Kulmbach

Das Kreuz mit dem Käferholz

Die Waldbesitzer im Landkreis, insbesondere im Frankenwald, sind überfordert. Die staatlichen Hilfen reichen nicht aus, sagt Alfred Weber.
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Vom Staat alleine gelassen fühlt sich Waldbesitzer Alfred Weber aus Kupferberg. Mit dem grünen Kreuz setzt er an seinen Holzstapeln ein Zeichen. Foto: Adriane Lochner
Vom Staat alleine gelassen fühlt sich Waldbesitzer Alfred Weber aus Kupferberg. Mit dem grünen Kreuz setzt er an seinen Holzstapeln ein Zeichen. Foto: Adriane Lochner

Die Waldbesitzer im Landkreis, insbesondere im Frankenwald, sind überfordert. Die staatlichen Hilfen reichen nicht aus, sagt Alfred Weber. Grüne Kreuze auf Feldern kennt man mittlerweile. Bundesweit weisen Landwirte damit auf ihre schwierige Lage angesichts der aktuellen Agrarpolitik hin. Das Konzept hat Waldbesitzer Alfred Weber aus Kupferberg für seine Holzlagerplätze übernommen. An den Stapeln aus großen Fichtenstämmen prangen nun auch grüne Kreuze, ebenfalls ein stiller Protest. "Wir werden alleine gelassen", sagt er mit Nachdruck. Waldbesitzer seien derzeit mit der Aufarbeitung ihres Käferholzes überfordert. Vom Staat müsse mehr Hilfe kommen.

Holzpreis im Keller

Dass Waldbesitzer derzeit bis zum Hals in einer Misere stecken, ist mehreren Faktoren geschuldet, etwa den schnellen Vermehrungsraten von Borkenkäfern. Unter optimalen Bedingungen, nämlich warmen, trockenen Sommern, werden innerhalb nur weniger Wochen aus einem Käfer Tausende.

Sobald ein befallener Baum identifiziert ist, beginnt ein schweißtreibender Wettlauf. Der Baum muss so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden, damit der schlüpfende Käfernachwuchs keine neuen Bäume befallen kann. Dazu sind Waldbesitzer gesetzlich verpflichtet, sonst können die Forstbehörden die Bäume auf Eigentümerkosten zwangsweise entfernen lassen.

Aufgrund der wachsenden Zahl an Käferbäumen entwickelt sich der Wald für viele Waldbesitzer zu einem teuren und zeitintensiven Hobby. Neben Beruf und Familie müssen sie am besten wöchentlich ihren Wald kontrollieren und sofort mit der Motorsäge zur Stelle sein, wenn sie einen Neubefall entdecken. Mangelt es an Zeit, gibt es die Möglichkeit direkt oder indirekt über eine Waldbesitzervereinigung (WBV) Lohnunternehmer zu beauftragen, die die Holzaufarbeitung übernehmen. Lange Zeit hat dieses Konzept funktioniert. "Früher gab es auch Schadflächen, trotzdem konnte man mit dem Holz Gewinn erzielen", erklärt Waldbesitzer Weber. Die beiden letzten aufeinanderfolgenden trockenen Sommer führten jedoch in vielen Regionen zu einer Flut an Käferholz, der Markt ist überschwemmt, der Holzpreis im Keller.

Aufarbeitung kostet

"Die Aufarbeitung von Käferholz in schwachen Beständen ist ein Draufzahlgeschäft mit 20 bis 25 Euro Verlust pro Festmeter", bestätigt die Vorsitzende der WBV Kulmbach-Stadtsteinach und Kulmbacher Stadtförsterin, Carmen Hombach. Der Holzpreis richtet sich nach der Holzqualität. Das heißt, ein kleiner, krumm gewachsener Baumstamm bringt pro Festmeter weniger ein, als ein großer, gerade gewachsener. Die Kosten für Fällen, Ausasten und Abtransport unterscheiden sich kaum.

Während für dünne, krumme Bäume der Waldbesitzer draufzahlt, gibt es für große Bäume mit guter Holzqualität noch immer eine Gewinnmarge. Sie ist jedoch drastisch geschrumpft. "Man muss bedenken, es sind Vermögenswerte, die da kaputt gehen", betont Hombach.Auf dem Holzmarkt brachte der Festmeter an qualitativ hochwertigem Fichtenholz 90 bis 100 Euro ein, heute sind es nur noch 30 bis 40 Euro.

Engpässe beim Abtransport

Ein Käferbaum muss so schnell wie möglich aus dem Wald. Doch meistens geht das nicht. Es mangelt an forstlichen Dienstleistern, die den Waldbesitzern bei der Aufarbeitung unter die Arme greifen können. Sogar wenn Waldbesitzer es schaffen, die vielen Käferbäume zeitnah zu fällen, mangelt es an Maschinen und Fahrern. Oft bleibt keine andere Wahl, als den Holzstoß mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln. Bei den beiden zugelassenen Substanzen handelt es sich um Kontaktgifte, die bei Berührung auf mehrere Insektenarten wirken. Sie dürfen nur bei gefällten Bäumen und nur von sachkundigem Personal verwendet werden.

