Untersteinach
Wasserversorgung

Die Bürger sollen entscheiden

Der Gemeinderat Untersteinach will die Bürger entscheiden lassen, wie die Trinkwasserversorgung künftig geregelt wird.
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Woher kommt künftig das Trinkwasser? Bei dieser Frage deutet in der Gemeinde Untersteinach alles auf einen Bürgerentscheid am 14. Oktober hin.Symbolbild Patrick Pleul/dpa
Woher kommt künftig das Trinkwasser? Bei dieser Frage deutet in der Gemeinde Untersteinach alles auf einen Bürgerentscheid am 14. Oktober hin.Symbolbild Patrick Pleul/dpa
Bei der Frage, welche Variante der künftigen Wasserversorgung in Untersteinach zum Tragen kommt - Erhaltung des eigenen Brunnens oder Vollanschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) -, läuft es auf einen Bürgerentscheid hinaus: Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, bis zur nächsten Sitzung die Fragestellung für ein Ratsbegehren auszuarbeiten. Befürwortet das Gremium am 24. Juli dieses demokratische Instrument, sollen die Stimmen der Bürger bei der Landtagswahl am 14. Oktober mit ausgezählt werden.

Zunächst aber hat der Gemeinderat am Dienstagabend ein von Verwaltungsleiter Martin Betz ausgearbeitetes Schreiben an die Bürger "abgesegnet". Die darin enthaltenen Informationen über die Möglichkeiten der künftigen Wasserversorgung in Untersteinach und die Kosten werden in dieser Woche an alle Haushalte verschickt.

In dem dreieinhalbseitigen Informationsschreiben wird eingangs festgestellt, dass wesentliche Teile der Wasserversorgung sanierungsbedürftig sind und die Situation für den Hauptort Untersteinach vereinfacht in vier Bereiche untergliedert werden kann:
• Wassergewinnung (Quelle/Brunnen Pressecklein)
• Wasserbevorratung (zwei Hochbehälter)
• Übergabeschacht der Fernwasserversorgung Oberfranken
• Wasserverteilung

Nach der Vorprüfung durch den Gemeinderat sind zwei Varianten übriggeblieben: Die Sanierung der eigenen Quelle mit Neubau eines Hochbehälters einschließlich flankierender Maßnahmen (Variante "Brunnen + FWO") mit voraussichtlichen Gesamtkosten von 1,76 Millionen Euro oder die Variante "Vollanschluss FWO", der 455 000 Euro kostet.

Vorsorglich und ausdrücklich weist der Verwaltungsleiter darauf hin, dass diese Kosten zusätzlich anfallen zum Aufwand für die Sanierung des maroden Leitungsnetzes, der mit 1,9 Millionen Euro ermittelt wurde.

Neben den Investitionskosten sind auch die voraussichtlichen Betriebskosten für die Dauer von 50 Jahren angeführt. Diese betragen bei der Variante "Brunnen + FWO" 48 600 Euro und bei der Variante "Vollanschluss FWO" 96 700 Euro - jeweils bei einem jährlichen Verbrauch im Netz von 140 000 Kubikmetern Wasser. Hauptgrund für die deutlich höheren Kosten sind die an die Fernwasserversorgung Oberfranken zu zahlenden Wasserentgelte.


FWO ist wirtschaftlicher

Werden Investitions- und Betriebskosten zusammengeführt, ergibt sich - auf 50 Jahre gesehen - beim Erhalt des eigenen Brunnens eine Summe von 5 408 527 Euro und beim FWO-Vollanschluss eine Summe von 4 909 548 Euro. Fazit: Die Variante "Vollanschuss FWO" ist wirtschaftlicher, und zwar sowohl bei der Betrachtung der sofort fälligen Investitionskosten (455 000 Euro zu 1,76 Millionen Euro) als auch bei der langfristigen Betrachtung, bei der sich ein Vorteil von rund einer halben Million Euro ergibt.

Fest steht aber auch, das hat Verwaltungsleiter Betz in dem Schreiben ebenfalls deutlich gemacht, dass bei einer etwaigen Verwirklichung des FWO-Vollanschlusses die Wassergebühren deutlich höher wären als bei der Brunnen-Variante. Bei verkauften Wassermengen von 72 500 Kubikmetern würden demnach die Mehrkosten rund 65 Cent pro Kubikmeter betragen.

Auch Berechnungsbeispiele für den einmalig zu zahlenden Verbesserungsbeitrag hat Martin Betz anhand verschiedener Grundstücks- und Geschossflächen beigefügt. So würde der Besitzer eines durchschnittlichen Grundstücks mit 700 Quadratmetern und einer Geschossfläche von 300 Quadratmetern bei der Erhaltung des eigenen Brunnens mit 1786 Euro und beim Vollanschluss an die FWO mit 463 Euro zur Kasse gebeten. Die Betriebskosten sind im Fall der Fernwasserversorgung allerdings höher als bei der Eigenversorgung.


