Kasendorf

Das Schreinerhandwerk im Wandel der Zeit

Die Kasendorfer Schreinerei Horner ist 150 Jahre alt. Hermann Horner, der die Geschäfte in fünfter Generation führt, spricht über die moderne Fertigung und eine Zeit, als der Urgroßvater noch mit der Rückentrage auf die Baustelle ging.
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Moderne Technik ist in  den Werkstätten heute ein  Muss. Unser  Bild zeigt Hermann  Horner am CNC-Bearbeitungszentrum.  Fotos: Alexander  Hartmann
Moderne Technik ist in den Werkstätten heute ein Muss. Unser Bild zeigt Hermann Horner am CNC-Bearbeitungszentrum. Fotos: Alexander Hartmann
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Wie sich die Zeiten doch ändern: Hermann Horner, steht mit einem Stück Holz an einer imposanten Maschine, die mit einer CNC-Steuerung ausgerüstet ist. Nicht das Abmessen mit der Hand, sondern Programmieren ist heute gefragt. "Nur durch die computergesteuerte Fertigung bekommt man die Präzision hin, die auch im Schreinerhandwerk mehr und mehr gefragt ist", sagt der 50-Jährige, der in fünfter Generation einen Familienbetrieb führt, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert.

Mit der Rückentrage

Horner spricht von Präzision, die früher so nicht gefragt war. Früher war vieles anders. Auf dem Dachboden hat er ein Hilfsgerät entdeckt, das einst seinem Urgroßvater Christian Schneider die Arbeit erleichtert hat. Eine Rückentrage, mit der Schneider noch in den 30er Jahren zu seinen Baustellen gelaufen ist.
"In der Trage hat er sein ganzes Werkzeug verstaut. Er ist damit zu den Bauern gegangen, um Fenster einzubauen", sagt Urenkel Hermann Horner.

Über 100 000 Euro investiert

Verhältnisse, an die 80 Jahre später nicht mehr zu denken ist. Die moderne Technik gibt in den Werkstätten den Ton an und stellt viele kleine Betriebe vor eine große finanzielle Herausforderung. Über 100 000 Euro hat Horner vor vier Jahren in das CNC-Bearbeitungszentrum gesteckt und dafür sogar einen Streit mit seinem alten Herrn in Kauf genommen: "Mein Vater hat gemeint, dass ich das Geld nie wieder reinholen werde", sagt Horner, der vor der Investition nicht zurückgeschreckt ist. "Denn Stillstand bedeutet auch im Schreinerhandwerk Rückschritt", erklärt der 50-Jährige, der von einem Existenzkampf in einer Branche spricht, in der man längst nicht mehr nur regional, sondern bundesweit um Aufträge kämpfe.

Bühnenbild in Tirol

Aufträge, an denen es seiner Schreinerei nicht mangelt. Um die buhlt Hermann Horner, der kaum mehr selbst in der Werkstatt steht, sondern sich um die Akquise und Organisation kümmert. Mit Erfolg. Die Firma hat sich nicht nur in der Kindergarten- und Objekteinrichtung einen Namen gemacht, sondern wird auch für Großaufträge weit über die Landkreisgrenzen hinaus gebucht. Für die Landesausstellung "Ewig Blühe Bayerns Land" 2009 in der Landshuter Staatsresidenz hat sie Ausstellungsmobiliar gebaut. "Wir mussten da auch Podeste mit einem Radius von 12,5 Metern fertigen", sagt Horner, der weiß, dass der Auftrag ohne die CNC-Maschine nicht zu stemmen gewesen wäre. Auch das Bühnenbild zu den Festspielen in Erl in Tirol haben die Kasendorfer schon mal erstellt und dabei Glück gehabt, dass ein einstiger Lehrling die Kontakte hergestellt hat. "Der Kulmbacher Folko Winter, der heute Bühnenbildner ist, hat dankenswerterweise an uns gedacht."

In jedem Jahr ein Lehrling

Mit Folko Winter hat die Schreinerei seit 1957 insgesamt 57 Lehrlinge ausgebildet. "Wir hatten quasi in jedem Jahr einen neuen Auszubildenden", sagt Hermann Horner, der 2012 selbst noch nicht weiß, ob die neun Mitarbeiter starke Schreinerei auch in der sechsten Generation von einem Familienmitglied geführt werden wird.
Sohn Florian lässt er freie Hand. "Nur wenn er wirklich will, soll er den Betrieb übernehmen. In seinem Alter habe ich auch noch nicht gewusst, ob ich die Schreinerei übernehmen werde ", sagt der Vater, dessen Sohn eine Lehre als Bankkaufmann macht. Bei der sich der 20-Jährige kaufmännische und organisatorische Fähigkeiten aneignet, die, so weiß der Vater, heute auch der Chef einer Schreinerei mehr denn je braucht.

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