Wernstein
Jubiläum

Das Erziehungskonzept machte Schule

In Wernstein wurde das 100-jährige Bestehen der Waldorf-Pädagogik gefeiert. Viele Eltern nehmen lange Fahrtstrecken zum Waldorfkindergarten auf sich.
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Gemeinsam tanzen, reden und Gemeinschaft genießen: Der Waldorfkindergarten Wernstein hat am Wochenende gefeiert. Foto: Katharina Müller-Sanke
Gemeinsam tanzen, reden und Gemeinschaft genießen: Der Waldorfkindergarten Wernstein hat am Wochenende gefeiert. Foto: Katharina Müller-Sanke
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Eine bunte Wimpelkette weist den Weg über das Gelände des Waldorfkindergartens in Wernstein hin zu einer Lichtung. Unter den Bäumen sind Decken ausgebreitet. Familien sitzen darauf, lachen und essen gemeinsam. Einige Kinder und Erwachsene haben Blumenkränze im Haar.

Gerade tanzten noch alle gemeinsam einen Reigen in der Mitte der kleinen Lichtung. Der Tanz zeigte, wer aus welcher Einrichtung kommt: aus Coburg, Hof, Bayreuth und eben aus Wernstein. Gemeinsam wird an diesem Tag das Jubiläumsjahr der 100-jährigen Waldorf-Pädagogik gefeiert.

1919 eröffnete Rudolf Steiner in Stuttgart die erste Waldorfschule. 100 Jahre später gibt es rund um den Globus verteilt etwa 1100 Waldorfschulen und beinahe 2000 Waldorfkindergärten, vier davon in Oberfranken.

Das Konzept

Dass die Waldorf-Pädagogik so erfolgreich ist, habe einen guten Grund, meint Martina Maier vom Kindergarten in Wernstein. "Es ist die Uridee Steiners, Kindern eine schützende Hülle zu schaffen, in der sie frei von gesellschaftlichen Strömungen und pädagogischen Moden, ihrem Wesen gemäß heranwachsen dürfen. Rhythmus und Wiederholung, Vorbild und Nachahmung, das freie Spiel und reale Sinneserlebnisse bilden zusammen mit einer ehrfurchtsvollen, achtsamen Haltung dem Kind gegenüber den Raum, in dem ein kleiner Mensch ganzheitlich und gesund zu einem starken, selbstbewussten Erwachsenen werden kann", fasst sie das Konzept zusammen.

Im Kindergarten in Wernstein werden derzeit in den Haupt-Gruppen 32 Kinder betreut. 19 Kinder gehen in die neue "Waldgruppe", zwölf Kinder sind in der "Wiegestube" angemeldet; so heißt die Krippe für Kinder, die jünger als drei Jahre sind, in Wernstein.

Nur wenige Kinder kommen aus dem direkten Umfeld der Einrichtung. Viele Eltern nehmen kilometerlange Fahrtstrecken auf sich, um ihr Kind hier in die Einrichtung zu geben. So auch die Familie Richter. Michael und Carolin Richter fahren ihre Kinder seit Jahren täglich hier in den Kindergarten. Das bedeutet für sie eine 20 Kilometer lange Anfahrt. Zweimal die Woche können sie es mit dem Arbeitsweg verbinden. Ansonsten fahren sie den Weg extra, um die Kinder in diese Einrichtung zu bringen. Die Richters haben drei Kinder. Alle drei haben diesen Kindergarten durchlaufen oder besuchen ihn noch. Und die Familie würde sich immer wieder so entscheiden. Ihr ältester Sohn, der mittlerweile in die Schule geht, ist 2013 in die "Wiegestube" gekommen.

Solidarität gezeigt

"Als wir die Einrichtung das erste Mal betreten haben, habe ich gleich diese besondere Atmosphäre gespürt. Die Stimmung hat einfach gepasst", erinnert sich Carolin Richter. Tochter Ella geht seit Herbst in die "Waldgruppe".

Zu den zentralen Werten in der Waldorf-Bewegung zählt die Verbundenheit. Um diese sichtbar zu machen und zu feiern, haben die Waldorfkindergärten Spielmaterial hergestellt, um damit einen anderen Waldorfkindergarten beschenken, der weniger gut ausgestattet ist.

Beim Fest am Samstag wurden die über 100 einzelnen Spielsachen, die nach Möglichkeit von Hand gefertigt wurden, vorgestellt. Die Geschenke des Waldorfkindergartens Wernstein wurden an einen Kindergarten des "Pro-A-Kids-Projekts" in Afrika übergeben. Eine Mitarbeiterin hat die Arbeiten persönlich überbracht.

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