Kulmbach
Podiumsdiskussion

Das Ehrenamt - kein Auslaufmodell!?

Sich einbringen als Trainer, Feuerwehrmann, Chorleiter: Löblich, aber oft auch schwierig. Wie will die Politik das Ehrenamt stärken?
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Feuerwehrleute sind oft ehrenamtlich im Einsatz und opfern dafür viel freie Zeit.dpa
Feuerwehrleute sind oft ehrenamtlich im Einsatz und opfern dafür viel freie Zeit.dpa

Eine Frage, die Jugendliche offenbar interessiert: Wie kann die Politik das Ehrenamt stärken? Das wollte Willi Dippold wissen bei der Podiumsdiskussion am Freitagabend im JUZ. Die Antworten der Landtags-Kandidaten im Ticker:

Martin Schöffel (CSU): "Alle Engagierten tun etwas Tolles für die Gemeinschaft - und sie sollen auch etwas davon haben. Deswegen haben wir die Ehrenamtskarte eingeführt, damit sind handfeste Vorteile verbunden. Fest steht: Gerade Vereinsvorsitzende dürfen kein Jurastudium brauchen, um ihre Arbeit auszuführen. Deswegen haben wir viele Leitfäden entwickelt, damit es überschaubarer und rechtssicherer wird."

Inge Aures (SPD): "Ohne Ehrenamt gibt es keine funktionierende Gesellschaft. Bestes Beispiel war das Jahr 2015, als die freiwilligen Flüchtlingshelfer nicht nur in München die Hauptarbeit geleistet haben. Ich würde mir wünschen, dass es etwa für Trainer noch Verbesserungen gibt."

Rainer Ludwig (Freie Wähler): "Wir stehen für eine Mitmach-Gesellschaft, sie wollen wir stärken. Das Ehrenamt lässt sich stärken durch finanzielle wie auch steuerliche Anreize. Bürokratiemonster wie die Datenschutzverordnung schrecken ab und sind eher Handicap."

Wilfried Kukla (Grüne): "Es muss Rechtssicherheit gewährleistet sein. Wenn mal etwas passiert, darf es nicht zu Lasten der Ehrenamtlichen gehen."

Michael Otte (FDP): "Ich war zehn Jahre lang Handballtrainer, musste mich aber irgendwann sogar darum kümmern, dass am Wochenende für meine Mannschaft die Dreifachturnhalle offen war, denn der Kreistag hatte beschlossen: Der Hausmeister ist am Wochenende nicht mehr da. Das mussten wir dann selber ausbaden, mitsamt dem ganzen Formalismus. Da wäre uns geholfen, wenn der Hausmeister zwei Stunden da gewesen wäre, und es wäre sicher nicht teurer gekommen."

Oswald Greim (Die Linke): "Wir haben in unserem Wahlprogramm den Vorschlag eines sogenannten Bildungsurlaubs für alle. Ehrenamtliche müssen sich vorbereiten - dafür braucht man Zeit, und dafür sollte man nicht den eigenen Erholungsurlaub aufwenden müssen, sondern mit einem bayerischen Bildungsurlaubsgesetz die Möglichkeit haben, sich auch für sein Ehrenamt zu bilden. Hier sind die Bayern leider Schlusslicht im bundesweiten Vergleich."

Gerd Kögler (AfD): "Das Ehrenamt ist unverzichtbar für eine freiheitliche Gesellschaft. Aber es muss ein Sinneswandel in der Bevölkerung einsetzen, was die eigene Bereitschaft angeht. Kennedy hat gesagt: ,Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frage Dich, was Du für Dein Land tun kannst.' Diesen Geist brauchen wir wieder, er kann das Ehrenamt stärken."

Christiane Zeigler (Bayernpartei): "Es gilt, das Ansehen der Ehrenamtlichen stärken und Bürokratie abbauen. Es ufert leider schnell aus, was alles bedacht werden muss und an Vorbereitungen zu treffen ist, es gibt zu viele Hürden."

Reinhard Englert (ÖDP): "Mich persönlich hat es sehr bereichert, ich habe dafür viel gegeben und zurückbekommen. Das Ehrenamt ist ständig in der Gefahr, dass die Kommunalpolitik zu leicht Aufgaben auf Freiwillige abwälzt, um die sich die Politik aber selber kümmern müsste. Ich bin für eine ganz klare Abgrenzung, sonst gibt es Kompetenzgerangel."

Michaela Hüttner (Partei mut): "Viele Vorgaben und Gesetze knebeln den Ehrenamtlichen die Hände. Wenn ich als Elternbeirat bei einem Nusskuchen dazuschreiben muss, dass Nüsse drin sind oder auf "Alle meine Entchen" Gema-Gebühren anfallen, hat es irgendwo Grenzen."



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