Kulmbach
Entdecker-Tour (76)

Der Mann, der in Kulmbacher behutsam für die Reformation kämpfte

Mit dem Johann-Eck-Denkmal im Oberhacken wird ein verdienter Sohn der Stadt Kulmbach gebührend geehrt.
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Am Gebäude Oberhacken 4 ist das Johann-Eck-Denkmal angebracht. Foto: Erich Olbrich
Am Gebäude Oberhacken 4 ist das Johann-Eck-Denkmal angebracht. Foto: Erich Olbrich
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Der Wahlspruch der Rotarier lautet "Service above self " (selbstloses Dienen). Der Kulmbacher Rotary-Club zeigt mit seinen zahlreichen Initiativen in den Bereichen Kunst, Kultur und Tradition ein großes Engagement zur Verschönerung der Stadt.

Dazu gehört auch die Spende eines kleinen Denkmals am Gebäude Oberhacken 4, das an Johann Eck, den ersten evangelischen Pfarrer Kulmbachs erinnert.


Einheimische Künstler beauftragt


Der damalige Präsident des Rotary-Clubs, Herbert Bauernschmidt, erinnerte bei der Enthüllung am Dienstag, 31. Oktober 1978, an die Reformation und die lange kirchliche Tradition. In seiner Ansprache wies er darauf hin, dass der Kulmbacher Club in der Vergangenheit häufig auf karitativem Gebiet tätig war. 1978 sei aber beschlossen worden, sich auch im kulturellen Bereich zu engagieren.
Auf Anregung von Pfarrer Heinrich Herrmann wurden einheimische Künstler mit der Schaffung eines Denkmals für Pfarrer Johann Eck beauftragt. Damit gaben die Rotarier gerade diesen Künstlern die Gelegenheit zur schöpferischen Gestaltung und zur Verschönerung Kulmbachs.

Mit Ursula Wolf bat der Rotary-Club eine Künstlerin aus seiner Mitte, die Idee in eine sichtbare Form umzusetzen. Ihren Entwurf eines Reliefs von Altstadt mit Plassenburg und der fast freiplastischen Darstellung des Reformators goss der Schwarzacher Künstler Erich Hiemisch in Bronze. Die Enthüllung wurde vom Bläserensemble der Städtischen Jugendkapelle unter der Leitung von Hans Fiedler musikalisch umrahmt.


"Modernes Mäzenatentum"


Oberbürgermeister Erich Stammberger bedankte sich beim Rotary-Club für die erwiesene Verbundenheit zu Kulmbach: "Dies ist praktizierte Bürgertugend und modernes Mäzenatentum in einer vorbildlichen und nachahmenswert schönen Form." Zur Person von Johann Eck sprach Dekan Hermann Kern einige Worte.

Wer war nun Johann Eck? Als Sohn des Kulmbacher Bäckers Hans Eck wurde er 1494 geboren, war 1517 Supremus in Coburg und ab 1518 Schulmeister in Kulmbach. Ab 1523 wirkte er hier zudem als Kaplan. 1524 verbreitete er die Lehren der Reformation und wurde 1526 zur "Ordnung der verwahrlosten Kirchenverhältnisse" berufen.


Bescheiden, friedliebend und anspruchslos


Johann Eck war bescheiden, friedliebend und anspruchslos. Sein Hauptcharakter aber war Besonnenheit. So glaubte er zunächst an eine Reform innerhalb der katholischen Kirche. Erst als das Kloster Langheim die Pfarrstelle wieder einem Domherrn verlieh, der die Pfarrstelle zu verpachten beabsichtigte, löste sich Eck vollends aus seiner alten Kirche und ging zur lutherischen über.
Markgraf Georg führte schon 1528 die Reformation offiziell ein. Johann Eck wurde der Hauptprediger. Und da er nicht stürmisch, sondern behutsam Schritt für Schritt vorwärtsging, hat er der Reformation viel genützt.

Johann Eck heiratete am 28.Juli 1533 die Bürgerstochter Margarete Ochs. Im Bundesständischen Krieg verlor die Familie alles Hab und Gut.


Letzter Gottesdienst am Conraditag


Am Conraditag, dem 26. November 1553, hielt Eck unter dem Donner der Kanonen in der Spitalkirche seinen letzten Gottesdienst, dann floh mit seiner Frau und seinen fünf Kindern aus der brennenden Stadt. Landsknechte holten ihn ein und wollten ihn ermorden, aber sein Töchterlein Martha kaufte ihn mit im Rock eingenähten Talern frei.

Johann Eck und seine Familie fanden in Coburg Zuflucht, wo er aber an den Folgen der Strapazen 1554 starb. Im Jahr 1978 fanden zum Thema: "450 Jahre Reformation in Kulmbach" mehrere Festlichkeiten statt.
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