Kulmbach
Geburtstag

Die Grande Dame des Kulmbacher Kinos wird 90

Die Kulmbacher kennen Lieselotte Pöhlmann-Schmiedel nur unter dem Namen "Lilo". Jetzt wird "Lilo" 90 - und blickt auf eine bewegte Geschichte in der Langgasse und ein buntes Leben als "Filmfrau" der ersten Stunde.
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Fit hält sich Lieselotte Pöhlmann-Schmiedel mit Kreuzworträtseln und der täglichen Zeitungslektüre. "Wenn mal morgens meine Zeitung nicht da ist, dann werde ich schon nervös. Meine Bayerische Rundschau brauche ich", erzählt die Jubilarin. Foto: Sonja Adam
Fit hält sich Lieselotte Pöhlmann-Schmiedel mit Kreuzworträtseln und der täglichen Zeitungslektüre. "Wenn mal morgens meine Zeitung nicht da ist, dann werde ich schon nervös. Meine Bayerische Rundschau brauche ich", erzählt die Jubilarin. Foto: Sonja Adam
Die Haare sind zwar weiß geworden, aber ansonsten könnte Lieselotte Pöhlmann-Schmiedel glatt als Mitsechzigerin durchgehen, so rüstig und lebendig ist sie. Aber tatsächlich wird sie heute 90 Jahre alt und feiert mit ihrer ganzen Familie in der Langgasse bei sich zu Hause.

Dort hat sie schon immer gelebt. "Ich war nur ein halbes Jahr weg aus der Langgasse, während meines Pflichtjahres beim Arbeitsschutz, im Waisenhaus und im Rehbergheim", erzählt Lilo Pöhlmann-Schmiedel.
Lilo Pöhlmann-Schmiedel und ihre ganze Familie haben ihr Scherflein dazu beigetragen, dass die Langgasse stets belebt war. Denn ihre Schwester hat das legendäre Zigarrengeschäft geführt.

Insgesamt gab es drei Schwestern - sie nannten sich die "Golden Girls": Rosemarie, Käthe und eben Lieselotte. Lieselotte war die älteste - und hat die beiden anderen überlebt. Dort, wo jetzt die Buchhandlung Rupprecht residiert, hat Lilo Pöhlmann-Schmiedel einst ein Kino betrieben. Es hieß "Die Camera".

"Wir hatten einen Saal, es haben genau 501 Leute hineingepasst", erzählt Pöhlmann-Schmiedel und muss ein bisschen schmunzeln. Denn schon ihre Großmuter hat ein Kino betrieben - die ZeLi (Abkürzung für Zentrallichtspiele). Dort liefen sogar noch Stummfilme.

Start mit der "Privatsekretärin"

"Der erste Tonfilm war ,Die Privatsekretärin' mit Renate Müller. Ich erinnere mich daran, obwohl ich da noch ein Kind war", erzählt die Jubilarin.

Und noch eine Episode wird sie nie vergessen. Eines schönen Sonntagmorgens brannte das Kino. "Wir standen auf dem Dach und haben mit Wassereimern gelöscht. Aber der Brand war nicht so schlimm."
Das Hirschengässchen, wie der kleine Zwischengang Richtung Zentralparkplatz heute heißt, war immer nur "das Kinogässchen". Der Eingang zum Kino war wie eine Passage gestaltet. Das war chic damals. Schließlich mussten ja die Filmplakate auch in Schaufenstern ausgestellt werden.

An einem kleinen Kassenhäuschen lösten die Kinofans die Eintrittskarten. Kostenpunkt: 50 Pfennig. Popcorn und Snacks, wie sie heute zum Kino gehören, gab es noch nicht. "Bei uns gab es Mon Cheri und Bluna", erzählt die "Grand Dame des Kulmbacher Kinos".

"Mein Kino war zuerst immer voll", träumt Lilo Pöhlmann-Schmiedel noch heute von den Glanzzeiten des Films. Doch 1969 musste sie schließen. Das Fernsehen hatte seinen Siegeszug angetreten. "Der letzte Film, der bei uns lief, war "El Cid", der von der spanischen Helden-Legende Rodrigo Diaz de Vivar erzählte.

Doch mit dem Thema Kino hatte Lilo Pöhlmann-Schmiedel deshalb noch lange nicht abgeschlossen, auch wenn sie die Räumlichkeiten an Aldi vermietete. Später zogen Reno, Kick, Witt, ideenreich und jetzt eben die Buchhandlung Rupprecht ein. Auch der Naturkostladen residierte einmal in der Langgasse, erinnert sich die Jubilarin.
Sie selbst hat nach der Schließung in Bayreuth bei einem Kollegen ausgeholfen. Aber nicht nur das. Bald verliebte sich Lieselotte Pöhlmann-Schmiedel in den Kinobetreiber Siegfried Thomas aus Bayreuth und wurde seine Freundin. "Und so kam es, dass aus den sechs Wochen Vertretung mehr wurde." Schon lange vorher war sie geschieden worden und mit ihrer Tochter Christine alleine.

Pretty Woman der Favorit

Zusätzlich zu den Bayreuther Kinos "Reichshof", "Die Kammer" und dem "Rex" kam dann noch das Burgtheater in Kulmbach dazu. "In dem Haus, in dem heute noch das Cineplex ist, haben wir aus einem großen Saal drei gemacht und später noch einen vierten Saal obendrauf gesetzt", erzählt Lieselotte Pöhlmann-Schmiedel.
"Mein Lieblingsfilm ist ,Pretty Woman' mit Julia Roberts. Den mag ich immer noch", schwärmt die Neunzigjährige.

Gratulanten sind am Samstagvormittag von 12 bis 13 Uhr willkommen.
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