Kupferberg
Vorstellung

Das unterirdische Rätsel von Kupferberg

Stefan Höhn begleitet das neue Besucher-Bergwerk mit einer Doktorarbeit. Dass er sich dabei mit geologischen Gegebenheiten befasst, die es eigentlich gar nicht geben dürfte, überrascht nicht nur ihn. Und verleiht der Arbeit, der Stadt und der ganzen Region eine völlig neue Bedeutung.
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Öffnet er für Kupferberg die Tür zu einem Zentrum geologischer Forschung? Der 29-jährige Stefan Höhn arbeitet seit etwa einem Jahr an seiner Doktorarbeit über die Besonderheiten von Gesteinsformationen in Bayerns größter Kupferlagerstätte. Am Freitag stellte er erste Erkenntnisse vor. Foto: Matthias Beetz
Öffnet er für Kupferberg die Tür zu einem Zentrum geologischer Forschung? Der 29-jährige Stefan Höhn arbeitet seit etwa einem Jahr an seiner Doktorarbeit über die Besonderheiten von Gesteinsformationen in Bayerns größter Kupferlagerstätte. Am Freitag stellte er erste Erkenntnisse vor. Foto: Matthias Beetz
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Keine Frage: Der Name der Stadt Kupferberg ist eng mit dem Bergbau verbunden, sogar das Stadtrecht rührt daher. Doch die unterirdischen Gegebenheiten rund um das kleine Städtchen sind für die gesamte Region von Bedeutung. Der Grund: An Bayerns größter Kupferlagerstätte finden sich geologische Verhältnisse, die mit den bisherigen Erkenntnissen der Wissenschaft einfach nicht zusammenpassen wollen.

Wöchentliche Beprobung

"Eine Situation, die nicht sein kann" - so benennt Stefan Höhn die Grundlage seiner Doktorarbeit, mit der er sich schon nahezu ein Jahr befasst. Etwa einmal pro Woche kommt er aus dem unterfränkischen Würzburg an die fränkische Linie, um den geologischen Geheimnissen der Region auf den Grund zu gehen. Er nimmt dann in und rund um Kupferberg Gesteinsproben und untersucht sie anschließend in der Universität.


"Der Zwiespalt der Gesteinsschichten" ist es, die ihn und auch seinen Doktorvater Hartwig Frimmel so fasziniert, wie der Professor bei der Projektvorstellung am Freitag im Info-Zentrum des Besucher-Bergwerks deutlich machte.

Über eine Strecke von vier Kilometern - wie an einer Perlenschnur aufgefädelt - gibt es bei Kupferberg sogenannte Erzlinsen. Das genetische Modell ihrer Entstehung liegt zwar vor, kann aber so nicht stimmen. So fragt sich der Experte: Wie und wann sind diese Erzlinsen entstanden und wie sind sie in die geologische Realität einzuordnen?

Für Laien verständlich

Eine Arbeit, die nur die Wissenschaft interessiert und für den Normalbürger nicht verdaulich ist? Ganz und gar nicht. Stefan Höhn fasst seine Erkenntnisse - allgemein verständlich formuliert - auf Schautafeln zusammen, die dann dem Gast im Besucherbergwerk Zusammenhänge und die Besonderheiten der Kupferberger Geologie und Bergbaugeschichte darstellen und damit das "Erlebnis Besucher-Bergwerk" vertiefen.

Regional bedeutsames Zentrum

Allerdings haben die bisherigen Erkenntnisse auch dazu geführt, dass Kupferberg nicht nur für Laien und einen kleineren Kreis von Experten regional interessant ist, sondern für eine Vielzahl von Wissenschaftlern. Dass das Hospitalgebäude gute Voraussetzungen für Tagungen und Fachvorträge in einem Zentrum geologischer Forschung bietet, musste Professor Frimmel nicht eigens unterstreichen.

Geschuldet ist diese unerwartet vielversprechende Entwicklung im Grunde den Bergwerk-Machern um Heinz Kliesch. Denn sie bemerkten frühzeitig, dass man über den in den 1920-er Jahren eingestellten Bergbau eigentlich wenig weiß. Zusammen mit dem Bergbau-Ingenieur Bodo Lorenz, der das Kupferberger Projekt realisiert hat, und der Oberfrankenstiftung wurde schließlich die Idee einer Doktorarbeit entwickelt.

Millionen Jahre Erdgeschichte

Laut Professor Frimmel ist das Kupferberger Gebiet "eine höchst interessante Gegend", wo sich 600 Millionen Jahre Erdgeschichte an einem Platz finden. Die Herausforderung besteht darin, die Geologie mit modernster Methodik aufzuarbeiten und das genetische Modell der Vererzung zu finden.

Landrat Klaus Peter Söllner sieht das Besucher-Bergwerk durch die Erkenntnisse der Wissenschaft auf eine "neue höhere Stufe" gestellt und für die gesamte Region von Belang. Wie der Kupferberger Bürgermeister Hans-Joachim Hösch dankte er dem Museumsverein um Heinz Kliesch und Reinhard Holhut für akribische Arbeit und sagte Unterstützung zu.

Finanziert wird die Doktorandenstelle von der Oberfrankenstiftung (Sachmittel), der Hanns-Seidel-Stiftung (Personalkosten), von der Sponsorin Jutta Schicker und aus Würzburger Lehrstuhlmitteln.

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