Kulmbach
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Der Landkreis Kulmbach sucht Bildungspaten für Flüchtlingskinder

Ein Schulabschluss scheitert für Kinder aus geflüchteten Familien oft an Wissenslücken. Bildungspaten sollen in Kulmbach dabei helfen, das zu ändern.
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Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpa
Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpa
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Sie kommen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak, aus Ungarn oder Bulgarien, und ihre Kindheit, so steht zu vermuten, verlief anders als die ihrer Altersgenossen in Franken. Während die spielten und lernten, kämpften sie nicht selten ums Überleben - in Flüchtlings-Camps, auf langen Fußmärschen, auf einem Flüchtlingsschiff. Sitzen sie dann irgendwann gemeinsam in einem Klassenzimmer in einer Schule im Kulmbacher Land, dann haben es die Flüchtlingskinder oft schwer: Weil in vielen Fächern die Grundlagen fehlen, weil die Deutschkenntnisse nicht ausreichen, um kompliziertere Fragen zu verstehen. Solche Kinder bekommen in der Schule Unterstützung; sogenannte Drittkräfte kümmern sich um sie. Weil diese Unterstützung aber manchmal noch nicht ausreicht, soll jetzt im Landkreis Kulmbach ein neues Projekt gestartet werden: Bildungspaten sollen dafür sorgen, dass diese Kinder das Klassenziel erreichen und irgendwann einen ordentlichen Schulabschluss schaffen, der ihnen eine Zukunftsperspektive gibt.

Worum geht es?

Offiziell heißt das Projekt des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration "Außerschulische Hausaufgabenhilfe mit Schwerpunkt Deutschförderung". Es dient "der sprachlichen Integration von rechtmäßig und dauerhaft in Bayern lebenden, schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Gefördert werden außerdem schulpflichtige Kinder sowie jugendliche Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive."

Wie wird das Projekt finanziert?

Der Freistaat Bayern stellt im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel Geld bereit, um Unkosten zu decken und den Bildungspaten eine Aufwandsentschädigung zu bezahlen. Denkbar ist aber auch eine Unterstützung durch Sponsoren vor Ort.

Wer koordiniert das Projekt im Landkreis Kulmbach?

Souzan Nicholson und Peter Müller sind vom Landkreis Kulmbach damit beauftragt, Bildungsangebote für Neuzugewanderte zu koordinieren. Sie sind auch federführend für das neue Projekt. Sie wissen, dass es bei den "Bildungsbiographien" von Menschen mit Migrationshintergrund große Unterschiede gibt. Es gibt unter ihnen Analphabeten ebenso wie hoch gebildete Menschen. Nicholson und Müller wollen erreichen, dass Kinder aus Flüchtlingsfamilien ihre Lücken im Lernstoff schließen können. Vor allem älteren Schülern sei sehr wohl bewusst, wie wichtig ein Schulabschluss ist, sagt Peter Müller. "Manche haben regelrecht Panik: Sie wollen unbedingt den Quali machen, wissen aber, dass ihnen dafür das eine oder andere fehlt."

Was ist bisher geschehen?

Souzan Nicholson und Peter Müller haben gemeinsam mit Schulleitern, Pädagogen und Sozialarbeitern den Bedarf ermittelt. Rund 100 Buben und Mädchen an Grund- und Mittelschulen im Landkreis brauchen demnach eine besondere Förderung.

Wie geht es weiter?

In einem nächsten Schritt suchen die Koordinatoren nun Bildungspaten. Interessenten können sich im Landratsamt melden und bei einem Informationsabend im Mai eingehender mit dem Projekt beschäftigen (siehe auch unten: Wo bekommen Interessierte mehr Informationen?). Danach werden 20 geeignete Bildungspaten ausgewählt; Details zu ihren Einsätzen werden besprochen. Start der Hausaufgabenhilfe soll mit Beginn des neuen Schuljahres sein

Wer kann Bildungspate werden?

Jeder, der pädagogische Erfahrung und/oder sozial-emotionale Kompetenz hat. Das können pensionierte Lehrkräfte, Lehrer und Lehrerinnen in Elternzeit oder Studenten sein, aber auch alle anderen Menschen, die es sich zutrauen, den Kindern das im Lehrplan vorgeschriebene Wissen zu vermitteln. Um Bildungspate zu werden, ist die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses nötig.

Was muss ein Bildungspate tun?

Ein Bildungspate kommt am Nachmittag in die Schule. Die Kinder können sich von ihm bei den Hausaufgaben helfen lassen. Dabei beschränkt sich die Unterstützung nicht auf das Fach Deutsch. Manche Kinder haben zum Beispiel Probleme im Fach Mathematik - weil ihr Deutsch nicht gut genug ist, um Textaufgaben zu verstehen. Die Bildungspaten werden auf ihren Einsatz gründlich vorbereitet, für den Umgang mit Geflüchteten sensibilisiert und auch nach dem Start des Projektes von den Bildungskoordinatoren begleitet. Optimal wäre es, so Souzan Nicholson und Peter Müller, wenn unter den Paten auch Menschen wären, die eine der Muttersprachen der Kinder beherrschen.

Wie flexibel ist das Projekt?

Details sollen zu gegebener Zeit mit den Bildungspaten besprochen werden. Gedacht ist daran, dass diese zweimal pro Woche für je zwei Stunden zum Einsatz kommen. Wie häufig jemand einsetzbar ist, kann ebenso wie die zeitliche Ausgestaltung je nach den individuellen Gegebenheiten festgelegt werden. Zum Einsatzort wurde zunächst die Pestalozzischule in Kulmbach bestimmt, weil die zentral liegt. Denkbar ist aber auch, dass die Bildungspaten auch an anderen Schulstandorten im Landkreis aktiv werden.

Wie werden die Eltern der Schüler eingebunden?

Die Eltern werden schriftlich und in ihrer Muttersprache über die Hausaufgabenhilfe informiert. Sie erfahren unter anderem, dass das Angebot für sie kostenfrei und nicht verpflichtend ist, werden aber auch darauf hingewiesen, dass das Projekt für ihre Kinder eine große Chance sein kann.

Wo bekommen Interessierte mehr Informationen?

Am 20. Mai findet um 18 Uhr im Landratsamt Kulmbach eine Informationsveranstaltung statt, zu der alle Interessierten, aber auch Eltern und Lehrer eingeladen sind. Informationen gibt es ab sofort auch bei Souzan Nicholson im Landratsamt Kulmbach, Telefon 09221/707-130, E-mail nicholson.souzan@landkreis-kulmbach.de.

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