Kulmbach
Verkehr

Das sagen Kulmbacher Speditionen zum Beschluss der EU-Verkehrsminister

Die EU-Verkehrsminister haben einen Beschluss zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lkw-Fahrer auf den Weg gebracht. Aber was sagen Betroffene?
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Foto: Inga Kjer/dpa
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Der österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer teilte in der Nacht auf Dienstag mit, dass es ein Maßnahmen-Paket gebe, mit welchem die Sozialstandards für Lkw-Fahrer verbessert werden sollen.

Künftig sollen die Lkw-Fahrer ihre wöchentliche Ruhezeit von 45 Stunden am Stück nicht mehr in ihrem Führerhaus verbringen dürfen. Die Speditionen müssten dann Unterkünfte für ihre Fahrer zur Verfügung stellen. Entlastet sollen damit die überfüllten Parkplätze auf den Autobahnen werden.

Ebenso sollen die Löhne angeglichen werden: gleiche Arbeit am gleichen Ort für den gleichen Lohn. Wochenlange Touren durch Europa sollen auch der Vergangenheit angehören: Die Fahrer müssen nach maximal vier Wochen am Stück wieder nach Hause zurückkehren.

"Meiner Meinung nach ist das Paket gut gemeint und wurde mal wieder extrem schlecht gemacht. Die Betroffenen können das nicht umsetzen, und die Kontrollbehörden können das nicht kontrollieren", sagt Michael Möschel, Inhaber der Verkehrsakademie-Gruppe in Kulmbach.

Es gehört zum alltäglichen Bild an den Wochenenden, dass hauptsächlich Lkw aus Osteuropa an den Raststätten parken und dort ihre Wochenendruhezeit ablegen. "Wie soll das kontrolliert werden, dass sich die Fahrer eine Pension suchen? In die Ortschaften dürfen sie teilweise gar nicht reinfahren mit ihren Sattelschleppern, und sehr kleine Pensionen verfügen meistens nicht über eine Internetadresse, die man suchen könnte", sagt Michael Möschel.

Eine gleiche Bezahlung für alle Fahrer in Europa würde Möschel durchaus begrüßen. Dabei solle man aber richtig regeln und den Mindestlohn in allen Ländern angleichen. Ansonsten müsse man pro Fahrt unterschiedliche Lohnabrechnungen schreiben für jedes Land, in das der Fahrer komme.

"Man hätte bereits vor 15 Jahren richtige Entscheidungen treffen müssen, dann würde man diese Regelungen heute nicht brauchen. Damals wurde der Verkehrsmarkt liberalisiert und nicht richtig geregelt", resigniert Michael Möschel.

"Mit solchen Entscheidungen steht das Gewerbe vor dem Aus. Im Fernverkehr ist das so nicht machbar", sagt Manfred Schmidt-Hofmann, Seniorchef der gleichnamigen Spedition in Rugendorf.

"Es ist mit den Lenkzeit nicht vereinbar, dass sich die Fahrer auch noch auf die Suche nach einer Pension begeben. Solche Entscheidungen sind völlig weltfremd", betont Schmidt-Hofmann. Für seine Firma spiele diese Regelung aber keine Rolle, da seine Fahrer alle am Wochenende zu Hause seien.

"Diejenigen, die solche Maßnahmen beschließen, haben keine Ahnung, wie es in der Praxis abläuft", sagt der Seniorchef.

"Wenn es mehr Kontrollen geben würde, könnte man viele Sachen erledigen. Doch die fehlen einfach", erklärt Stephan Meixner, Niederlassungsleiter der Spedition Emons in Himmelkron.

Gerechte Löhne für die Fahrer zu haben sei ein wichtiges Thema, aber wenn es nicht kontrolliert werde, sei es sinnlos, meint Meixner.

"Bei den wöchentlichen Ruhezeiten sollte man die Fahrer fragen, was für sie angenehmer sei, denn wenn man in einer schlechten Pension landet, weil keine andere zur Verfügung steht, dann ist es durchaus besser, im Führerhaus zu schlafen", gibt Stephan Meixner zu Bedenken.

"Entscheidend wird sein, inwiefern eine flächendeckende Kontrolle in Europa durch die dafür zuständigen Behörden möglich ist", sagt Gerhard Souza Murrmann, Geschäftsführer der Firma Murrmann Logistik und Service. Mit Lohn- und Preisdumping seien von vielen Unternehmen Marktanteile am Rande der Legalität aufgebaut worden.

"Wir beobachten aktuell an vielen Stellen ein Umdenken in der Branche und eine damit einhergehend größere Wertschätzung unserer Dienstleistungen bzw. der in der Logistik tätigen Arbeitskräfte. Dazu kann dieser Beschluss einen Beitrag leisten. Da unsere Berufskraftfahrer ohnehin alle zwei bis drei Tage sowie an allen Sonn- und Feiertagen am Firmenstandort sind, hat der Beschluss auf die Arbeitsbedingungen unserer Fahrer keine direkte Auswirkung", so Gerhard Souza Murrmann.

Bevor der Beschluss endgültig zum Gesetz wird, muss allerdings noch das Europaparlament darüber entscheiden. Hier hofft Michael Möschel, "dass im Parlament mehr Realitätssinn vorhanden ist als bei den Ministern."

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