Mainleus
Schicksalsschlag

Oberfranken: 48-Jähriger seit Motorrad-Unfall im Rollstuhl - jetzt kämpft er sich zurück ins Leben

Stefan Probst ist nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt. Seine Zukunft ist ungewiss. Die BR unterstützt ihn mit "Franken helfen Franken".
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Täglich trainiert Stefan Probst in der Hohen Warte seine Fitness. "Die Kraft in den Oberarmen werde ich brauchen", sagt der 48-Jährige, der nach einem Motorradunfall im Oktober querschnittsgelähmt ist. Foto: Alexander Hartmann
Täglich trainiert Stefan Probst in der Hohen Warte seine Fitness. "Die Kraft in den Oberarmen werde ich brauchen", sagt der 48-Jährige, der nach einem Motorradunfall im Oktober querschnittsgelähmt ist. Foto: Alexander Hartmann
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Stefan Probst sitzt im Rollstuhl. Mit angestrengtem Gesichtsausdruck, denn der 48-Jährige trainiert im Therapieraum seine Armmuskulatur. "Die Kraft in den Oberarmen werde ich brauchen", sagt der Mainleuser, der sich zurück ins Leben kämpft.

Das Motorrad stand schon in der Garage

Das hat sich seit dem 21. Oktober gravierend verändert: Es war ein sonniger Herbsttag, ein Sonntag, der mit einem Spaziergang im Naherholungsgebiet Oberauhof begonnen hatte. Mit Ehefrau Beate und dem Australian Shepherd "Cody" hat Stefan Probst eine Runde um die Kieswäsch gedreht. Es sollte der letzte gemeinsame Spaziergang sein. Nur wenige Stunden später ereignete sich das tragische Unglück. Der Mainleuser, der seine Yamaha R1 schon winterfest in der Garage abgestellt hatte, holt das Motorrad wieder heraus. "Ich wollte das schöne Wetter noch mal für einen Ausflug in die Fränkische nutzen." Eine fatale Entscheidung.

Im falschen Moment leicht gebremst - die Folgen sind schrecklich

Auf dem Weg zur Tankstelle in Melkendorf fährt er über Kulmbach. "Die Theodor-Heuss-Allee war wegen des Umgehungsbaus gesperrt." An der Schauer-Kreuzung biegt er in die Melkendorfer Straße ein. An der Linkskurve kurz vor der Einfahrt zum Neubaugebiet am Galgenberg, passiert es. "Ich habe nur leicht die Bremse gezogen, dann ist das Vorderrad weggerutscht." Warum? Er weiß es nicht. "Ich vermute, dass da noch ein Ölfleck war, da sich dort schon am Tag zuvor ein Unfall ereignet hatte." Beweisen kann er es nicht. Stefan Probst ist mit der Maschine gegen ein Straßenschild gekracht. Er landete im Straßengraben, wurde durch eine Hecke abgebremst. "Ich habe gleich geahnt, dass ich schwerer verletzt bin. Ich habe meine Beine nicht mehr gespürt."

Not-Op in Kulmbach

Drei Wirbel waren gebrochen, das Rückenmark durchtrennt. Schien- und Wadenbein waren ebenfalls gebrochen, die Lunge war kollabiert. Die Not-Operation fand im Kulmbacher Klinikum statt. Dort bekam er von den Ärzten die Nachricht, die für ihn ein Tiefschlag war. Probst erfuhr, dass er seine Beine wohl nie mehr bewegen wird. Der 48-Jährige ist querschnittsgelähmt.

Er lernt, das Schicksal anzunehmen

"Das Leben muss weiter gehen." Ein Satz, den er sich seitdem immer wieder sagt. Auch wenn es tränenreiche Momente gibt - aufgeben wird der Mainleuser nicht. Seit Ende Oktober befindet er sich im Klinikum Hohe Warte in Bayreuth, wo er über Wochen und Monate lernt, sein Schicksal anzunehmen. "Ich übe hier beispielsweise, wie ich vom Rollstuhl ins und aus dem Bett komme, wie ich über Kanten fahre. Ich trainiere täglich meine Fitness und gehe auch zur Ergotherapie", sagt der Mainleuser. Zeit, in der er abgelenkt ist. Doch es gibt auch viele Momente, in denen er Zeit zum Nachdenken, zum Grübeln hat.

Wie geht es weiter?

