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Kulmbach
Entdecker-Tour (165)

Der Anwalt der Armen und ein Brünnlein bei Kulmbach

Das Hirschenbrünnlein am Ende der Oberen Buchgasse in Kulmbach hat schon bessere Zeiten erlebt.
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Das Hirschenbrünnlein ist im Laufe der Jahre immer mehr verfallen. Foto: Erich Olbrich
Das Hirschenbrünnlein ist im Laufe der Jahre immer mehr verfallen. Foto: Erich Olbrich
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Am Ende der Oberen Buchgasse schlummert ein alter Brunnen. Seine moosüberzogenen, teilweise zerbrochenen Steine klagen, zeugen aber gleichzeitig von vergangenen guten Zeiten. Auf einer alten Aufnahme von Hans Edelmann aus den 1930er Jahren ist er noch in einem gut erhaltenen Zustand zu sehen.

Doch das Wasser kommt nicht mehr aus dem metallenen Rohr, sondern hat sich neue Wege ins Tal gesucht. Vermutlich haben Straßenarbeiten oder auch umgestürzte Bäume den jahrzehntelangen Wasserfluss unterbrochen. Aus der einst schönen Anlage ist ein unansehnlicher Platz geworden. Die Steinbank wurde zerschlagen, der Brunnenstein mit der gegossenen Inschrift "Negeleins-Stiftung" steht so schief, dass er wohl bald umfallen wird. Aus der kleinen Mauer bröckeln Steine.

Verhängnisvoller Hangrutsch

Lange Jahre pflegte der Kulmbacher Verkehrs- und Verschönerungsverein im Auftrag der Stadt Kulmbach den Platz, für einige Jahre übernahm das Technische Hilfswerk die Patenschaft. Als aber vor einigen Jahren nach einem Hangrutsch in der Oberen Buchgasse der Baustellenverkehr über Kauernburg über diesen Bereich geleitet wurde, kam das Ende der Anlage. Steine wurden verrückt, der Platz als Lager für Baumaterial genutzt. Das Herrichten hätte Kosten verursacht, die der THW-Ortsverband nicht hätte leisten können.

Wie kam überhaupt an diese Stelle im Wald eine Brunnenanlage? Ihre Entstehung ist einer Stiftung aus dem Jahr 1891 zu verdanken, die Dr. Karl Friedrich Gottlieb Negelein der Stadt Kulmbach vermachte. Stiftungszweck war es, die Umgebung der Stadt Kulmbach zu verschönern.

So wurden im Testament 3000 Gulden für die Errichtung eines großen Eisernen Kreuzes im heutigen Alten Friedhof und die Neufassung des Hirschenbrünnleins in der Oberen Buchgasse aufgeführt.

Zinsen für eine arme Jungfrau

Ein weiterer Punkt in Negeleins letztem Willen war, dass die Zinsen aus 6000 Gulden für die Ausstattung einer armen Jungfrau aus Kulmbach, die sich durch untadelhaften Lebenswandel, Sittlichkeit und Religiosität auszeichnete, dienen sollten. Ferner bestimmte der Erblasser die Zinsen aus 3000 Gulden für Weihnachtsgeschenke und Gaben zum Gregorifest an arme Kulmbacher Kinder.

Es wurden noch weitere Punkte aufgeführt, aber Inflation und Wirtschaftskrisen haben dazu beigetragen, dass es diese Stiftung nicht mehr gibt.

Wer war dieser Dr. Karl Friedrich Gottlieb Negelein, der so ein beachtliches Vermögen hinterlassen hat? Er wurde 1785 in Kulmbach geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bayreuth studierte er Jura in Erlangen. 1812 kam Negelein nach verschiedenen Anstellungen als Gerichtsadvokat nach Kulmbach zurück. Er heiratete die Tochter des Gerichtsarztes Bachmann. Ihr Bruder war Pfarrer Johann Friedrich Georg Eduard Bachmann ("Bachmanns Ruh" im Buchwald). Über ihn haben wir in den Entdecker-Touren 44 und 45 berichtet. Die Ehe blieb kinderlos, nach 21 glücklichen Ehejahren ließ Negelein sich scheiden. Diese Trennung muss für ihn sehr schmerzlich gewesen sein und ein "tiefer Ernst durchzog sein Leben". Trotzdem blieb er der beste Freund seiner Frau und unterstützte sie.

Gruft auf dem Alten Friedshof

Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst wurde er immer öfter zu einem Anwalt der Armen. Er starb 1864 und wurde in der Negeleinschen Familiengruft im Alten Friedhof beigesetzt. Diese Gruft befindet sich an der Außenmauer in der Nähe der Nikolaikirche. Sie ist von einem Bauzaun umgeben und macht einen bedauernswerten Eindruck.

An Negelein erinnern in Kulmbach eine Straßenbezeichnung, das schöne Eiserne Kreuz und die Gruft im Alten Friedhof.

Sein "Hirschenbrünnlein" mit der Brunnenstube in der Oberen Buchgasse befindet sich in einem jämmerlichen Zustand. Wird hier nichts gemacht, werden unsere Kinder diesen Ort bald nur vom noch vom Hörensagen kennen. Wäre es nicht ein toller Start für die neu gewählten Stadträte, zur Rettung des Hirschenbrunnens "handgreiflich" zusammenzuarbeiten?

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