In einer Bekanntmachung des Kulmbacher Stadtrats vom 10. April 1861 wird von der Errichtung der Sparkasse berichtet. Dort hieß es: "Die Vorteile, welche die zinsentragende Sparkassen allenthalben den Teilnehmern zu einem solchen nützlichen Institute gewähren, haben den unterfertigten Magistrat bestimmt, mit Zustimmung der Gemeindebevollmächtigen und mit höchster Genehmigung Königlicher Kreisregierung ein gleiches Institut da hier und zwar im Landgerichtsbezirk Kulmbach zu errichten ..."

Die ersten Geschäftsräume waren im heutigen Rathaus untergebracht. Als Kunde zugelassen waren "alle Minderjährigen, ohne Unterschied des Standes und der Classe, Dienstboten, Lehrlinge, Handwerksgesellen und Fabrikarbeiter, Tagelöhner und unverheiratete weibliche Handarbeiterinnen."

Solide Gründung

Eine ständige Aufwärtsentwicklung veranlasste die Sparkasse zur Erweiterung der Geschäftsräume. Mit dem Heinleinischen/Herethschen Garten war bald ein geeigneter Bauplatz gefunden. Nach einem Preisausschreiben wurde der Architekt Fritz Holl aus der Gustav-Adolf-Straße mit der Bauausführung beauftragt. Wegen der Lage im ehemaligen Stadtgraben wurde eine solide Gründung mit 122 Blechhülsen gewählt. Diese wurden bis zu sechs Meter in den Boden gerammt und mit Beton ausgegossen.

Im Januar des Jubiläumsjahres 1935 (900 Jahre Kulmbach) begann man mit den Erdarbeiten, und am 10. November des gleichen Jahres konnte bereits die Eröffnung gefeiert werden.

Zeichen der Sparsamkeit

Als erkennbares Zeichen der Sparsamkeit wurde an der Ecke Grabenstraße/Buchbindergasse die Figur des Sparers angebracht. Die Bekleidung des Mannes mit Hut und Stiefeln erinnert an einen Handwerker. Mit einem leichten Lächeln steckt er mit der rechten Hand eine Münze in seine ovale Spardose, die er in der linken hält. Vom Betrachter aus rechts neben den Stiefeln hat der Bamberger Künstler Hans Leitherer sein Steinmetzzeichen und das Jahr des Schaffens eingemeißelt. Auf dem Rand des schmalen Sockelsteins steht "Hans Leitherer Bamberg".

Dieser war Schüler in der Bildhauerklasse von Balthasar Schmitt an der Königlichen Kunstakademie in München. Er war der gleiche Jahrgang wie der Kulmbacher Carl August Bachmann (Entdeckertouren 59, 103 und 104). Bachmann studierte in München an der gleichen Akademie und beim gleichen Lehrer, so ist anzunehmen, dass beide sich kannten. Beruflich ließ sich Hans Leitherer (1885 bis 1963) in der Domstadt nieder.

Auch Architekt hat sich verewigt

Zu seinen Werken gehören das Turner-Denkmal (1926) im Bamberger Volkspark und neben vielen anderen Werken auch die Brunnenskulpturen am Geyerswörthgarten. Sein Sohn Hermann (1919 bis 1991) war ebenfalls Bildhauer.

Aber auch der Architekt des Gebäudes hat sich auf dem Kunstwerk verewigen lassen. Zu Füßen der Figur befindet sich auf dem kegelförmigen Sockelstein das Stadtwappen von Kulmbach, zur Linken vom Betrachter aus steht auf dem Stein:

"STADTSPARKASSE KULMBACH ERBAUT NACH ENTWURF UND BAULEITUNG" und rechts vom Wappen "VON ARCHITEKT FRITZ HOLL

KULMBACH 19 FH 35".

Stark verwitterte Inschrift

Leider ist die Inschrift auf dieser Seite schon stark verwittert.

In den 1970er Jahren zog die Sparkasse in die Fritz-Hornschuch-Straße 10 um. Dort war 1966 das Beamtenwohnhaus an gleicher Stelle abgebrochen und bereits 1967 mit dem Neubau des Sparkassengebäudes begonnen worden. Städtische Behörden übernahmen die Räumlichkeiten in der Buchbindergasse 5, der "Alten Sparkasse". Heute befinden sich hier die Tourist-Information, das Stadtarchiv und weitere vermietete Büros.