Kulmbach
Altstadtfest

Das Kulmbacher Altstadtfest einst und heute

Seit 40 Jahren wird am ersten Juli-Wochenende in der Innenstadt gefeiert. Zwei Kulmbacher erinnern sich und vergleichen.
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1982: Eröffnung des Altstadtfests auf dem proppenvollen Marktplatz.Foto: BR-Archiv
1982: Eröffnung des Altstadtfests auf dem proppenvollen Marktplatz.Foto: BR-Archiv
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Das Altstadtfest feiert einen runden Geburtstag: Vor 40 Jahren waren Kulmbacher und Gäste erstmals eingeladen, drei Tage lang gemeinsam in der Innenstadt zu feiern und zu genießen. Dabei hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten vieles verändert - das Fest hat sich den Gewohnheiten des Party-Volks angepasst, aber auch wirtschaftliche Zwänge und Veränderungen im Einzelhandel haben dazu beigetragen.

In den achtziger Jahren hat die Stadt das Fest noch komplett selbst organisiert. Die führenden Köpfe der ersten Stunde waren Willi Höhn, Dieter Franz und Dieter Faik vom städtischen Schulamt. Tagelang waren Heerscharen von Helfern im Einsatz, um alles fürs Fest vorzubereiten. Erich Olbrich, damals Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, erinnert sich noch gut daran: "Wir haben damals die ganzen Bühnen aufgebaut, unter anderem auf dem Holzmarkt, auf dem Marktplatz, im Oberhacken und am Röhrenplatz. In der Oberen Stadt haben wir eine Tanzbruck aufgestellt."

Der 60-Jährige denkt gern an die Altstadtfeste dieser ersten Jahre: "Es war nicht nur abends und nachts etwas los, sondern den ganzen Tag war überall in der Stadt eine Menge geboten. Olbrich erzählt vom Biergarten mitten in der Fußgängerzone, Aktionen der Kulmbacher Vereine, kulinarischen Leckereien zwischen Spritzkuchen und Ochs am Spieß.

Auch die Städtepartnerschaften seien zum Altstadtfest gepflegt worden. "Ein Chor aus Lugo war da, die Dudelsackbläser aus Kilmarnock, Gäste aus Rust. Kulmbacher Chöre und Blaskapellen sind aufgetreten. An jeder Ecke gab's Live-Musik, und alle Geschäftsleute haben mitgemacht und sich Aktionen einfallen lassen. Das war klasse, ein richtiges Gemeinschaftsfest." Und heute? Geht Olbrich immer noch gerne aufs Altstadtfest? "Ja schon, aber nicht mehr jeden Tag. Ich setz' mich selten irgendwo länger hin, sondern laufe lieber mal durch. Es ist immer noch ein schönes Fest, aber früher war's halt noch viel schöner."

Kritische Töne eines ehemaligen Kneipenwirts

Der frühere "Pinguin"-Wirt Uli Wagner hat sie noch gut vor Augen: die Zeiten, als bereits an den Altstadtfest-Nachmittagen das Geschiebe in der Stadt groß, das Fortkommen bisweilen zeitraubend und nur in Trippelschritten möglich war. Für den heute 62-Jährigen lag das unter anderem daran, dass den Besuchern an drei Tagen ein Rahmenprogramm geboten wurde, das aller Ehren wert war. "Es gab Modenschauen oder Auftritte der Buschklopfer, die noch Anspruch und etwas zu sagen hatten mit dem, was sie boten. Diesen Anspruch, scheint mir, nehmen die Organisatoren schon lange nicht mehr so wichtig."

Als Hubert von Goisern am Röhrenplatz auftrat

Das Gleiche gelte für die Musik. Fast legendär ist Wagners Verpflichtung der "Alpinkatzen" um Hubert von Goisern Anfang der 1990er Jahre. "Damals war er noch Newcomer, hatte aber schon Erfolge und war medial präsent." Ausschlaggebend für Wagner: Goisern bewegte sich abseits jedweden musikalischen Mainstreams. Etwas, das Wagner heute vermisst. "Wenn man keinen Anspruch mehr hat an die Besonderheit einer Band, die für diese Veranstaltung verpflichtet wird, sondern nur noch der Dudel- und Unterhaltungsfaktor zählt, dann ist das eben so. Früher war es egal, ob die Bayreuther ihr Bürgerfest parallel veranstalteten - die Wagnerstädter sind trotzdem gekommen, weil sie in Kulmbach eben was Spezielles erleben konnten."

Ein No-Go für den Kulmbacher: DJs auf den Bühnen. "Das hat mit dem Altstadtfest, als einer Art Innenstadt-Kerwa, wie es mal gedacht war, gar nix mehr zu tun. Das einzig Besondere heute ist der Altstadtlauf." In der jetzigen Form habe sich, sagt Wagner, das Fest "in gewisser Weise überlebt". Daher würde er eine erneute Beteiligung seinerseits definitiv ausschließen. "Für die Gastronomen werden die Kosten jedes Jahr höher, das ist ein wichtiger Faktor. Ich war froh, wenn ich null für null rausgekommen bin. Aber das war okay, weil ich den Leuten was bieten konnte. Ich war mit dem ,Pinguin' quasi mein eigener Straßenzug und konnte selber entscheiden. Heute scheint mir die Kooperationsbereitschaft untereinander gering."

Als selbstständiger Veranstalter habe er heute Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Städten und deren Herangehensweise an solche Events. "Es kann funktionieren, das zeigt beispielsweise das Nürnberger Burgbierfest. Auch hier bezahlt man keinen Eintritt, die Kapazität ist auf 7000 Besucher begrenzt. Dort sind 40 fränkische und rund zehn internationale Brauereien vertreten. Auf vier Bühnen gibt es Musik: von der Blasmusik bis hin zum Pop-Rock-Jazz-Mix. Alles sehr gute und auch nicht-kommerzielle Darbietungen jenseits des Mainstreams." Was das wichtigste ist: Bei den Beteiligten bleibe entsprechend was hängen. "Wir reden für die Biere der einheimischen Anbieter von einem Preis von vier Euro - absolut im Rahmen."

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