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Kulmbach
Glosse

Der Teller auf der Roten Liste des Alltags

Es wird Zeit, einmal über die Rote Liste zu sprechen. Nein, nicht über die, auf der Luchs, Leopard oder Lippenbär stehen. Sondern die Liste jener Dinge, die klammheimlich aus unserem Alltag verschwinden - und von denen unsere Kinder womöglich nicht einmal mehr den Namen wissen.
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Ausgestorben? Die Feuerzangenbowle. Foto: Archiv
Ausgestorben? Die Feuerzangenbowle. Foto: Archiv
Oder gibt es in Ihrem Haushalt noch ein "Ärpflsäggla"? Das ist mitnichten ein textiles Behältnis zum Transport von Kartoffeln. Sondern ein Stoffsäckchen, in dem einst die Hausfrau die geriebenen Kartoffeln auspresste, bevor sie daraus Klöße kochte.

Besitzen Sie womöglich noch eine jener Metallschienen, die unerlässlich waren zur Herstellung einer Feuerzangenbowle? Man legte den mit Alkohol getränkten Zuckerhut - noch so eine aussterbende Spezies - auf diese "Feuerzange" und zündete ihn an. Alles Passé! Verdrängt von Caipi, Hugo und dem unsäglichen Gebräu namens Aperol Spritz.

Am meisten vermisse ich jedoch die mehrfach geteilten Menü-Teller. Nicht die aus Plastik mit dem passenden Deckel für die Mikrowelle. Sondern die aus schwerem weißen Porzellan, die es früher in jeder gutbürgerlichen Gaststätte gab.
Da herrschte Ordnung auf dem Teller: Ins große Abteil kam die gewaltige Rindsroulade mit viel Soße. Ins kleine Abteil links das dicke Stück vom Semmelkloß, rechts eine ordentliche Portion Blaukraut.

Keine mit dem Zahnstocher gezogenen mehrfarbigen Soßen-Gemälde. Kein Dekorations-Schnickschnack. Kein Salatschälchen hier, kein Beilagentellerchen dort. Einfach, übersichtlich, gut. Um manche aussterbenden Dinge ist es wirklich schade!
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