Wie kann man gewährleisten, dass der eigene Wille respektiert wird, wenn man ihn nicht mehr selbst äußern kann? Das zuverlässigste Instrument für diesen Fall ist eine Patientenverfügung. Was früher umstritten war und von Verwandten und Ärzten nicht immer anerkannt wurde, ist seit September 2009 rechtlich bindend. Doch wer ein solches Patiententestament erstellt, sieht sich mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Vor allem ethische Fragen spielen dabei eine große Rolle: Soll alles, was medizinisch machbar ist, auch getan werden?
Mit diesem Thema befasst sich Krankenhausseelsorger Wolfram Schmidt häufig. Er wird am Dienstag Abend ab 19 Uhr auf Einladung der Betreuungsvereine im Haus kirchlicher Dienste in der Bauergasse über seine Erfahrungen sprechen.

Wer braucht eine Patientenverfügung? "Ältere und chronisch Kranke sollten auf jeden Fall so etwas haben. Ideal wäre es für jeden", rät Schmidt.
"Das Problem stellt sich durch den Fortschritt der Medizin", meint der Seelsorger. "Früher hat es keine lebensverlängernde Technik gegeben." Heute muss dagegen immer häufiger eine Entscheidung getroffen werden, und wer nicht möchte, dass andere dies tun, muss es selbst machen, solange er die Möglichkeit dazu hat.
Seit 1995 ist Schmidt als Krankenhausseelsorger tätig. Er erinnert sich: "In den ersten Jahren war das noch ein recht vages Thema, dem auch von ärztlicher Seite mit großer Unsicherheit begegnet wurde." Das habe sich in den vergangenen zehn Jahren grundlegend geändert: "Die Patientenverfügung hat an Bedeutung und an Akzeptanz in der Ärzteschaft und bei den Patienten gewonnen."

In seinem Vortrag wird Wolfram Schmidt Beispielfälle schildern, die zeigen, dass keineswegs nur Hochaltrige in die Situation kommen, ihren Willen nicht mehr selbst äußern zu können. Ein Schlaganfall oder ein Verkehrsunfall können beispielsweise zum Koma führen, und nicht immer sind Angehörige in der Lage, eine klare Aussage treffen, wie der Patient entscheiden würde. "Das schwierigste Thema ist das Wachkoma", weiß der Seelsorger.
Die Entscheidung für eine Patientenverfügung erfordert Mut, meint Schmidt. Den Mut, sich festzulegen - auf die Gefahr hin, dass man später vielleicht doch anders entscheiden würde, wenn die fragliche Situation tatsächlich eintritt. "In jedem Fall ist die Patientenverfügung eine ungeheure Entlastung für die Angehörigen. Auch daran sollte man denken."
Bei dem Infoabend werden auch die Sozialpädagoginnen der Betreuungsvereine Interessierten für Fragen zur Verfügung stehen.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Bayerischen Rundschau.