Kulmbach
Demontage

Der Ireks-Kran ist Geschichte

Über ein Jahr gehörten die drei roten Lichter hoch über dem Kulmbacher Nachthimmel zum Stadtbild. Jetzt wurde der Mega-Kran abgebaut. Eine billige Angelegenheit ist das nicht.
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Der Kranausleger ist 65 Meter lang - und benötigt den gesamten Ireks-Vorplatz zur Demontage. Fotos: Sonja Adam
Der Kranausleger ist 65 Meter lang - und benötigt den gesamten Ireks-Vorplatz zur Demontage. Fotos: Sonja Adam
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Schon in aller Herrgottsfrühe rückte die Firma Beutlhauser mit ihren Spezialisten an und dirigierte die beiden 500-Tonnen und 100-Tonnen-Autokräne der Firma Auto Klug an die richtigen Positionen. Das Spezialistenteam ist nötig, um den Mega-Kran, der zur Errichtung des Ireks-Neubaus nötig war, wieder zu demontieren.

"Der Bau stellte uns schon vor Herausforderungen - die Bohrpfahlgründung war anspruchsvoll, die Platzverhältnisse waren begrenzt, dazu kam der Zeitplan", erklärt der Prokurist der Firma Mühlherr, Jörg Eberlein.


27 Meter hohes Gebäude

Das neue Gebäude soll 27 Meter hoch werden. Es besteht aus sieben Stockwerken. Kernstück ist ein großes Forum. Insgesamt hat das Gebäude 20.000 Kubikmeter umbauten Raum. Es fügt sich zwischen Silo und Verwaltungsgebäude ein.

Der Standort war die Krux an dem Projekt. Denn zur Errichtung des neuen Gebäudes war ein Kran nötig, der so hoch war, dass er das Silo ohne Probleme überstreichen konnte - inklusive Ladung. Und das konnte der Mega-Kran. Sein Ausleger war 65 Meter lang. Die Hakenhöhe lag bei 58 Meter. Und dann kommt noch die Kranspitze hinzu mit weiteren 13 Metern. Am Boden war der Kran mit 120-Tonnen-Gewichten beschwert, der Ausleger hatte Gegengewichte von 27 Tonnen.

Stefan Lindner, von allen nur "Kran-Karli" genannt, war derjenige, der fast ein Jahr in schwindelnder Höhe seinen Arbeitsplatz hatte. Der Spezialist dirigierte bei der Demontage den Kran und sitzt in einer Höhe von rund 60 Metern. "Ich brauche zehn Minuten, bis ich aufgestiegen bin. Man muss schon schwindelfrei sein, um dort oben zu arbeiten", sagt der erfahrene Kranfahrer.

"Ein Obendreher muss von oben dirigiert werden", erklärt er und fügt hinzu, dass im Cockpit modernste Computertechnik untergebracht ist. Sogar die Windgeschwindigkeit wird gemessen. Manches Mal wurde es da ziemlich kritisch. Zwar warnt der Kran mit Piepsignalen ab 60 Stundenkilometern. Doch schon bei geringerem Wind wird die Schwankungsbreite ganz schön groß. Der Kran kann sich dann bis zu zwei Metern hin und herbewegen - die Ladung noch mehr. "Gestern hatten wir mal 46 Stundenkilometer", erinnert sich der Stefan Lindner noch an die turbulenten Zeiten auf der Ireks-Baustelle.

Beim Aufbau hatte die Kranfirma abbrechen müssen, weil der Wind einfach zu stark wehte. Und auch zwischendurch musste immer mal wieder pausiert werden, weil eine Arbeit sonst einfach zu gefährlich gewesen wäre.
Besonders Bauchschmerzen hat der Baufirma der vergangene Winter bereitet. Denn monatelang ging gar nichts, erst am 9. April konnte die Baustelle richtig fortgesetzt werden. "Der Winter hat die Baustelle schon verzögert", gibt Bauleiter Michael Götz vom Generalunternehmen Mühlherr offen zu. Und dann wurde die Zeit knapp.

Denn vor dem Winter 2013 sollte der Rohbau fertig werden, damit - falls der Winter kommt - wenigstens innen weitergearbeitet werden kann. "Jetzt wird noch die Fassade fertig gemacht. Die Fassade ist mit perlglimmer-schwarzen Emailleglas verblendet. Und der Innenausbau läuft parallel, denn schließlich soll das Gebäude im Mai bezugsfertig sein.

Der Mega-Kran ist für die Restarbeiten nicht mehr nötig und musste weichen. Erst hievten gestern zwei Autokräne die Gegengewichte des Auslegers herunter. Dann wurde der komplette Ausleger abgenommen. Am Stück. Am Boden erfolgte dann von den Fachleuten die weitere Demontage.


Ein Jahr für 200.000 Euro

Indes baute ein zweiter Trupp den Kranturm von oben nach unten wieder ab. Allein der Auf- und Abbau des Kranes schlägt mit 50.000 Euro zu Buche. Die Tatsache, dass der Kran mehr als ein Jahr in Kulmbach seine Dienste tat, kostete den Generalunternehmer insgesamt 200.000 Euro netto.
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