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BURGGEFLÜSTER

Der Griff nach dem Strohhalm

Heute habe ich mein letztes Wattestäbchen benutzt.
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Ich komme damit der Europäischen Union und ihrem Verbot zuvor und kasteie mich selber. Ab sofort wird auf die Stäbchen zur Ohrreinigung verzichtet. Für Ohrologen sind die Teile ohnehin ein Graus, weil man seinem Hör-Organ einen Bärendienst erweist. Das Verbot geht freilich nicht auf das geweihte Pfui der Mediziner zurück, sondern auf das Bestreben, Plastikmüll auf unserem Globus einzudämmen. Das ist löblich und wird höchste Zeit.

Aber wer sich die Liste der Produkte besieht, denen es an den Plastekragen geht, zieht verwundert mindestens eine Augenbraue hoch. Es soll demnach keine Haltestangen mehr für Luftballons geben (Luftballons aber schon!). Und: Auch Strohhalme sollen aus dem Verkehr genommen werden! Jaaaa, stand so exakt gestern auf dem Onlineportal einer deutschen Zeitung zu lesen. Auweia! Mit was werden künftig die Reet-Häuser auf Sylt gedeckt? Woraus die Vogelscheuchen von morgen geflochten?

Keine Bange, es handelt sich um die leicht irrige Ausdrucksweise in den Medien. Die EU spricht von Trinkhalmen aus Plastik, die die Industrie bald knicken kann, zusammen mit den ebenso sinnfreien Plastik-Rührstäbchen für Heißgetränke. Sollten die Länder dem Vorstoß folgen, könnte es kein Einwegbesteck mehr auf dem Kontinent geben (von To-go-Bechern ist nicht die Rede). Wohlgemerkt handelt es sich um einen Vorschlag, der erst mit dem Parlament verhandelt werden muss. Bis dato bleibt alles freiwillig. Wie danach die Umsetzung aussieht?

Das ist halt die Krux mit Verboten: Sie können nur gegen etwas wirken, das da ist. Sonst müsste man ja über die Sinnfrage vieler Produkte vor deren Einführung nachdenken. Und ich bitte Sie, wo kämen wir denn da hin...?


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