutschdorf in den Kindergarten-Alltag integriert - mit ganz überraschenden Ergebnissen. Zu beobachten beispielsweise beim wöchentlichen Waldtag. Da waren kürzlich auch die Tablets im Gepäck. Die Kinder haben Fotos gemacht und kleine Video-Sequenzen gedreht. "Sie sind", so Sandra Schmidt, "plötzlich auf Dinge aufmerksam geworden, an denen sie sonst vielleicht einfach vorbeigelaufen wären."

Stolz auf den eigenen Film

Mit ein bisschen Unterstützung der Erwachsenen ist aus der digitalen Ausbeute des Waldtags ein kleiner, mit Musik unterlegter Film entstanden.

Sehr stolz seien die Kinder danach gewesen - ein ganzer Film, selbst gemacht und mit ihnen selbst als Darsteller! Da werden beim Elternabend die Mütter und Väter staunen...

Die Möglichkeiten, die das Projekt den Kindern bietet, sind nahezu unbegrenzt. Hör-Rätsel lösen, Bilder ausmalen, Rechnen lernen: Zur Grundausstattung (siehe Infobox) gehören viele Apps, kindgerecht und kinderleicht zu bedienen. Kein Wunder, dass die Kleinen ganz hingerissen sind.

Aber tritt in dieser schönen, digitalen Welt nicht womöglich das in den Hintergrund, was so ein Kinderleben eigentlich ausmacht? Mit Puppen spielen oder mit dem Fußball bolzen, sich Geschichten vorlesen lassen oder draußen in den Matsch hüpfen? Sandra Schmidt beruhigt: Das alles habe nach wie vor seinen Platz.

Den Beweis tritt Lias an, einer der Kleinsten in der "Kastanienburg". Ein paar Minuten lang hat er sehr interessiert zugeschaut, wie einige von den "Großen" sich vor der Kamera als Nachrichtensprecher versuchen. Dann hat er genug. Und widmet sich hingebungsvoll wieder seinem großen, bunten, ganz und gar analogen Baukasten.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar.



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