Die Frage, die sich ihm und seiner Ehefrau stellt: Wie geht es zu Hause weiter, wenn er Ende Februar oder im März entlassen wird? Ein Rollstuhl muss her. Ein gewöhnlicher reicht Stefan Probst nicht, weil er seinen linken Arm nicht mehr heben und sich daher nicht anschieben kann. Er will einen Rollstuhl mit einem elektrobetriebenen Vorspanngerät, das einem Dreirad gleicht. Der kostet 5500 Euro. "Ich hoffe, dass wir den von der Krankenkasse bekommen, weiß das aber noch nicht." Es ist die finanzielle Unsicherheit, die das Ehepaar belastet, das vom Krankengeld lebt. Denn auch Beate Probst, die Kinderpflegerin ist, ist nach einer schweren Erkrankung seit 2018 krankgeschrieben.

Viele Anschaffungen stehen an

Die laufenden Kosten - unter anderem muss das Darlehen für das Reihenhaus abbezahlt werden - sind Herausforderung genug. Dabei stehen viele Anschaffungen an. Das Haus muss behindertengerecht umgebaut werden. Da das Treppenhaus zu eng ist, muss unter anderem ein Hängelift eingebaut werden. Stefan Probst: "Der Rollstuhl wird da an einer Schiene nach oben gezogen." Ein gebrauchter Lift kostet 18 000 Euro.

Ein neues Auto muss her

Stefan Probst, der bei der Firma Veolia in Bayreuth als Sachbearbeiter angestellt ist und schnellstmöglich wieder auf die Arbeit will, braucht auch ein neues Auto. Ob er den behindertengerechten Umbau gefördert bekommt? "Ich hoffe es", sagt der 48-Jährige, der große Sorgen hat, auch weil er noch nicht weiß, ob und wie viel seine Unfallversicherung zahlen wird. "Das werde ich wohl frühestens in einem Jahr erfahren, wenn ich einen weiteren Termin beim medizinischen Gutachter hatte."

Wie die Zeit bis dahin finanziell überbrückt werden kann? Eine Frage, die das Paar quält. "Wir wollen nicht um Almosen bitten, sind aber für jede Hilfe dankbar", sagt Beate Probst, die Tobias Döppelhan dankt, der einen Spendenaufruf auf Facebook gestartet hat. Da sind 1300 Euro zusammengekommen.

"Franken helfen Franken"

Auch die Bayerische Rundschau will die beiden Mainleuser mit ihrer Aktion "Franken helfen Franken" unterstützen. Jeder Euro, der auf das Spendenkonto eingeht (siehe "So können Sie Stefan Probst helfen"), kommt dem Paar zugute, das - wenn die Finanzen geordnet sind - etwas zurückgeben will. "Wenn klar ist, was wir von der Unfallversicherung erhalten, und wenn wir damit zurechtkommen, werden wir auch etwas spenden", betont Beate Probst.

Er hat sich neue Ziele gesetzt

Die 48-Jährige sitzt täglich am Bett ihres Mannes in der Hohen Warte. Der hat sich neue Ziele gesetzt. "Ich wünsche mir, dass ich mit meinem Hund bald wieder unterwegs bin. Das kann ich ja auch mit dem Rollstuhl", sagt der 48-Jährige, der den Kopf nicht hängen lässt, auch weil er weiß, dass es andere noch schlimmer getroffen hat. Das bekommt er täglich mit, wenn er auf seiner Station in der Hohen Warte unterwegs ist. "Da sieht man Patienten, die vom Hals ab gelähmt und noch viel mehr eingeschränkt sind als ich."

So können Sie Stefan Probst helfen

Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über Zeitungen wie die Bayerische Rundschau sowie Internet-Angebote viele Menschen. Das will sie nutzen, um mit Hilfe des Spendenvereins "Franken helfen Franken" Geld für jene zu sammeln, die auf Hilfe angewiesen sind. Den Verein gibt es seit 2009, bislang sind 450000 Euro ausgeschüttet worden. Die Spenden gehen an gemeinnützige Initiativen, Projekte und Vereine. Info Infos zu unserer Spendenaktion gibt es auch online unter

franken-helfen-franken.de. Spendenkonto Sparkasse Bamberg; BIC: BYLADEM1SKB; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01. Bitte bei der Überweisung als Verwendungszweck angeben: Hilfe für Stefan Probst

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