Kulmbach

Babys im Müll entsorgt: Ein Tierschutz-Verein aus Franken hilft Katzen - und braucht selbst Hilfe

Spenden benötigt der Tierschutzverein immer. Aber ein Kostenposten bereitet seit Jahren besondere Sorgen: die Zahl verwilderter Katzenkinder.
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Tierheimleiterin Carina Wittmann hat eines ihrer vielen Sorgenkinder auf dem Arm. Dieser schwarze Stubentiger stammt wohl von einem Bauernhof und hat sich, weil er nicht versorgt wurde, auf die Suche nach Nahrung gemacht. Krank und schwach wurde der Streuner von Passanten aufgelesen und abgegeben. Foto: Tierschutzverein Kulmbach
Tierheimleiterin Carina Wittmann hat eines ihrer vielen Sorgenkinder auf dem Arm. Dieser schwarze Stubentiger stammt wohl von einem Bauernhof und hat sich, weil er nicht versorgt wurde, auf die Suche nach Nahrung gemacht. Krank und schwach wurde der Streuner von Passanten aufgelesen und abgegeben. Foto: Tierschutzverein Kulmbach

Nummer 233 ist schwarz wie die Nacht. Herkunft? Unbekannt. Vielleicht von einem Bauernhof in der Nähe. Das Fellknäuel sieht nicht nur nicht gut aus - es sieht auch nicht gut mit den verklebten Augen. Diagnose: Katzenschnupfen. Keiner weiß, wie lange sich der kleine Kerl bei der nasskalten Witterung im Freien durchgekämpft hat. Nun ist er in der Obhut des Tierschutzvereins, hat es warm, bekommt Futter und Medikamente.

Nummer 233 ist kein Einzelschicksal - das lässt schon die Zahl vermuten. "So viele Baby- und Jungkatzen sind allein in diesem Jahr bei uns gelandet", sagt Tierheimleiterin Carina Wittmann. Eine erschreckend hohe Anzahl.

"Das Leiden hat viele Gesichter"

In die Versorgung dieser Tiere fließt mittlerweile ein nicht unerheblicher Teil des Haushaltsbudgets des Tierschutzvereins Kulmbach. Es vergeht keine Woche, in der nicht der Nachwuchs verwilderter Hauskatzen oder aber von unkastrierten Bauernhofkatzen irgendwo auftaucht. Da, wo die Tiere herkommen, werden sie nicht oder nur ungenügend versorgt. Und so ziehen sie umher. "Manchmal kommen sie zu Leuten, die sich noch ihrer annehmen und sie füttern. Aber das geht oft nur eine bestimmte Zeit lang, dann sind wir die letzte Station." Meist sind die Katzen elend beieinander. Sie leiden an Katzenschnupfen, sind von Parasiten befallen oder plagen sich mit Durchfallerkrankungen herum. "Das Leiden hat viele Gesichter", sagt Carina Wittmann.

Exponentielles Wachstum

Ein Leiden, das es nicht - oder wenigstens nicht in diesem Ausmaß - geben müsste. "Im Frühjahr und im Herbst, da kommt die Flut. Meistens werfen Katzen zwei Mal im Jahr, es gibt aber auch Jahre, da gibt es drei Mal Nachwuchs. Im Schnitt hat jede Kätzin fünf Junge." Die Weibchen sind bereits vor Erreichen des ersten Lebensjahres gebärfähig. Da kann man sich vorstellen, was da in einem Katzenleben zusammenkommt. Das potenziert sich und macht mehrere Tausend Babys pro Katzenpaar."

Das Elend also ist absehbar, "aber es passiert zu wenig". Deswegen lautet ihr Appell: "Die Katzenhalter sollen bitte ihre Tiere kastrieren lassen. Das Leid, das entsteht, wenn sich die Tiere unkontrolliert vermehren, gerät oft aus dem Blick." Viele dämmern in verborgenen Ecken vor sich hin, völlig verfloht und verzeckt.

"Das ist Aberglaube"

Der Appell stößt bei vielen auf offene Ohren, sagt die Tierheimleiterin. Ein Satz mit "aber": "Aber er dringt leider nicht bei allen durch. Angeblich fange eine kastrierte Katze keine Mäuse mehr - das ist natürlich Aberglaube." Schlimmer als solche Mythen findet die 30-Jährige aber, dass man sehenden Auges einem Lebewesen dem sicheren Tod aussetzt.

Auf eigene Kosten

Der Tierschutzverein muss auf eigene Kosten die abgegebenen Streuner kastrieren lassen. Und das geht ins Geld. "Es herrscht oft die irrige Annahme, dass wir als Verein dafür nichts bezahlen müssten. Der Tierarzt aber muss laut Gebührenordnung dafür den fälligen Satz berechnen, er darf es gar nicht anders." Das freilich zehrt am Budget des Vereins. "Mittlerweile sind wir in diesem Bereich leider an finanziellen Grenzen gestoßen. Wir befürchten, dass wir die Kastrationen der verwilderten Hauskatzen nicht mehr in dem Maße finanzieren können, wie es nötig wäre. Und wir können diese Kosten ja niemandem im Rechnung stellen." Insofern sind Spenden für die Tierschutzarbeit auch vor diesem Hintergrund absolut nötig.

Derzeit sind 20 der besagten Jungkatzen im Tierheim und werden aufgepäppelt, teilweise mit Muttermilchersatz. Zwei der Streuner haben ein besonders schweres Schicksal, erzählt Carina Wittmann. "Sie wurden zufällig in Schwingen entdeckt. Ein Unbekannter hat sie beim Müllcontainer des Tanzcenters entsorgt. Wir haben sie gerade so durchgebracht, aber sie brauchen noch eine gewisse Zeit, bis wir sie vermitteln können."

Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre zahlreichen Internetangebote (unter anderem das Zeitungsportal www.inFranken.de) jeden Tag unzählige Menschen. Das nutzt die mgo, um Hilfsbedürftigen in ganz Franken zu helfen.

Geschichte Seit 2009 gibt es daher den Spendenverein "Franken helfen Franken". Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an gemeinnützige Organisationen und in Not geratene Menschen in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken.

Spendenkonto Alle Spenden sind steuerlich absetzbar. Geld spenden kann jeder per Überweisung auf das Konto mit der Nummer: IBAN DE 62 7705 0000 0302 1945 01, BIC BYLADEM1SKB bei der Sparkasse Bamberg (Verwendungszweck: Tierschutzverein Kulmbach).

Information Wer sich ausführlich über den Verein "Franken helfen Franken" und seine Arbeit informieren möchte, kann dies tun auf der Homepage des Vereins unter der Adresse www.franken-helfen-franken.de.red

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