Unterschiedliche Meinungen

In der Beurteilung, ob das Schreiben so an die Bürger herausgegeben werden kann oder ob es verbesserungswürdig ist, waren sich die Ratsmitglieder nicht einig. Auf die entsprechende Frage des Verwaltungsleiters urteilte Alfred Vießmann (UBG), dass es "doch etwas kompliziert für den einfachen Bürger" sei, und auch Markus Weigel vertrat die Auffassung, dass es "die Mehrheit nicht versteht". Reiner Seiffert (CSU) und Uwe Jackwerth (SPD) hingegen sahen keine Probleme.

Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) machte etwas Druck ("Wir müssen endlich in die Pötte kommen, wir wollen die Entscheidung nicht noch länger hinauszögern") und gab zu bedenken, dass sich die Preise bis zum Zeitpunkt der Ausführung noch verändern werden. "Da darf man nicht blauäugig sein, wir haben es bei der Hummendorfer Brücke gesehen, wie die Tiefbaukosten explodieren können." Auf den Einwand von Thomas Rosenberger, dass ihm der Betrachtungszeitraum von 50 Jahren zu lang sei, sagte Schmiechen: "Wir wissen ja auch nicht, ob der Brunnen in 20 oder 30 Jahren noch schüttet."

Markus Weigel (WGU) forderte, die Auslotung von Fördermöglichkeiten in das Schreiben mit aufzunehmen, und kritisierte, dass seitens der FWO auf Sicht von 25 Jahren keine Stabilität des Wasserpreises garantiert werde. Dazu sagte Verwaltungsleiter Betz, dass für die Zeiträume 15, 30 und 50 Jahre sehr wohl gewisse Preissteigerungen berücksichtigt worden seien.

Weigel, der ebenso wie zuvor Thomas Rosenberger (UBG) gerne mehr Zeit für die Beurteilung des Informationsschreibens gehabt hätte (es lag erst am Montag im Rathaus bereit, Anm. d. Red.), fand aber keine Mehrheit für seinen Wunsch, das Thema noch einen Monat zu verschieben. Konsequenterweise votierte er dann bei der Abstimmung als Einziger dagegen.

Nächster Schritt bei der Beteiligung der Einwohner ist zunächst die Bürgerversammlung am Donnerstag, 12. Juli, um 19 Uhr in der Turnhalle. Dort werden weitergehende Fragen zum Thema beantwortet.

Telekom übernimmt Breitbandausbau auf eigene Kosten

Für den Bereich der Gemeinde Untersteinach plant die Deutsche Telekom Technik GmbH in Bayreuth einen sogenannten eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau. Dazu ist es notwendig, neue Schaltgehäuse an sechs Standorten zu errichten. Deren Festlegung stand auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend.
Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) teilte mit, dass er sowie Bauamtsleiter Walter Amstätter und ein Vertreter der Telekom die geplanten Standorte - fünf öffentlich gewidmete Flächen und ein Privatgrundstück - besichtigt haben. Es sind dies: Am Bühl 21, Eichbergstraße 22, Hauptstraße 4, Pestalozzistraße 5, Stadtsteinacher Straße 34 und Von-Varell-Straße 30. Laut Schmiechen befinden sich dort bereits Anlagen der Deutschen Telekom oder Vodafone, die neuen Schaltgehäuse seien allerdings wegen der umfangreicheren Technik etwas größer. Das Gremium stimmte allen Standorten einmütig zu.


Bauantrag genehmigt

Sein Einvernehmen erteilte das Gremium mit dem Bauantrag von Melanie und Ferit Kilic auf teilweise Erweiterung und Aufstockung des Einfamilienhauses in Gumpersdorf Nummer 6. Das Backsteinhaus soll im Erdgeschoss um eine Wohnfläche von 50 Quadratmetern und im Obergeschoss um 11,45 Quadratmeter vergrößert werden.
Nach der enormen Kostensteigerung beim Neubau der Steinachbrücke in Hummendorf musste der Gemeinderat am Dienstag eine weitere bittere Pille schlucken.


Brücke wird noch etwas teurer

Wie das Planungsbüro Schnabel mitteilte, hat die Landesgewerbeanstalt noch ein prüfbare Statik der Spundkästen gefordert, was ein Nachtragsangebot der Firma Dietz-Bau von insgesamt 22 467,20 Euro zur Folge hatte. Damit haben sich die Gesamtkosten der Brücke gegenüber dem Voranschlag aus dem Jahr 2015 um 325 000 auf 850 886 Euro erhöht. Der Mehraufwand, so Schmiechen, sei nicht förderfähig.


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