Kulmbach
Burggeflüster

Das Alter - mal so und mal so

Alt werden? Da sind noch einige Überraschungen möglich.
Artikel drucken Artikel einbetten
Symbolfoto: Archiv
Symbolfoto: Archiv

Wenn man, so wie ich, vor kurzem den letzten Geburtstag mit einer Fünf vorne dran gefeiert hat, macht man sich doch hin und wieder Gedanken, wie das mal wird, wenn man alt wird. Man sucht sich vielleicht Vorbilder: "So möchte ich mal sein..." Und macht bisweilen ganz widersprüchliche Beobachtungen.

Ein Bekannter, fast auf den Tag genau ein Jahr älter als ich, reagiert auf die Glückwünsche zum runden Geburtstag überaus unwirsch: Er wolle davon nichts hören, es sei widerwärtig, so alt zu werden. Meine vorsichtige Anmerkung, dass man doch nicht nur die Zipperlein sehen dürfe, sondern auch die schönen Seiten - Erfahrung, Gelassenheit, das Ende eines anstrengenden Berufslebens greifbar nahe - lässt ihn regelrecht böse werden.

Wenige Tage später dann eine Beobachtung, die mir seither immer wieder in den Kopf kommt. Ich sitze in einem Konzert, in dem ein Vokalensemble geistliche Lieder zur Adventszeit präsentiert. Mir Unbekanntes von mir unbekannten Komponisten, aber auch die Gassenhauer unter den Adventsliedern, behutsam neu arrangiert. Wenige Meter neben mir sitzt in einem Rollstuhl eine alte Frau (nicht nur "älter", wirklich alt), ein wenig zusammengesunken, scheinbar abwesend.

Dann singt das Ensemble "Macht hoch die Tür", "Tochter Zion", "Es kommt ein Schiff geladen"... und die alte Frau spricht mit. Alle Lieder, alle Strophen, ganz offensichtlich ohne Stocken, ohne Zögern, mit einem leichten Lächeln.

So etwas zu können - das geht wohl nur, wenn man alt ist und all diese Lieder oft gesungen hat. Wenn man jung ist....? Dann muss man die Texte mit dem Smartphone googeln. Ob das glücklicher macht?



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren