Kulmbach
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Der Brunnen und der Prinzregent

Den Luitpoldbrunnen, den die Kulmbacher auch Kunstbrunnen nennen, wurde 1898 aufgestellt, 1936 schon wieder abgerissen und 58 Jahre lang eingelagert. Im ersten Teil geht es um Idee und Umsetzung.
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Der Brunnen vor 1936  Repro: Erich Olbrich
Der Brunnen vor 1936 Repro: Erich Olbrich
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Offiziell heißt der Brunnen Luitpoldbrunnen. In Kulmbach nannte man ihn auch Kunstbrunnen. 1898 feierlich aufgestellt, wurde er jedoch 1936 schon wieder abgerissen. 58 Jahre lang war er dann in der Mittelau, im Bauhof der Stadt Kulmbach eingelagert, bevor er 1994 erneut aufgestellt wurde. Seine Geschichte ist so abwechslungsreich, dass wir sie in zwei Teilen erzählen möchten.

Gerade im 19. Jahrhundert begann eine Bewegung zu Errichtung von Denkmälern. Sie wurden bewusst als Denkmäler geschaffen, waren auf Dauer bestimmt, hatten vorwiegend historischen und ästhetischen Wert und sollten Erinnerungen erhalten.

Brunnen, die als Denkmäler errichtet wurden, dienten nicht als Nutzbrunnen und notwendige Wasserspender, sondern vor allem zu repräsentativen Zwecken. Im gesamten Kaiserreich wurden besonders am Ende des 19. Jahrhunderts auf öffentlichen Plätzen in größeren und mittleren Städten solche Monumentalbrunnen errichtet.

Kunstfreundlicher Prinzregent

In Bayern regierte Prinzregent Luitpold, dieser galt als sehr kunstfreundlich. Unter seiner Regentschaft erlebte München im Wettbewerb mit der Kunststadt Berlin eine Blütezeit der Kunst.

Prinzregent Luitpold, als dritter Sohn Ludwigs I. geboren, übernahm im Jahre 1886 mit 65 Jahren die Regentschaft für seinen als unmündig erklärten Neffen Ludwig II. und für dessen nervenkranken Bruder Otto I.

Durch seine liberale und volkstümliche Art erwarb Luitpold sich großes Ansehen und erfuhr in Bayern zahlreiche Ehrungen.

Auch in Kulmbach war man dem Prinzregenten treu ergeben. Als er 1888 Kulmbach besuchte, wurde ihm überall aus aufrichtigem Herzen gehuldigt.

Im Rathaus der Stadt amtierte von 1891 bis 1920 der rechtskundige Bürgermeister Wilhelm Flessa. Er stand dem Magistrat (heute die Referenten) vor, der aus 16 vom Gemeindekollegium (heute der Stadtrat) gewählten Mitgliedern bestand. Dessen Vorsitz führte Kommerzienrat Hermann Limmer.

Beschluss 1891

Der Beschluss, auf dem Marktplatz einen Brunnen aufzustellen, geht auf das Jahr 1891 zurück. Damals wurde seitens der städtischen Kollegien beschlossen, unter der Voraussicht der Gewährung eines Zuschusses und von Spenden, einen monumentalen Brunnen auf dem Marktplatz zur Aufstellung zu bringen.

Ein repräsentativer, kunstvoller, künstlerisch wertvoller Brunnen, ein Kunstbrunnen, sollte erbaut werden, der das gesellschaftliche Wohlergehen ausdrückte und der gleichzeitig den Marktplatz schmückte.

Vor dem Brunnen stand in der Mitte des Marktplatzes ein nicht sehr schmückender, eingezäunter Kandelaber als Stadtbeleuchtung.

