Thurnau
Schlosstheater

"Die amerikanische Päpstin" in Thurnau

Charis Hager tritt zurzeit im Thurnauer Schlosstheater als "Die amerikanische Päpstin" auf. Die Rolle lässt sie auch nach der Vorstellung nicht los - das Publikum hat Gesprächsbedarf.
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Die Kirche ist verarmt, im früheren Vatikan hat sich der Papst Räumlichkeiten angemietet, und selbst die päpstlichen Gewänder gehören mittlerweile einem Investor. Die amerikanische Päpstin (Charis Hager) erklärt, wie es so weit kommen konnte. Foto: Katharina Müller-Sanke
Die Kirche ist verarmt, im früheren Vatikan hat sich der Papst Räumlichkeiten angemietet, und selbst die päpstlichen Gewänder gehören mittlerweile einem Investor. Die amerikanische Päpstin (Charis Hager) erklärt, wie es so weit kommen konnte. Foto: Katharina Müller-Sanke
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Wollen wir Menschen absolut frei sein? Oder brauchen wir eine Autorität, die uns sagt, was wir tun sollen? Eine Instanz, die uns vorgibt, was richtig ist und was falsch? Können wir uns vor uns selbst rechtfertigen oder brauchen wir eine Institution, die uns unsere Sünden vergibt? Diese und viele weitere Fragen über Gott, die Welt und die Menschen, die in ihr leben, sind es, die im Theaterstück "Die amerikanische Päpstin" von Esther Vilar aufgeworfen werden. Aktuell wird das Werk im Thurnauer Schlosstheater gezeigt.

Polemischer Blick in die Zukunft

Das Stück spielt im Jahr 2042. Eine Frau erläutert in einer Fernsehansprache ihre Beweggründe und Ziele für ihr neues Amt als Päpstin.
In einer Zeit, in der die Kirche quasi in Auflösung begriffen, das religiös motivierte moralische Wertesystem in Vergessenheit geraten ist und die einst vertrauten Rituale längst abgeschafft worden sind, geht die Päpstin kritisch mit der Kirche und vor allem mit ihren männlichen Vorgängern ins Gericht.

Ein polemischer Blick in die Zukunft nicht nur der Institution Kirche, sondern vielmehr einer durch Aufweichung der vertrauten Regelsysteme haltlos gewordenen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die bei allem Fortschritt Sehnsüchte hat, nach Verbindlichkeit, nach Regeln, nach Vergebung, nach Absolution, nach Autorität.

Die Schauspielerin Charis Hager zeigt unter der Regie von Uwe Hoppe das Ein-Mann Stück, das sie bereits vor zwei Jahren sehr erfolgreich, aber auch umstritten auf mehreren Bühnen der Region gespielt hat.

Heute wirkt sie noch souveräner und sicherer als damals. Charis Hager schafft es, als amerikanische Päpstin die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu konservieren, kaum einer, der nicht gebannt an den Lippen der Schauspielerin hängt. Und das bei einem Stück, dessen Inhalt teils harter Tobak ist.

Eine überzeugende Vorstellung, die verstehen lässt, warum Charis Hager immer wieder nach der Vorstellung auf die eine oder andere polarisierende oder kirchenkritische Aussage angesprochen wird. "Das bin ich gewohnt", sagt die Schauspielerin hinterher. "Viele Zuschauer vergessen, dass ich eine Rolle spiele. Ich bin nicht die Päpstin, ich spiele sie nur", stellt sie klar.

Diskussionen nach dem Auftritt

Diskutiert werden kann und soll trotzdem. Ein großer Teil der Besucher bleibt noch lange zusammen, einige interessante Gespräche entwickeln sich. Und das ist auch das Ziel des Ganzen. "Ich will zum Nachdenken anregen", betont Charis Hager und muss gleich wieder weiter, schließlich haben noch viele Zuschauer Diskussionsbedarf.

Religion und Kirche ist nicht mehr in? Im ausverkauften Schlosstheater ist davon nichts zu spüren. Am 9. und 22. November wird das Stück wiederholt.
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