Grafengehaig
Ehrenamt

Die Brauchtum-Retterinnen von Grafengehaig

Jutta Dietrich nimmt sich einen Halm nach dem anderen aus dem Strohhaufen, stutzt ihn akkurat zurecht und steckt ihn zu einem kleinen Büschel zusammen. Vorsichtig reicht sie den Strauß weiter an Lisa Schüssler. Und die bindet ihn sorgfältig mit Traudel Titus an das Metallgestell. Wer sagt, so eine Erntekrone sei schnell gemacht, der irrt gewaltig.
Artikel drucken Artikel einbetten
Lisa Schüssler, Lilo Schramm und Traudel Titus (von links) befestigen die Sträuße nach und nach an dem Metallgestell. Zum Schluss bekommt die Krone noch farbenprächtigen Blumenschmuck. Fotos: Matthias Beetz
Lisa Schüssler, Lilo Schramm und Traudel Titus (von links) befestigen die Sträuße nach und nach an dem Metallgestell. Zum Schluss bekommt die Krone noch farbenprächtigen Blumenschmuck. Fotos: Matthias Beetz
+2 Bilder
Seit Jahrzehnten ist dieser Schmuck der Grafengehaiger Kirche Tradition, nur im vergangenen Jahr mussten die Gläubigen darauf verzichten. Die Landjugendgruppe hatte es personell nicht geschafft, eine Krone zu binden.

In diesem Jahr nahmen der Gartenbauverein und der Frauenkreis die Sache in die Hand. Heike Söllner und Heidi Kirschenlohr organisierten die Arbeitseinsätze; die ehemaligen Landjugendmitglieder Tanja Döring, Lisa Schüssler, Heike Söllner, Michael Schüssler, Thomas Schüssler und Gerhard Goller gaben den traditionsbewussten Helferinnen einen Schnellkurs, wie man eine Erntekrone überhaupt anfertigt.

Rechtzeitig vorgesorgt

Am wichtigsten: Rechtzeitig dafür sorgen, dass die benötigten Getreidesorten Hafer, Gerste, Roggen und Weizen auch nach der Ernte noch unversehrt zur Verfügung stehen.
Bertram Schüssler, Uwe Witzgall und Günther Goller kümmerten sich darum, so dass die "Arbeiterinnen" vor einigen Wochen ans Werk gehen konnten.

Und die brauchen Ausdauer. "Geduld muss man schon mitbringen", sagt Jutta Dietrich, während sie Halm für Halm auf Länge bringt, zu einem kleinen Büschel zusammensteckt und dann an eine der Kolleginnen weitergibt, die den kleinen Strauß akkurat in den Ährenteppich um das Metallgestell einwebt. Nicht nur einmal wird eine dritte und vierte Hand benötigt, damit die Sträuße fest sitzen und nicht ins Rutschen kommen.

20 Stunden pro Person

Um die 20 Stunden Einsatz pro Person werden es wohl werden, bis die Erntekrone 2014 fertig ist, schätzt Sabine Burger. Mit 15 weiteren Frauen hat sie sich bereiterklärt, die Geduldsaufgabe zu übernehmen. Immerhin ist Grafengehaig eine der letzten Ortschaften im ganzen Landkreis Kulmbach, die dieses Brauchtum seit Jahrzehnten pflegt; der "Aussetzer" des Jahres 2013 soll ein Einzelfall bleiben.

Worüber sich auch der Grafengehaiger Bürgermeister Werner Burger freut. "Ich bin dankbar, dass der Gartenbauverein und der Frauentreff die Tradition fortsetzen", sagt er und ist regelrecht begeistert, mit welcher Akribie die Damen zu Werke gehen.

Ob sie auch im kommenden Jahr für diese Aufgaben zur Verfügung stehen werden? "Eher nicht", sagt Sabine Burger. Denn die Krone hält im Normalfall zwei bis drei Jahre und wird deshalb nach dem feierlichen Erntedankgottesdienst in der Grafengehaiger Heilig-Geist-Kirche am 5. Oktober an einem sicheren Ort verstaut. Sicherer Ort? "Ja, damit die Mäuse nicht drankommen."
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren