Kulmbach
Selbsthilfe

Diagnose Brustkrebs: Ein Schock und ein Neuanfang für eine Kulmbacherin

Silke Kreß ist zwei Mal an Brustkrebs erkrankt und hat den Tumor doppelt besiegt. Als Mutmacherin unterstützt sie jetzt andere Frauen in Kulmbach.
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Das Projekt "schön & stark - Frauen mit Krebs" der Fotografin Franziska Günther soll Frauen, die durch die Diagnose Brustkrebs am Boden zerstört sind, ein Stück Weiblichkeit zurückgeben. Mit dabei ist die Kulmbacherin Silke Kreß (Zweite von links), die sich als Mutmacherin im Verein Pink Ribbon Deutschland engagiert. Foto: Franziska Günther Fotografie
Das Projekt "schön & stark - Frauen mit Krebs" der Fotografin Franziska Günther soll Frauen, die durch die Diagnose Brustkrebs am Boden zerstört sind, ein Stück Weiblichkeit zurückgeben. Mit dabei ist die Kulmbacherin Silke Kreß (Zweite von links), die sich als Mutmacherin im Verein Pink Ribbon Deutschland engagiert. Foto: Franziska Günther Fotografie

Warum ich? Silke Kreß kann es zunächst nicht begreifen, als die Diagnose feststeht: Brustkrebs - zum zweiten Mal! Es ist November 2011. Ihre erste Brustkrebs-Erkrankung ist da schon zehn Jahre her, und sie glaubte bis zu diesem Moment, alle Widrigkeiten überstanden zu haben.

"Wie mit Watte auf den Ohren"

Doch dann ist der Krebs plötzlich wieder da. "Mit einem Mal wird man wieder aus dem Leben herausgerissen. Ich bin zu den Arztterminen gegangen und fühlte mich, als hätte ich Watte auf den Ohren, wie betäubt." Silke Kreß ist froh, dass sie in dieser Situation ihren Mann an ihrer Seite hat. "Er hat mir den ganzen medizinischen Teil, alles Organisatorische, abgenommen. Es sind so viele Informationen, die auf einen einprasseln. Das kann man gar nicht alles verarbeiten."

Bei der ersten Krebserkrankung war brusterhaltend operiert worden, bei der zweiten setzte die Kulmbacherin zunächst auf ein Implantat. Wundheilungsstörungen und mehrere Folgeoperationen, vor allem aber das Ergebnis eines Gentests, veranlassten Silke Kreß dann jedoch zu einem radikalen Schritt: Sie ließ sich beide Brüste entfernen.

Heute hat die 47-Jährige nicht nur den doppelten Schicksalsschlag verarbeitet: Sie strahlt Energie und Lebensfreude aus. Dieses Gefühl möchte sie auch anderen Frauen vermitteln und eine Selbsthilfegruppe speziell für Frauen mit Brustkrebs in Kulmbach gründen. Das erste Treffen findet schon im Januar statt.

Die Mission der Kulmbacherin: Anderen Frauen Mut machen, ihnen helfen, mit den vielfältigen körperlichen und seelischen Belastungen fertig zu werden, die die Erkrankung mit sich bringt, aktive Projekte anstoßen, die über den üblichen Erfahrungsaustausch hinausgehen.

Ihre persönlichen und beruflichen Erfahrungen qualifizieren Silke Kreß besonders für diese Aufgabe. Sie war früher als OP-Schwester am Klinikum Kulmbach tätig, arbeitet heute als Ergotherapeutin und ehrenamtlich in der Begleitung von Brustkrebspatientinnen. Sie weiß, was die Betroffenen umtreibt, welche Sorgen auf ihnen lasten.

Krankengeschichte in Bildern

Was war für Silke Kreß das Schlimmste an der Diagnose Brustkrebs? Da muss sie nicht überlegen. Die Antwort kommt spontan: "Das Ausgeliefertsein, auf dem OP-Tisch zu liegen und die Verantwortung für meinen Körper, meine Gesundheit, mein Leben abzugeben."

