Kulmbach
Gericht

Das Rauschgift kam aus Berlin

Wegen Drogenhandels wurden vier junge Männer aus dem Kreis Kulmbach zu Freiheitsstrafen verurteilt.
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In Berlin kauften die Angeklagten Rauschgift günstig ein, im Raum Kulmbach/Bayreuth veräußerten sie es teuer weiter. Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa
In Berlin kauften die Angeklagten Rauschgift günstig ein, im Raum Kulmbach/Bayreuth veräußerten sie es teuer weiter. Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa

Den Stoff bezogen sie von einem Großhändler aus Berlin. Mit dem eigenen Auto, per Kurier oder mit dem Flixbus kam die heiße Ware nach Bayreuth. Umschlagplatz war der Bahnhof. Schließlich verkauften die vier Männer das Haschisch an hiesige Abnehmer. Jetzt mussten sie sich jetzt wegen Drogenhandel vor dem Landgericht Bayreuth verantworten.

Den Angeklagten aus dem Kreis Kulmbach wurde zur Last gelegt, eine Drogenbande gebildet zu haben. Ein Vorwurf, der sich nicht halten ließ, wie Vorsitzender Richter Bernhard Heim erklärte. Es handelt sich jedoch um einen Familienclan: zwei Brüderpaare aus Syrien, die auch Cousins sind.

Die Taten wurden gemeinschaftlich und in unterschiedlichen Konstellationen begangen, aber eine bandenmäßige Abrede war ihnen nicht nachzuweisen. Sonst wären die Strafen höher ausgefallen.

Das Geschäftsmodell

Die jungen Kerle - sie sind Anfang bis Mitte zwanzig - betrieben ihren Rauschgifthandel, um sich eine Einnahmequelle zu verschaffen und ihren eigenen Drogenkonsum zu finanzieren. Das Geschäftsmodell sah so aus, dass sie in Berlin und einmal in Leipzig günstig einkaufen konnten: zwischen zwei und vier Euro pro Gramm. Im Raum Kulmbach/Bayreuth wurde das Haschisch für sieben bis zehn Euro an verschiedene Abnehmer weiterverkauft.

Fünf Tatkomplexe

Fünf Tatkomplexe hatte das Gericht aufzuklären. Es begann Anfang 2017, als man 200 Gramm Haschisch kaufte. Beim zweiten Mal waren es gleich zwei Kilo, für die die Angeklagten 5000 Euro hinblättern mussten. Vermutlich, so Richter Heim, handelte es sich um einen Übermittlungsfehler. "Aber bei der Abholung entschied man, die große Menge trotzdem abzunehmen."

Beim dritten Mal waren 500 Gramm bestellt, die im Januar 2018 in Bayreuth ankommen sollten. Bei der Anreise wurden die Kulmbacher von der Polizei kontrolliert, die Geld und kleinere Mengen Betäubungsmittel sicherstellten. Die Übergabe scheiterte.

Die Polizei ermittelte gegen die Männer. Sie wurden vernommen, und Wohnungen wurden durchsucht. "Obwohl sie gemerkt haben, dass die Polizei nah an ihnen dran ist" (Heim), nahmen sie ein paar Tage später ihre Geschäftstätigkeit wieder auf. Es wurden wieder 500 Gramm Haschisch in Berlin bestellt. Ein Kurier brachte den Stoff nach Bayreuth, wo ihn einer der Kulmbacher abholte. Er zweigte davon dreimal drei Gramm für einen Minderjährigen ab. "Das Alter seines Abnehmers war ihm gleichgültig", so der Vorsitzende.

Gleich in U-Haft

Das letzte Geschäft ging im März 2018 über die Bühne. Einer der Angeklagten kaufte 200 Gramm Marihuana für 400 Euro in Leipzig. Dann war Schluss - die Polizei nahm die vier Verdächtigen fest. Sie kamen in Untersuchungshaft und saßen zwischen drei und neuneinhalb Monaten im Gefängnis.

Jetzt wurde den Männern der Prozess gemacht. Sie legten Geständnisse ab. Sechs Tage lang wurde verhandelt. Immer mit dabei ein Simultandolmetscher. Gestern fällte die Strafkammer ihr Urteil. Eineinhalb Stunden dauerte die Urteilsbegründung.

Einer der Angeklagten wurde nach dem Jugendstrafrecht abgeurteilt. Bei ihm lägen erhebliche Persönlichkeitsdefizite, Reifeverzögerungen und schädliche Neigungen vor. Ihm brummte das Gericht eine zweijährige Jugendstrafe auf. Sein Bruder bekam nur neun Monate wegen Beihilfe. "Aber sein Tatbeitrag war nicht unwichtig, weil er als Einziger der ganzen Truppe einen Führerschein und ein Auto hatte", so Heim.

Der dritte Mann, der schon im Ermittlungsverfahren Aufklärungshilfe geleistet hatte, sozial eingeordnet lebt und wie seine Verwandten einer Arbeit nachgeht, wurde zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Therapie statt Knast

Bei ihm und bei seinen beiden Cousins wurde die Bewährungszeit auf drei Jahre festgesetzt. "Wir gehen davon aus, dass sie künftig die Finger von den Drogen lassen", sagte der Richter. Der Aufenthalt im Gefängnis habe gewirkt. Etwas komplizierter war die Sachlage beim vierten Angeklagten. Er stand schon vorher unter Bewährung, so dass ein Urteil des Amtsgerichts Kulmbach einbezogen werden musste. Für ihn kamen zwei Jahre und vier Monate raus - ohne Bewährung. Er erklärte sich im Prozess bereit, wegen seiner Betäubungsmittelabhängigkeit eine Drogentherapie zu machen.

Da er bereits neuneinhalb Monate U-Haft hinter sich hat und die sechsmonatige Therapie angerechnet wird, hat er laut Heim die Chance, dass bei einer erfolgreichen Behandlung die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

Der Vorsitzende schärfte den vier Männern ein: "Wenn Sie wieder einen Joint reinziehen und erwischt werden, gibt es keine Gnade - dann gehen Sie ins Gefängnis." Die drei Täter mit Bewährung nahmen das Urteil gleich im Gerichtssaal an und verzichteten wie der Staatsanwalt auf Rechtsmittel. Der vierte Angeklagte will sich erst noch mit seinem Anwalt beraten.

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