Stadtsteinach
Jubiläum

Die Gründung war einst holprig

Die SPD Stadtsteinach feierte im TSV-Sportheim ihren 100. Geburtstag.
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Die Kreisvorsitzende der SPD, Inge Aures, heftete an die Fahne des SPD-Ortsvereins ein Fahnenband an: Bürgermeister Roland Wolfrum, der erste SPD-Bügermeister in Stadtsteinach seit Bestehen der Partei, und die erste weibliche SPD-Stadträtin Karin Witzgall freuten sich.Sonny Adam
Die Kreisvorsitzende der SPD, Inge Aures, heftete an die Fahne des SPD-Ortsvereins ein Fahnenband an: Bürgermeister Roland Wolfrum, der erste SPD-Bügermeister in Stadtsteinach seit Bestehen der Partei, und die erste weibliche SPD-Stadträtin Karin Witzgall freuten sich.Sonny Adam
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Normalerweise regieren im TSV-Sportheim die Vereinsfarben schwarz und gelb, doch beim Kreistreffen der SPD erstrahlte das Sportheim ausnahmsweise in Rot: rote Jacketts, rote Blusen, rote Schals, rote Krawatten hatten die Genossen zur Feier des Tages angezogen. Auf den Tischen wehten SPD-Fähnchen, und sogar die stolze Fahne des SPD-Ortsvereins wurde zur Feier des Tages ins Sportheim gebracht. Aus dem gesamten Landkreis pilgerten SPD-Genossen nach Stadtsteinach, um das Jubiläum "100 Jahre SPD Stadtsteinach" zu feiern. Die SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures spendierte aus diesem Anlass ein Fahnenband.

Ortsvereinsvorsitzender Roland Wolfrum hatte alle Ausgaben der SPD-Zeitung "Bei uns" aufgelegt und Fotos aus der Geschichte des Ortsvereins gesammelt.

Eigentlich könnte die SPD Stadtsteinach schon 110 Jahre sein, machte SPD-Bürgermeister Roland Wolfrum klar. Denn bereits 1909 gab es die Idee, einen SPD-Ortsverein zu gründen. "Doch aus Respekt vor der Obrigkeit kapitulierten einige Wagemutige", sagte Wolfrum. Und so war es dann erst 1919 soweit: Von den Mitarbeitern der Papierfabrik wurde im "Weißen Ross" die SPD-Sektion Stadtsteinach aus der Taufe gehoben. Der selbstständige Friseurmeister Georg Ploner wurde zum ersten Vorsitzenden ernannt. "Aber Reaktionäre unter den Kunden boykottierten den Friseurladen", erinnerte Wolfrum. Und schon bald zog sich der Friseur zurück. In den Kriegsjahren wurde die SPD dann verboten, die Fahne des Ortsvereins sogar auf dem Markplatz verbrannt.

Aus den Reihen der SPD stammte Michael Schnabrich. Der gebürtige Stadtsteinacher war Reichstagsabgeordneter in der Weimarer Republik und stimmte gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz. Schnabrich wurde ins KZ gebracht und starb im Konzentrationslager Sachsenhausen, erinnerte Wolfrum.

Nach den Kriegsjahren formierte sich die Sozialdemokratie neu. Ihren größten Erfolg verbuchte die SPD, als Roland Wolfrum im Jahr 2008 in einer Stichwahl zum Bürgermeister gewählt wurde. Mit Karin Witzgall zog damals auch die erste weibliche SPD-Stadträtin ins Gremium ein. Bei der letzten Wahl wurde die SPD stärkste Fraktion, Wolfrum wurde im Amt bestätigt.

"Roland, du bist ein Gottesgeschenk", konstatierte Festredner Wolfgang Hoderlein. Hoderlein, der sogar Landesvorsitzender der SPD war, hatte 2011 der sozialdemokratischen Partei den Rücken gekehrt. Ein Jahr später kehrte er jedoch zur SPD zurück. Beim Jubiläum des Ortsvereins hielt Hoderlein eine flammende Rede für die Sozialdemokratie. "Quo vadis, SPD? - Wohin geht die SPD?", fragte er und hatte auch schon eine Antwort. "Wir haben eine Chance, aber nicht, wenn wir so weiter machen."

"Die Sozialdemokratie hat es verdient, auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes zu kommen", meinte der Festredner. Denn die Sozialdemokratie habe in allen Parteiprogrammen Einzug gehalten: "Wir waren die Vorreiter für Arbeitsrecht und Tarifrecht, wir haben uns für das Frauenwahlrecht engagiert und Kinderarbeit verboten", so Hoderlein. Dass der Soziologe Ralf Dahrendorf gesagt habe, dass das sozialdemokratische Jahrhundert zu Ende sei, sei kein Zeichen für das Ende der SPD, sondern ein Zeichen der Wertschätzung, interpretierte Hoderlein und forderte die Partei auf, weiter dafür zu sorgen, dass Reiche und Arme nicht weiter auseinanderdriften und dass die Konzerne nicht die Politik bestimmen können.

GroKo ein "Generalfehler"

Die Große Koalition war "ein Generalfehler", machte der Festredner klar und betonte, dass die Bundes-SPD jetzt die Gretchenfrage zur Koalition stellen müsse. "Die Arbeiterpartei 2019 ist die AfD - das ist eine Schande!", sagte Hoderlein und präsentierte ein Zukunftskonzept für die SPD: Es müsse um sichere Renten für alle, ohne Bedürftigkeitsprüfung, um bezahlbare Mieten, um eine erfolgreiche Bildungspolitik gehen.

Zur Jubiläumsfeier sprachen außerdem der stellvertretende Stadtsteinacher Bürgermeister Franz Schrepfer und Vertreter der SPD-Ortsvereine.

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