Angesichts der aktuellen Debatte um die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Ökosysteme belohnt der Freistaat seit vergangenem Jahr die insektizidfreie Behandlung von Käferholz mit finanzieller Förderung. Da sich Borkenkäferlarven direkt unter der Rinde eines Baumes befinden, kann man ihnen durch Entrindung den Garaus machen. Dafür gibt es vom Freistaat bis zu zwölf Euro pro Festmeter. Unternehmer mit speziellen Entrindungsmaschinen gibt es allerdings nur wenige in der Region. Zudem bekommt entrindetes Holz Risse. Meist taugt es nur noch als Brennholz.

Wohin mit dem Holz?

Sogar wenn man Transportmaschinen und Fahrer hätte und diese bezahlen könnte, wohin mit dem Holz? Die befallenen Baumstämme müssen mindestens 500 Meter vom nächsten Baumbestand gelagert werden. Die Sägewerke sind mit ihren Lagerplätzen an der Kapazitätsgrenze. Beispielsweise fasst der ständig gefüllte Rundholzlagerplatz des Sägewerks von Hans Wernlein in Kulmbach etwa 600 Festmeter, ständig rückt Käferholz nach. "Das geht nur noch mit Warteliste", sagt der Sägewerksbesitzer, der jede Woche von Montagfrüh bis Samstagabend auf den Beinen ist, um die Aufträge abzuarbeiten.

Bereits im Juni 2018 verabschiedete Staatsministerin Michaela Kaniber ein "10-Punkte-Maßnahmenpaket bei der Borkenkäferbekämpfung". Kernstück ist die finanzielle Unterstützung von Waldbesitzern für die genannten "insektizidfreie Bekämpfung" durch Entrindung, Abtransport oder Häckseln - Maßnahmen. In einem "Käferbrennpunkt" wie dem Frankenwald reicht das nicht aus - allein in den ersten sieben Monaten des Jahres schätzt die Forstbehörde den wirtschaftlichen Verlust im Privatwald auf 15 Millionen Euro.

Ein Masterplan der Landräte

Daher schlugen der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner und Kronacher Landrat Klaus Löffler in einem gemeinsamen Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder im Juli 2019 einen 8-Punkte-Masterplan für den Privatwald im Frankenwald vor. Er enthält "passgenaue Lösungen, die sich primär an den Gegebenheiten vor Ort orientieren".

Die Landräte fordern unter anderem das Anlegen von Waldwegen und Lagerplätzen, um die Infrastruktur für den Abtransport von Schadholz zu verbessern. Für die Umsetzung müssten zusätzliche Personalstellen an der Forstbehörde geschaffen werden. Auch die institutionelle Förderung der Waldbauernvereinigungen ist im Masterplan enthalten, insbesondere hinsichtlich der Waldpflegeverträge, durch die Privatwaldbesitzer die Bewirtschaftung an die WBV abgeben können. Eventuell könnte man das Entfernen von Schadholz auch an die Wiederaufforstung koppeln. Das Räumen von Flächen mit nicht-standortgemäßem Bewuchs zum Zweck der Neuanpflanzung wäre staatlich förderfähig. Eine Antwort auf die Vorschläge der Landräte steht noch aus.

Welche Bäume haben Zukunft?

Hat es ein Waldbesitzer geschafft, sein Käferholz aus dem Wald zu räumen, steht er vor einer kahlen Fläche. "Anpflanzen ja, aber womit?", fragt sich Waldbesitzer Hans Pezold aus Steinbach. Die Fichte ist nicht die einzige Baumart, die Probleme hat. Kiefern, Buchen, Eichen oder Eschen leiden ebenfalls unter der Trockenheit. Was man heute pflanzt, ist erst in mehr als hundert Jahren erntereif. Wie soll man vorhersehen können, welche Baumarten sich künftig bewähren? "Im Moment ist Bäume pflanzen wie Lotto spielen", sagt die WBV-Vorsitzende und Kulmbacher Stadtförsterin Hombach. Es sei wichtig, möglichst viele Arten anzupflanzen, um die Chance zu haben, dass sich einige davon durchsetzen und die Schutzfunktion des Waldes nicht verloren geht.

Um herauszufinden, welche Baumarten in der Region die besten Chancen haben, wird am Kulmbacher Trimm-Dich-Pfad ein sogenanntes Arboretum angelegt, mehrere Testflächen, auf denen möglichst viele Baumarten von Douglasie über Hemlocktanne bis hin zu Baumhasel zu Libanonzeder angepflanzt werden. Staatsministerin Kaniber gab dafür bei ihrem Besuch am Freitag den Startschuss.

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