Kulmbach
Unser Klinikum

Der beste Rat für jeden Patienten

In der Tumorkonferenz besprechen Experten aller Fachrichtungen jede Woche die Therapievorschläge für alle Krebskranken am Klinikum Kulmbach. Kein Fall ist wie der andere. Deshalb wird die Behandlung immer individuell geplant.
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Tumorkonferenz am Klinikum Kulmbach: Radiologie-Chef Franciscus Billet (rechts) zeigt den versammelten Kollegen die Bilder für die Einzelfall-Beurteilung, per Videokonferenz zugeschaltet ist Strahlenexperte Ludwig Keilholz aus Bayreuth. Foto: Barbara Herbst
Tumorkonferenz am Klinikum Kulmbach: Radiologie-Chef Franciscus Billet (rechts) zeigt den versammelten Kollegen die Bilder für die Einzelfall-Beurteilung, per Videokonferenz zugeschaltet ist Strahlenexperte Ludwig Keilholz aus Bayreuth. Foto: Barbara Herbst
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Mittwochnachmittag, 15 Uhr, der Konferenzraum füllt sich: Ärzte, Therapeuten, Krankenschwestern und Pfleger unterschiedlicher Fachbereiche des Klinikums kommen zur wöchentlichen Tumorkonferenz zusammen. Radiologie-Chef Franciscus Billet projiziert Aufnahmen der aktuellen Fälle von Krebserkrankungen auf die Bildschirme an der Wand, damit alle Beteiligten sehen, worum es geht. Markus Ewald, Leitender Arzt der Medizinischen Klinik, Schwerpunkt Gastroenterologie/Onkologie, stellt einen Patienten vor, alle wichtigen Details der Erkrankung. Per Videokonferenz ist auch Strahlen-Experte Ludwig Keilholz aus Bayreuth zugeschaltet.

Erst operieren und dann bestrahlen oder umgekehrt? Chemo - ja oder nein? Ab wann, wie oft? Oder doch lieber eine palliative Behandlung der Symptome, wenn andere Therapien keinen Erfolg mehr versprechen? Jeder Fall wird beraten - etwa 25 Patienten werden diesmal vorgestellt, abschließend bei der gynäkologischen Tumorkonferenz
nochmals über knapp 20 Patientinnen. Erscheint die Situation eindeutig, geht die Besprechung schnell, gibt es unterschiedliche Meinungen, wird ausgiebig diskutiert.

Am Ende steht ein Beschluss, der schriftlich festgehalten wird. "Dieser Beschluss ist eine Empfehlung, ein Vorschlag, der dem Patienten gemacht wird, denn das letzte Wort hat er selbst", sagt Markus Ewald. "Das ist kein Gerichtshof, wo über Wohl und Wehe des Patienten entschieden wird. Es geht vielmehr darum, die gesamte Fachkompetenz unseres Hauses zu nutzen, um den bestmöglichen Therapievorschlag für den jeweiligen Einzelfall machen zu können."

Entschieden wird gemeinsam

Für viele Tumor-Erkrankungen gebe es Standards nach Leitlinien, aber dies dürfe nicht dazu verleiten, einsame Entscheidungen zu treffen - nach dem Motto "wird schon richtig sein", so Ewald. "Deshalb entscheiden wir immer gemeinsam, was wir dem Patienten anbieten." Wenn dieser dann mit der geplanten Behandlung nicht einverstanden sei, könne man erneut beraten."

Markus Ewald ist sich der besonderen Situation eines Krebskranken bewusst: "Als Arzt hat man eine gefährliche Macht. Patienten sind steuerbar, verlassen sich auf das ärztliche Urteil, weil sie ja selbst keine Fachleute sind und ohnehin erst einmal die Diagnose Krebs verarbeiten müssen." Die Entscheidung über eine überlebensentscheidende Therapie ihnen allein aufzubürden - das gehe natürlich auch nicht.

Auch dafür ist die Konferenz da, in der kritische Auseinandersetzungen durchaus gewollt seien. "Es wird nicht unbedingt das gemacht, was der Chef sagt", meint Ewald selbstkritisch - und findet das ganz gut so. "Ich habe manchmal eine andere Meinung als mein Oberarzt, aber ich habe nicht unbedingt recht." In der Tumorkonferenz zählt jede Stimme, auch Pflegekräfte und Psycho-Onkologen sind dabei, Chirurgen, Strahlentherapeuten und Internisten.

Stahl, Strahl und Gift

Stahl, Strahl und Gift - Chirurgie, Bestrahlungen und Chemotherapie, das sind die bekannten Therapie-Werkzeuge, die in Kombination angewendet werden. Aber auch Antikörper und Antihormontherapie kommen zum Einsatz, nicht nur das klassische Zellgift.

Die moderne Onkologie arbeitet viel mit vorbereitenden Therapien, erläutert Ewald am Beispiel Enddarmkrebs.
Ein möglicher erfolgreicher Weg kann so aussehen: fünf Wochen Vorbestrahlung plus am Anfang und Ende je eine Woche Chemotherapie, um den Tumor einzudämmen. Operiert werden die geschrumpften Tumoren erst später - und auch nicht gleich, sondern nach einer Wartezeit von acht Wochen. Für den Patienten kann das vor allem seelisch belastend sein, "zu wissen, dass man den Krebs so lange noch im Körper hat. Da braucht man manchmal auch Unterstützung vom Psycho-Onkologen."

In akuten Notfällen müsse man selbstverständlich sofort handeln und könne nicht auf die Tumorkonferenz warten. Solche - seltenen - Fälle werden in der nächsten Konferenz nachbesprochen.

"Wir können nicht alles"

Und noch etwas ist Markus Ewald wichtig: "Wir können sehr Vieles gut behandeln, aber nicht alles. Wenn die Diagnose gestellt ist und wir etwas nicht können, gebietet es die Ehrlichkeit, dem Patienten das zu sagen und ihn an ein anderes Haus zu verweisen. Der Patient soll immer darauf vertrauen können, dass das, was angeboten wird, auch gekonnt wird."

Deshalb erfülle man gerne den Wunsch nach einer Zweitmeinung Ewald: "In solchen Fällen empfehlen wir einen Experten oder organisieren einen Termin beim Wunsch-Mediziner und stellen alle dafür wichtigen Unterlagen zusammen.
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