Kulmbach
Verbesserungen

Das Wasserwirtschaftsamt macht die Kulmbacher Flutmulde sicherer

Aktuell laufen Bauarbeiten im Bereich Weißer Main/Flutmulde in Kulmbach. Wir haben beim Wasserwirtschaftsamt nachgefragt, was die deutlich wahrnehmbaren Erdbewegungen zu bedeuten haben.
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Das Wasserwirtschaftsamt ist aktuell noch mit Bauarbeiten an der Flutmulde beschäftigt. Im Mittelpukt steht die Verbesserung der Hochwassersicherheit.Jochen Nützel
Das Wasserwirtschaftsamt ist aktuell noch mit Bauarbeiten an der Flutmulde beschäftigt. Im Mittelpukt steht die Verbesserung der Hochwassersicherheit.Jochen Nützel
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Jörg Schindler, zuständiger Flussmeister beim Wasserwirtschaftsamt Hof, hat die Bauarbeiten beschrieben.

Soll mit den Bauarbeiten eine Renaturierung erreicht werden?

Jörg Schindler: Nein, eine Flutmulde ist ein technisches Bauwerk und dient dem Hochwasserschutz.

Warum gibt es dann die auffälligen Erdbewegungen?

Die Arbeiten sind für den Unterhaltung notwendig. Das Wasserwirtschaftsamt setzt dort gleich drei erforderliche Projekte parallel um. Die großen Erdbewegungen dienen ausschließlich dem Zweck, die Flutmulde zu entlanden. Das letzte Mal fand dies in der Form vor ca. 20 Jahren statt. Seitdem haben Sedimentablagerungen durch Hochwässer sowie der natürliche Bodenaufwuchs die Höhe des Vorlandes wieder anwachsen lassen.

Warum ist das schlecht?

Das schränkt die hydraulische Leistungsfähigkeit der Flutmulde ein. Durch das Abtragen der Ablagerungen werden nun im dortigen Abflussprofil rund 1000 Kubikmeter an Volumen zurückgewonnen. Das verbessert die Hochwassersicherheit dort.

Was ist noch geplant?

Als Zweites werden Setzungen, die in der Hochwasserschutzeindeichung an den Kleingärten aufgetreten sind, ausgebessert. Dort wird der Deich wieder durchgehend auf seine ursprüngliche Höhe gebracht. Dies verbessert die Hochwassersicherheit im Bereich der Kleingärten.

Die dritte Aufgabe vor Ort?

Die dritte Maßnahme findet nun tatsächlich am Gewässer statt. Dort befinden sich in den Ufern Reste einer alten Gewässerverbauung aus Beton aus den frühen 1930er Jahren. Diese sind weitestgehend verfallen, teilweise liegen sie nur noch als lose Betonbruchstücke im Gewässer. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten hat das Wasserwirtschaftsamt im Rahmen des Unterhalts dort immer wieder die verfallende Uferbefestigung aus Beton durch das Setzen natürlicher Wasserbausteine ausgebessert oder ersetzt. Dort sollen nun auch die letzten Reste der verfallenen Betonbestandteile aus den Ufern entfernt werden. Hierfür ist es erforderlich auch einen Teil der nach und nach gesetzten Wasserbausteine mit zu entnehmen und wieder neu zu setzen.

Was wird dort anders werden?

Das Neusetzen der Uferbefestigung wird dort nicht in alter Manier geradlinig und durchgehend erfolgen. Für die Zielerreichung der Wasserrahmenrichtlinie gehört es zu unseren Pflichtaufgaben, auch im Rahmen des erforderlichen Gewässerunterhalts die heutigen Gesichtspunkte der Gewässerökologie zu berücksichtigen und - wo möglich - entsprechende Verbesserungen zu bewirken. Das Gewässerbett muss stabil gehalten werden. Es wird aber auch Augenmerk darauf gelegt, das Gewässer strukturell aufzuwerten, um dort den Lebensraum Gewässer zu bereichern.

Ziel ist es dort also, die baufälligen Uferbereiche zu erneuern und zudem die Strömungs- und Strukturvielfalt zu erhöhen.

Das bedeutet auch, dass das Gewässerbett künftig anders verläuft?

Nein, größere Umgestaltungen werden nicht erfolgen, das Gewässer bleibt letztendlich in seinem alten Bett. Die Arbeiten an den Ufern richten sich in erster Linie an den noch vorhandenen Betonstrukturen aus, die teilweise auch erst im Zug der Bauphase gefunden werden können. Dort wird dann je nach Erforderlichkeit die Uferbefestigung neu gesetzt.

Wann will man fertig sein?

Die Arbeiten sollen in der nächsten Woche abgeschlossen werden. Die Kosten werden sich insgesamt auf rund 40.000 Euro belaufen.

Flussmeister Jörg Schindler ist zuständiger Flussmeister für den Gewässerunterhalt an Gewässern erster und zweiter Ordnung im Landkreis Kulmbach. Er ist in der Dienststelle Bayreuth des Wasserwirtschaftsamts Hof beschäftigt.

Wasserwirtschaftsamt Das Wasserwirtschaftsamt Hof ist die regionale Fachbehörde für alle Fragen der Wasserwirtschaft und des Gewässerschutzes im östlichen Oberfranken.

Flutmulde Eine Flutmulde ist laut dem Internet-Lexikon Wikipedia ein Graben, der beispielsweise um eine Stadt herum gegraben bzw. durch Eindeichung geschaffen wurde und diese im Falle eines Hochwassers vor schweren Überschwemmungen schützen soll. Diese Form des Hochwasserschutzes zählt man zum technischen Hochwasserschutz. Flutmulden gibt es zum Beispiel in Cham, Dresden, Landshut und Zagreb. Die Flutmulde in Kulmbach wurde von Anfang 2014 bis Mitte 2017 auf 1,5 Kilometern Länge zwischen Bundesstraße 85 und Berliner Brücke auf den neuesten Stand gebracht und dabei die Pörbitscher Au großzügig umgestaltet, die zu einer Art Naherholungsgebiet wurde. Dem Main wurde mehr Platz eingeräumt. Er schlängelt sich seitdem durch die Flutmulde. Es wurden Brücken sowie ein neuer Fuß- und Radweg geschaffen. Das Projekt kostete rund 15,5 Millionen Euro, die die Europäische Union und der Freistaat Bayern finanzierten - 450 000 Euro zahlte die Stadt Kulmbach dazu.

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