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Kulmbach
Unterhaltung

Der Mann traut sich was: Volker und die dicke Frau

Was der Dritte Bürgermeister aus Kupferberg beim Weiberabend mit Lizzy Aumeier, Lisa Fitz und Sissi Perlinger in der Kulmbacher Stadthalle erlebt.
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Liebesszene auf der Titanic: Volker Matysiak greift herzhaft zu,  und Lizzy Aumeier schmachtet dahin. Foto: Klaus Klaschka
Liebesszene auf der Titanic: Volker Matysiak greift herzhaft zu, und Lizzy Aumeier schmachtet dahin. Foto: Klaus Klaschka
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Weiberpower pur gab es am Freitagabend in der Stadthalle. Zweieinhalb Stunden Kabarett, Comedy und Kunst - präsentiert von drei Diven (das bedeutet: Göttlichen): Lizzy Aumeier, die die alltäglichen Problemchen überzeichnet und zum Lachen über sich und andere provoziert; Lisa Fitz, die mit politischem Kabarett Lachansätze gleich wieder ins Maul zurück stopft; und Sissi Perlinger, die die Kalamitäten des Lebens zur theatralisch-musikalischen Kunstform erhebt.

"Das Programm ist nicht männerfeindlich, sondern man nennt das lustig", sagt Perlinger. Sie will etwaigen Verstimmungen wegen Seitenhiebe auf die Männerwelt vorbeugen.


Der Held des Abends - oder: Nahkampf auf der Bühne

Um den Nahkampf zwischen Mann und Frau und dem Nahkampf mit sich selbst geht es Aumeier. Zuerst rückt sie den Inhalt ihrer Oberweite zurecht, bevor sie direkt ins Publikum fragt, ob sie dick sei - was sie "natürlich nicht" ist. Diese Antwort provoziert sie schon mit drohender Mimik. "Sag etwas Nettes zu der dicken Frau, und sie lässt dich in Ruhe", mag sich Volker Matysiak vielleicht gedacht haben. Dafür muss er später büßen. Der Dritte Bürgermeister aus Kupferberg - als Musiker ("Die Drei") selbst bühnenerprobt - muss mit ihr eine Sequenz aus dem Film "Titanic" spielen: die Liebesszene ganz vorn auf dem Tanker. Was dem Helden des Abends ganz hervorragend gelingt.

Und Aumeier doziert: "Man kriegt im Alter mehr Körperteile" und spielt mit ihren gewaltigen Oberarmen. Sie wundert sich, dass sich so viele "ab 50 darauf vorbereiten, möglichst gesund zu sterben" - mit Salat und Sport. "Aber bittschön nicht mit Jogging. Das sieht aus wie Sterben mit Anlauf."

Schließlich wendet sich Aumeier ihrem Kontrabass zu. Ihr Wahrzeichen: oben gut gebaut, unten etwas voluminöser - selbstverständlich nur der besseren Resonanz wegen. Ihr Ein-Frau-Begleitorchester ist aus Russland importiert. "Lieber eine dicke Chefin als ein mageres Gehalt" - so hat sich Swetlana Klimowa vom neokapitalistischen Russland in den altkapitalistischen Westen locken lassen. Ein Gewinn für die Musikwelt.


Fitz: USA komplett pleite

Und noch eine Russin hat's drauf: "Olga", fesch aufgebrezelt, trägt sie selbst in Sibirien noch bei Eiseskälte hochhackige Schuhe und strotzt vor Selbstbewusstsein ("Ich hab' das Tote Meer erschossen"). Mit dieser Kunstfigur bringt Lisa Fitz politisches Kabarett auf die Bühne. Die alternative Wahrheit zur Propaganda, dass die USA zur Heilung der Welt überall Demokratie verbreiten wollen. Die USA seien nur neidisch auf die geostrategische Lage Russlands und komplett pleite. So viele Schuldverschreibungen habe China von den USA.

"Olga" stichelt auch gegen die CSU, die in Altbayern besonders stark ist. Dort gibt's nur einen halben Sozialdemokraten. Er erwehrt sich der Übermacht und möchte in seiner letzten Stunde der CSU beitreten, "damit einer von denen stirbt" und kein Sozi.


Perlinger, die Bühnenschamanin

Sissi Perlinger hingegen spielt Theater und wechselt Rollen und Kostüme mit präziser Leichtigkeit. Sie ist Kabarettistin und Musikerin, aber auch Bühnenschamanin. Mit einer Ganzkörpermaske schwirrt anmutig als Schmetterling über die Bühne und krächzt hinterlistig über das Leben. Ihre Wortakrobatik paart sie mit urplötzlich einsetzendem Gesang der Spitzenklasse (sie hat eine ausgebildete Stimme über dreieinhalb Oktaven).

Mit skurrilen Charakteren macht sie sich über die alternde Gesellschaft ("Ü 80") her und berichtet, dass im Altenheim jetzt leichtes Viagra, "Viagrette", ausgegeben wird - nicht zum ursprünglichen Zweck, sondern dass die alten Männer nicht aus dem Bett rollen können. Und sie blickt in die Zukunft - wenn es bei IKEA Särge geben wird, die man selbst zusammenbauen kann.

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