Kulmbach
Jubiläum

Die Awo feiert ein rauschendes Fest

Der Sozialverband wird 100 Jahre alt. In Kulmbach wurden die Jubiläen 50 Jahre Rehbergheim, 40 Jahre Frühförderstelle und zehn Jahre Kinderkrippe gefeiert.
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Die "Voice Kids" übertrafen sich bei der offiziellen Eröffnung des Festes selbst.Sonny Adam
Die "Voice Kids" übertrafen sich bei der offiziellen Eröffnung des Festes selbst.Sonny Adam
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Als Marie Juchacz am 13. Dezember 1919 von der SPD die Erlaubnis bekam, den Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt (Awo) zu gründen, war dies ein Meilenstein. Nach den Kriegsjahren hatte die Awo einzig und allein die Aufgabe, die Not der Bevölkerung zu lindern. Doch diese wichtige Aufgabe setzte ein Kettenreaktion in Gang. Denn Marie Juchacz kämpfte auch für das Frauenwahlrecht. Sie hielt als erste Frau überhaupt eine Rede im gewählten Parlament.

"Von Anfang an war die Awo kein karitativer Wohlfahrtsverband, sondern die organisierte Hilfe zur Selbsthilfe der Arbeiterschaft. Von Beginn an sammelte die Awo nicht einfach Almosen, sondern sie stritt für die Verankerung sozialer Rechte und die Verwirklichung ihrer gesellschaftlichen Leitideen", machte die Kreisvorsitzende Inge Aures bei der Jubiläumsfeier in der Hannes-Strehly-Straße klar. Die Leitideen waren und sind: Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Solidarität und Toleranz.

Heute zählt die Arbeiterwohlfahrt auf Bundesebene 335 000 Mitglieder und beschäftigt 215 000 hauptamtliche Mitarbeiter. Auch im Landkreis Kulmbach kann die Awo auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Der Kreisverband hat 1900 Mitglieder; in 46 Einrichtungen und Diensten sind 800 Mitarbeiter beschäftigt. "Damit ist die Awo ein starker Arbeitgeber in der Region", sagte die Kreisvorsitzende.

Inge Aures ließ die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt nicht in trockenen Worten Revue passieren, sondern Rüdiger Baumann hat zum Jubiläum die wechselhafte Geschichte des Verbands in einem lebendigen und mitreißenden Theaterstück zusammengefasst.

Die Arbeiterwohlfahrt in Kulmbach ist natürlich streng genommen noch keine 100 Jahre alt. Doch das Jubiläum auf Bundesebene sollte ein Signal zum Feiern sein. Und immerhin besteht das Rehbergheim seit 50 Jahren. Am 1. April 1969 mietete die Awo das Rehbergheim an, um ab diesem Zeitpunkt 30 geistig und schwerstbehinderte Kinder zu betreuen. Inzwischen werden alle Kinder im Förderzentrum in der Hannes-Strehly-Straße beschult. Heute ist das Rehbergheim ein modernes Internat mit familiärem Charakter, betonte Aures. "Anders sein ist für uns normal", so die Kreisvorsitzende.

Ebenfalls ein Jubiläum hat die Frühförderstelle. Seit 1979 gibt es diese Einrichtung, die schon Kinder ab der Geburt unterstützt. Inzwischen werden in der Frühförderstelle 190 Kinder von 16 Mitarbeitern des pädagogisch-psychologischen Dienstes betreut.

Und die dritte Kulmbacher Einrichtung der Awo, die Geburtstag feierte und das Kulmbacher "Hundertjährige" komplettierte, ist die Kinderkrippe Krümelkiste, die seit zehn Jahren besteht. Die Krümelkiste war übrigens die erste Einrichtung in Kulmbach, die eine Krippe angeboten hat. Inzwischen ist die Krümelkiste die einzige reine Krippe. Sie bietet Kindern zwischen null und drei Jahren einen Platz im "Mäusenest" oder bei den "Leuchtkäfern".

Bezirksrätin Dagmar Keis-Lechner (Grüne) hielt eine emotionale Rede. "Die Awo hat dazu beigetragen, dass meine Tochter Lisa-Marie so ist, wie sie ist", sagte Keis-Lechner. Lisa-Marie konnte anfangs nicht selbstständig atmen, essen, lachen, sprechen. "Sie konnte nicht sehr viel. Durch die Förderung hat sich viel getan", sagte Keis-Lechner. Persönlich und in ihrer politischen Funktion kämpfe sie für finanzielle Ausstattung der Einrichtungen.

Auch Landrat Klaus Peter Söllner und Zweiter Bürgermeister Ralf Hartnack sprachen der Arbeiterwohlfahrt den größten Respekt aus und gratulierten.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand jedoch das gesellige Miteinander. Die Jubiläumsfeier wurde von den "Voice Kids" der heilpädagogischen Tagesstätte umrahmt. Auch Hans-Georg-Busch machte Musik. Die Senioren erfreuten sich am reichhaltigen Kaffee- und Kuchenbüffet. Und die Kinder vergnügten sich auf der Hüpfburg und bei Spiel- und Spaßangeboten.

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