Kulmbach
Geh' wählen

Das interessiert die Jugend

Bildung und Ehrenamt waren für die Jugendlichen wichtige Themen bei der politischen Diskussion im Kulmbacher Jugendzentrum.
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Mirjam Bründel beteiligte sich engagiert an der Diskussion.  Foto: Barbara Herbst
Mirjam Bründel beteiligte sich engagiert an der Diskussion. Foto: Barbara Herbst
Kein Bock auf Politik? Der Diskussionsabend "Geh' wählen" in der "Alten Spinnerei" hat gezeigt, dass dieses Vorurteil gegenüber jungen Leuten nicht stimmt, dass sie aber mit dem Herunterbeten von Grundsatzerklärungen und Statements zu Allerweltsthemen nichts anfangen können - und auch keine Lust haben, sich damit zu beschäftigen. Kommt die Rede jedoch auf das, was ihnen am Herzen liegt, dann gibt es viele und kluge Fragen.

Zu viel Entscheidungsdruck

Beispiel Bildung - das beherrschende Thema der zweiten Hälfte des Diskussionsabends. Zu viel Entscheidungsdruck in der vierten Klasse beklagt Johanna Dupke. Die 19-Jährige lobt die Gesamtschule Hollfeld als Modell, das der Dreiteilung Gymnasium, Realschule, Mittelschule deutlich überlegen sei. "Es läuft gut. Warum gibt's nicht mehr davon?"
Vivien-Marie Bernstein hält ebenfalls nichts vom frühen Entscheidungszwang für eine Bildungskarriere. Sie selbst hat eine Waldorfschule mit Gesamtschulkonzept in Hof besucht: "Da muss man sich erst in der neunten Klasse entscheiden, ob man weitermacht. Ich bin jetzt auf einem guten Weg zum Abitur. In der vierten Klasse war ich in meiner Entwicklung noch nicht reif fürs Gymnasium. Alle Kinder sollten sich in ihrem individuellen Tempo entwickeln dürfen."
Mehr Wertschätzung fürs Handwerk wünscht sich Mirjam Bründel. "Alle sollen ans Gymnasium, aber wer dort den Abschluss macht, lernt danach kein Handwerk." Und noch ein Problem sieht die 17-Jährige: "Überall müssen Bäcker und Metzger schließen, weil's die Sachen im Discounter billiger gibt. Da geht die Qualität verloren, die wir doch wollen. Hier müsste die Politik was tun."

Keine Zeit fürs Ehrenamt

Interesse fand beim jungen Publikum auch das Thema Ehrenamt: Der Schulstress im aktuellen Bildungssystem sei schuld daran, dass weniger Jugendliche sich ehrenamtlich engagieren, sagten Vertreter der Jugendverbände und Jugendliche gleichermaßen. G 8 oder Ganztagsschule - für die Feuerwehr oder andere Vereine bleibt da keine Zeit mehr.
Die Reaktion der insgesamt 17 Kandidaten um politische Ämter war - entsprechend ihren Parteiprogrammen - recht unterschiedlich. Doch dass die Diskussion nach zähem Beginn letztlich sehr lebendig und auch kritisch geführt wurde, freute alle, auch wenn die Meinungen im Detail oft weit auseinander gingen.
Über einen gelungenen Abend freuten sich auch die Veranstalter. Sabine Knobloch vom Kreisjugendring, Katharina Stubenrauch vom Bezirksjugendring und Redaktionsleiter Alexander Müller von der Bayerischen Rundschau appellierten an alle jungen Erwachsenen, ihre Interessen an den Wahlsonntagen geltend zu machen: "Geht wählen!"


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