Stadtsteinach
Natur

Die Fichten im Stadtsteinacher Stadtwald sterben ab

16 Jahre nach dem Supersommer 2003 leidet der Stadtsteinacher Wald erneut unter der extremen Trockenheit und Wärme.
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In der Nähe der Opferstätte werden derzeit mehrere vertrocknete Fichten gefällt. Foto: Klaus Klaschka
In der Nähe der Opferstätte werden derzeit mehrere vertrocknete Fichten gefällt. Foto: Klaus Klaschka
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An einem ähnlichen Wendepunkt wie vor 16 Jahren sieht das Forstamt den Zustand des Stadtsteinacher Stadtwalds. Nach dem Hitzejahr 2003 und den folgenden Käferjahren bis 2009 sowie nach dem Sturm "Kyrill" 2007 hatte der Stadtwald 42 Prozent der Fichten verloren. Das berichtete der stellvertretende Leiter des Stadtsteinacher Forstamts, Gerhard Lutz, bei einer Begehung mit dem Bürgermeister und einigen Stadträten.

Nun ist es wie vor 16 Jahren: "Der erneute lange und trockene Sommer 2018 gibt unseren Fichtenwäldern den Rest. Wir müssen uns fast restlos von den Fichtenbeständen im Stadtwald verabschieden", fasste Lutz den augenblicklichen Zustand zusammen. "Von Juni 2018 bis jetzt sind bereits 70 Prozent der restlichen Fichtenbestände stark geschädigt oder schon komplett geräumt", sagte Lutz.

Kein Gewinn zu erwarten

Fichte auf Diabas, am Südhang und dann noch Trockenheit passten nicht zusammen. Schwierig werde es nun auch für Weißtanne, Esche, Ahorn und Eiche. Und durch die warme, trockene Witterung seien die Käfer in diesem Jahr noch früher dran als 2018. "Aber wir haben es gemeinsam schon einmal geschafft, einen naturnahen Mischwald zu begründen; warum nicht aus diesmal?"

Allerdings müsse sich die Stadt von ihren Wald-Bewirtschaftsplänen aus dem Jahr 2011 verabschieden, die eigentlich auf 20 Jahre ausgelegt waren. In zwei Jahren werde das Forstamt ein neues Resümee ziehen, so dass dann von neuem darüber beraten werden kann. Gewinn solle man aus dem Wald nun nicht erwarten, "wir erhoffen uns aber eine schwarze Null".

Besondere Bedeutung komme jetzt der anstehenden Baum-Artenwahl "im nun endgültig angekommenen Klimawandel" zu. Auch die normalen Laubhölzer, wie der Bergahorn seien nicht restlos vor Schädigungen bei höheren Tempeturen gefeit, sagte Lutz. Daher sei jetzt eine intensivere Mischung aus mindestens drei Baumarten das Ziel.

Fremde Arten gepflanzt

Dazu seien in den vergangenen fünf Jahren verschiedene fremde Baumarten "als Versuch" gepflanzt worden: Flatterulme, Baumhasel, Walnuss, Edelkastanie und Elsbeere zum Beispiel. Am Hainberg sei im Bereich der Opferstätte ein sogenanntes Arboreum mit verschiedenen seltenen Baumarten geplant, über die die Wanderer dort auch genauer informiert werden sollen.

Bei der Waldbegehung erläuterte Förster Frank Hömberg diverse geschädigte Bereiche und auch begonnene und anstehende Wiederaufforstungsflächen.

Zum Schutz der Neuanpflanzungen sei auch die Unterstützung durch die Jagd sehr wichtig. Man wolle aus finanziellen und aus Gründen des Landschaftsbildes "nicht kilometerweise Zäune" stellen. Hierfür hätten laut Lutz die Jagdpächter Georg Geier und Otto Kreul bereits ihre Mithilfe durch Schwerpunktbejagung in den geschädigten Flächen angekündigt.

Heute mehr Mischwald

Die Stadt ist Eigentümer von 110 Hektar Holzwald auf einer Gesamtfläche von 142 Hektar auf Diabas und nährstoffreichen Flächen, allerdings an zu Trockenheit neigenden Standorten. Nach 2003 wurde der Fichtenwald auf grob ein Drittel Nadel- und zwei Drittel Laubwald umgestellt.

Bis heute wurden 15,6 Hektar wieder aufgeforstet. Rund 47 000 Pflanzen wurden gesetzt, zusätzlich zu den "naturverjüngten" Flächen, auf denen Bäume selbst ausgesät hatten. Etwa 40 der 110 Hektar Wald sind noch keine 20 Jahre alt. Als Schutzwald sind rund 40 Hektar ausgewiesen.

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