Kulmbach
Umzug

Das Kulmbacher Juz richtet sich im Bahnhof neu ein

Der Umzug des Kulmbacher Juz war eine wahre Mammutaufgabe. Jetzt ist es fast geschafft. Aktuell werden die neuen Räumlichkeiten im Bahnhofsgebäude bezogen.
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Die hauswirtschaftliche Kraft Ursula Kunzmann, Einrichtungsleiter Stefan Lehner und die ehrenamtlichen Helfer Yusuf Apari und Tahsin Korkmaz (von rechts) waren am Dienstag unter anderem mit dem Aufbau des Billardtisches im neuen Juz beschäftigt. Foto: Rebecca Vogt
Die hauswirtschaftliche Kraft Ursula Kunzmann, Einrichtungsleiter Stefan Lehner und die ehrenamtlichen Helfer Yusuf Apari und Tahsin Korkmaz (von rechts) waren am Dienstag unter anderem mit dem Aufbau des Billardtisches im neuen Juz beschäftigt. Foto: Rebecca Vogt
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Wer die neuen Räumlichkeiten des Kulmbacher Kinder- und Jugendkulturzentrums im Bahnhof betritt, wird linker Hand von einem hellen, lichtdurchfluteten Raum mit weißen Wänden und großen Rundbogenfenstern begrüßt. Zwei Säulen teilen den Raum in seiner Mitte. Von der hohen Decke hängen mehrere Lampen - noch schützend in Folie eingepackt. Eine Gruppe von Menschen ist gerade damit beschäftigt, die oberen Bestandteile eines Billardtisches zusammenzusetzen. Der Kicker nebenan steht schon. Einen Raum weiter stapeln sich Lautsprecherboxen und unzählige Kisten mit technischem Equipment, Ordnern und Töpfen übereinander.

Es ist unschwer zu erkennen, dass sich das Kulmbacher Juz mitten im Umzug befindet. "Im letzten Drittel", wie Einrichtungsleiter Stefan Lehner präzisiert. Begonnen hat alles damit, den Umzug vorzubereiten. Inventar, Hausrat und sonstiger Fundus mussten eingepackt und beschriftet werden. Dann erfolgte der eigentliche Umzug. "Von A nach B", wie Lehner anmerkt - aus der Alten Spinnerei in den Bahnhof. "Seit Januar waren wir wie ein kleines Logistikunternehmen", sagt der Einrichtungsleiter. "Wir haben über 60 Paletten Ware transportiert." Viele Möbel noch nicht mitgerechnet.

"Das waren wirklich Unmengen von Sachen", sagt Ursula Kunzmann, die im Juz als hauswirtschaftliche Kraft unter anderem das Café betreut. "Wir haben drei Monate lang nur eingepackt und sortiert", erzählt sie. "Das war eine unendlich aufwendige Arbeit. Das kann man sich kaum vorstellen. Ein normaler Wohnungsumzug ist ein Klacks dagegen." Irgendwie habe man es aber auf die Reihe bekommen. Beim eigentlichen Umzug auch mit tatkräftiger Unterstützung des Technischen Hilfswerks (THW).

Kleinere Nutzfläche stört nicht

Jetzt gilt es, alles wieder auszuräumen und einen neuen Platz für die Sachen zu finden. In den Räumlichkeiten am Bahnhof steht dem Juz hierfür eine Nutzfläche von rund 350 Quadratmetern zur Verfügung. In der Alten Spinnerei waren es ganze 1500 Quadratmeter. Dort habe man damals großen Respekt vor der Fläche gehabt, erinnert sich Jürgen Ziegler, Kreisjugendpfleger und Geschäftsführer des Kreisjugendrings, der zusammen mit den Kooperationspartnern Landkreis und Stadt Kulmbach als Träger des Juz fungiert. Großveranstaltungen halfen dem Juz, die Alte Spinnerei zu beleben.

Die riesigen Flächen stehen im neuen Gebäude nun nicht mehr zur Verfügung. "Es ist natürlich anders, aber nicht unbedingt ein Nachteil", sagt Lehner. Man habe auf keinen Raum verzichten müssen. So gibt es auch im neuen Juz ein TV- und ein Mädchenzimmer, ein Tonstudio und unter anderem einen Multifunktionssaal, der für Discos und Konzerte genutzt werden kann. Vorteilhaft sei am neuen Gebäude der ebenerdige Eingang. Und: "Der offene Betrieb wird schöner laufen als drüben", schätzt Lehner. Diese Erwartung teilt auch Ziegler.

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Das Café, das gerade im eingangs beschriebenen Raum entsteht, dient als zentrale Anlaufstelle. Am Freitag werden die Verantwortlichen des Juz bei einem Treffen zusammen mit den Jugendlichen noch die Planung und den Bau der Theke besprechen, wie Lehner berichtet. Für die im Bahnhofsgebäude nicht mehr möglichen Großveranstaltungen ist indes angedacht, zukünftig den Veranstaltungssaal in der Alten Spinnerei zu nutzen, welche nach dem Auszug des Juz saniert wird.

Das Juz als zweites Zuhause

Für eine Stadt in einer Größenordnung wie Kulmbach sei ein Jugendzentrum eine "Selbstverständlichkeit" und gehöre zur "sozialen Infrastruktur", erklärt Ziegler. Das Juz biete den Jugendlichen einerseits Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite leiste es aber auch Erziehungsarbeit und zeige Grenzen auf - zum Beispiel indem sich jeder an die Hausordnung halten müsse.

Yusuf Apari und Tahsin Korkmaz, die als ehrenamtliche Helfer beim Umzug mitanpacken, sind von der Einrichtung begeistert. Sie hätten sich im Juz immer wohlgefühlt, berichten sie, und sich dort mit Freunden getroffen. "Die Mitarbeiter sind für einen da und helfen einem - zum Beispiel beim Bewerbung schreiben", erzählt Korkmaz. "Es gibt das TV-Zimmer und leckeres Essen. Man fühlt sich wie daheim."

Stadt und Landkreis arbeiten zusammen

Die Kosten für den Umzug betragen laut Ziegler rund 40.000 Euro. Davon seien rund 15.000 Euro allein für die Theke veranschlagt. Die Ausgaben würden durch Spenden abgedeckt, notfalls springe der Landkreis ein. Wie Stadtsprecher Simon Ries auf BR-Anfrage erklärt, trägt die Stadt Kulmbach den Großteil der Kosten für die Sanierung der neuen Juz-Räume, die man von der Deutschen Bahn angemietet hat. Zu den Kosten in Höhe von 150.000 Euro gebe der Landkreis einen Zuschuss von 19.250 Euro.

Ein neuer Vertrag zwischen Stadt, Landkreis und Kreisjugendring, der auf der Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung steht, sehe vor, dass sich Stadt und Landkreis künftig die laufenden Kosten für das Juz hälftig teilen. Organisatorisch bleibe weiterhin die Stadt für die Räumlichkeiten, der Landkreis für das Personal zuständig. Oberbürgermeister Henry Schramm betont, dass die Jugendarbeit einen "enormen Stellenwert" habe. Es sei wichtig, sie mit den bewährten Partnern gut weiterzuführen.

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Auf einen genauen Termin, zu welchem das Juz seine Türen wieder öffnet, wollen sich Lehner und Ziegler aktuell indes noch nicht festlegen. Aber, so der Geschäftsführer des Kreisjugendrings: "Wir arbeiten zügig und so schnell es geht."

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