Während Silke Kreß ihre erste Erkrankung nicht dokumentiert hatte, ging sie beim zweiten Mal einen anderen Weg: Sie ließ sich von der Fotografin Christine Ströhlein durch die gesamte Therapie begleiten, schrieb parallel dazu ihre Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch auf.

Raus aus der Tabuzone

Daraus entstanden ein Buch und die Fotoausstellung "Das Leben hat keinen Plan", die auch schon im Landratsamt Kulmbach zu sehen war. Für diese mutige Initiative hat sie vor zwei Jahren eine besondere Anerkennung erhalten: Sie wurde vom Bundespräsidenten zum Bürgerfest auf Schloss Bellevue eingeladen.

Silke Kreß sucht die Öffentlichkeit - nicht aus persönlicher Eitelkeit, sondern weil sie die Erkrankung aus der Tabuzone holen will. "Ich finde es wichtig, offen mit dem Thema umzugehen, statt zu versuchen, das zu verstecken. Das kostet Energie und bringt mich nicht weiter."

Deshalb betreibt die 47-Jährige nicht nur eine eigene Facebookseite, sondern sie engagiert sich seit drei Jahren beim Verein "Pink Ribbon Deutschland" mit Sitz in Düsseldorf. "Wir richten uns mit unserer Arbeit an gesunde Frauen. Unser Ziel ist es, sie für das Thema Brustkrebs zu sensibilisieren. Die Kulmbacherin ist dort als "Mutmacherin" aktiv. Am interdisziplinären Zentrum für Brust- und Eierstockkrebs der Universität Würzburg bietet Silke Kreß zusätzlich eine Sprechstunde für Betroffene an, die Fragen zum Gentest haben.

Daneben nimmt die Kulmbacherin immer wieder an verschiedenen bundesweiten Projekten und Fotoshootings teil, unter anderem für den Fernsehsender Sat.1.

Erstes Treffen: 16. Januar

Die Kulmbacher Brustkrebs- Selbsthilfegruppe trifft sich erstmals am Mittwoch, 16. Januar, um 17 Uhr in der Gaststätte "Konoba" in der Hans-Herold-Straße. Geplant sind Treffen einmal im Monat. Wochentag und Uhrzeit werden mit den Interessentinnen abgestimmt. "Inhaltlich geht es darum herauszufinden, was uns gut tut und was uns hilft. Das wollen wir dann gemeinsam möglich machen!"

Patientinnen mit besonderen Bedürfnissen

Die Initiative der Kulmbacherin Silke Kreß wird von der Frauenklinik am Klinikum Kulmbach sehr positiv bewertet. Es gebe in Kulmbach zwar schon Selbsthilfegruppen für Tumorpatienten, so Leitende Oberärztin Gabriele Stenglein. "Aber Brustkrebspatientinnen haben eigene Bedürfnisse, die sich durchaus von denen anderer Gruppen unterscheiden." Oft seien sehr junge Frauen mit Familie, mit Kindern betroffen. Ein Angebot speziell für diese Frauen, die einander verstehen, sich gegenseitig stärken und zusammen aktiv werden, sehe sie als etwas sehr Positives.

Aufklärung und Vorsorge

Der Medizinerin ist dabei noch ein zweiter Aspekt sehr wichtig: "Eine Selbsthilfegruppe kann einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten. Hier kann vermittelt werden, dass es gute Therapiemöglichkeiten gibt. Deshalb finde ich den Vorschlag von Silke Kreß sehr gut, mehr an die Öffentlichkeit zu gehen und Frauen zu ermutigen, die Vorsorgeuntersuchungen zu nutzen. Je eher man einen Brustkrebs entdeckt, desto günstiger ist es, und desto besser sind Heilungschancen." Dieses Wissen könne den Frauen viel von der Angst vor der Erkrankung nehmen.

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