Ziegelhütten
Randale

Das war nicht Dschingis Khan

Zwei Buben sorgen für Ärger. Und entfachen einen medialen Sturm.
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Foto: Herbert Seidel
Foto: Herbert Seidel

Zwei Buben, gerade einmal sechs und vier Jahre alt, legen Feuer, beklauen ihre Nachbarn und richten allerhand Schaden an. Eine Geschichte, wie gemacht, um das mediale Sommerloch zu stopfen.

Das haben allerhand Zeitungen, Zeitschriften und Nachrichten-Portale dann auch getan. Manche sind dabei gewaltig übers Ziel hinausgeschossen. "Kinder mit Gasbrenner verwüsten halben Ort" schreibt der "Merkur". "Brüder verwüsten bayerische Stadt" heißt es in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Und "Heute.at" aus Österreich versteigt sich gar zu der Schlagzeile "Buben (4,6) verwüsteten Gottschalks Heimatort". Wer so etwas liest oder hört, muss den Eindruck gewinnen, als seien Dschingis Khans wilde Horden durch Kulmbach gezogen.

Liebe Kollegen, kommt mal wieder runter! Es geht hier um einen beinahe alltäglichen Fall von Vandalismus, der nur dadurch aus der Masse hervorsticht, dass die Täter eben wirklich sehr, sehr jung waren. Das muss man nicht über die Maßen dramatisieren.

Man sollte es aber auch nicht verharmlosen. Dass es sich bei dem Brüderpaar nur um Kinder handle, die halt "Dummheiten gemacht haben", wie es Oberbürgermeister Henry Schramm gegenüber den Kollegen von Spiegel-online formuliert hatte, geht am wahren Sachverhalt ebenso vorbei. Immerhin entstand ein Sachschaden von 15 000 Euro.

Was da in Ziegelhütten passiert ist, war kein Armageddon. Aber es war auch mehr als ein Dummer-Jungen-Streich.

Schaut man auf die Hintergründe (die wir zum Teil kennen, zum Schutz der Kinder aber für uns behalten), wird deutlich, dass es in unserer reichen Welt, in der alles aufs Beste geregelt erscheint, Kinder gibt, denen es offensichtlich an Wesentlichem fehlt: an Eltern, die in der Lage sind, ihrem Erziehungsauftrag nachzukommen. An den zuständigen Behörden ist es jetzt, rasch und konsequent zu handeln - im Sinne der Kinder, die wohl nicht zum ersten Mal aufgefallen sind, und die nun endlich die Chance bekommen müssen, aufzuwachsen, ohne dass sich ein solcher Vorfall wiederholt.

Fürs mediale Sommerloch werden sich dann künftig schon andere Themen finden lassen.

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