Der Staatszuschuss wurde beantragt und am 19. Mai 1893 traf beim Magistrat eine Entschließung des königlichen Staatsministeriums des Innern ein, durch welche zur Errichtung eines Kunstbrunnens auf dem Marktplatze zu Kulmbach ein Betrag von 12 800 Mark aus den budgetmäßigen Mitteln zur Pflege und Förderung der Kunst durch den Staat bewilligt worden war. Das Komitee musste also bei einem Kostenaufwand von 24 000 Mark für den Brunnen, noch weitere 12 000 Mark durch Spenden aufbringen.Der staatliche Zuschuss war, da 800 Mark als Preisgelder für die Entwürfe an bayerische Künstler ausgeworfen werden sollten, an die Ausschreibung eines Wettbewerbs gebunden.

Die Jury wurde nicht mit Kulmbachern besetzt, sondern mit bedeutenden Künstlern und Architekten: Adolf Hildebrand, Bildhauer und Professor, Josef von Kramer, Bildhauer und Professor, Ludwig von Loefftz, Kunstmaler und Direktor der Akademie der bildenden Künste, Franz Stuck, Kunstmaler und Professor, August Thiersch, Architekt und Professor an der Technischen Hochschule.

Den ersten Preis, welcher den Auftrag für die Ausführung des Brunnens einschloss, erhielt der Bildhauer Eduard Beyrer, gemeinsam mit dem Architekten Martin Dülfer.

Der Bildhauer Eduard Beyrer (1866-1934) war um die Jahrhundertwende in München ein bekannter Denkmal- und Porträtplastiker. Er wirkte an der Gestaltung vieler Brunnen- und Grabdenkmäler mit.

Für Martin Dülfer (1859-1942) war der Luitpoldbrunnen sein erstes Denkmal und er blieb sein einziges Brunnenwerk. Dülfer war in seiner Zeit einer der bedeutendsten deutschen Architekten und galt als Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur.

Schwerpunkte seines Schaffens waren die Fassadenarchitektur (zum Beispiel die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg), sowie der Bau von Theatern (unter anderem in Meran und Duisburg), Wohn- und Geschäftshäusern und Villen.

Der sich in der Mitte des Brunnentrogs befindliche dreieckige Brunnenstock trägt drei Brunnenschalen, die von drei Tieren, einem Widder, einer Bulldogge sowie einem Ziegenbock Wasser erhalten.

Darum herum befindet sich ein sechseckiges Wasserbecken mit einem Durchmesser von 7,6 Metern.

Tierköpfe und Putten

Die Tierköpfe sind von Putten (Skulptur in Kindergestalt) umgeben. Die Putten halten Girlanden über den Medaillons des Prinzregenten Luitpold, der Wappen Kulmbachs und Bayerns.

Über dem Brunnenstock erhebt sich ein Obelisk, der von einer goldenen Sonne bekrönt wird und eine Gesamthöhe von 10,5 Metern erreicht.

Der Obelisk glorifiziert hier, was für das Wohlergehen der Stadt Kulmbach von besonderer Bedeutung war: die Zugehörigkeit zu Bayern und die Regentschaft Luitpolds.

Am Bau des Brunnens waren keine Kulmbacher Firmen beteiligt. Die Steinmetzarbeiten führte die Firma Rosenbach aus, die Firma Braun übernahm die Bronzearbeiten (beide München) und für die kupfernen Wasserbecken war die Würzburger Firma Bucher zuständig.

Nach verschiedenen Verzögerungen wurde der Brunnen im Sommer 1898 aufgestellt. Dies wird durch die Jahreszahl MDCCCXCVIII auf einer Tafel auch angezeigt. Die Einweihung erfolgte aber erst am 12. März 1899 anlässlich des 78. Geburtstages des Prinzregenten.

Mit Musik, reichem weißblauem Flaggenschmuck und lobenden Reden wurde er der Stadtgemeinde vor einer großen Menschenmenge übergeben.

Zu Ehren des Prinzregenten wurden in Kulmbach außerdem noch 1908 das "Arme Sünder Gässchen" in Luitpoldstraße und 1910 das Heimatmuseum in Luitpold-Museum umbenannt.

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