Ködnitz
Umgehung Kauerndorf

"Da hilft nur eine Power-Demo"

Es war klar, dass der Sachstandsbericht von Bürgermeister Stephan Heckel (CSU) zur Umgehung von Kauerndorf in der Gemeinderatssitzung am Montagabend vom Gremium nicht kommentarlos "abgesegnet" würde. Vor allem der Auftritt von Verkehrsministers Peter Ramsauer stand in der Kritik.
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Dieses Bild sollte nach Meinung von Gemeinderat Michael Heisinger Kauerndorf öfter prägen. Er glaubt, das nur eine "Power-Demo" hilft, um den Bau der Umgehung voranzutreiben. Foto: BR/Archiv
Bürgermeister Heckel bemühte sich jedoch, Contenance zu bewahren. Er verwies auf einen persönlichen Brief, den er an den Minister gesandt habe, und rief gleichzeitig dazu auf, gemeinsam alles dafür zu tun, dass der Bau der Ortsumgehungen von Kauerndorf und Untersteinach zumindest 2013 vom Bund anfinanziert wird.

Rückblickend stellte Heckel fest, dass die letzten Wochen in Bezug auf dieses Thema sehr turbulent verlaufen sind. Im Dezember 2011 sei man noch sehr zuversichtlich gewesen, weil die Baumaßnahme im Investitionsrahmenplan des Bundes eingestellt worden sei. Heckel: "Viele schwebten ja schon auf Wolke Sieben, doch dann kam die Mitteilung, dass Untersteinach vom FDP-Abgeordneten Körber mit Untersteinbach in Unterfranken verwechselt wurde, und zwei Tage vor dem Termin mit Ramsauer kam aus dem Büro des Verkehrsministers die Absage."

Zu der spontanen Aktion der betroffenen Bürger, vornehmlich aus Kauerndorf, die einen Besuch von Ramsauer in Bayreuth nutzten, um ihren Unmut kundzutun, sagte der Bürgermeister: "Dabei ist das Eine oder Andere unglücklich gelaufen. Ich will das nicht mehr groß kommentieren, denn es geht jetzt darum, dass wir die Umgehung brauchen und keinen Keil mehr reintreiben dürfen. Ich habe nach wie vor die Hoffnung auf positive Signale aus Berlin - trotz der überarbeiteten Kostenschätzung von nunmehr über 80 Millionen Euro. Ich hoffe, dass sie 2013 in den Straßenbauplan aufgenommen werden kann. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen und alle politische Kraft einsetzen. Das wird nicht einfach, aber wir müssen jetzt an einem Strang ziehen."

Michael Heisinger (Rangen) sah sich in seiner bisherigen Haltung bestätigt. Sowohl in Berlin als auch in München habe man "jeglichen Bezug zu Oberfranken verloren". Und er wurde noch deutlicher: "Die Überheblichkeit und die Arroganz, mit der der Bundesverkehrsminister in Bayreuth aufgetreten ist, drückt eigentlich alles aus. Hier hilft nur eine Power-Demo. An die Vernunft der Politiker zu appellieren ist hoffnungslos."

Reinhold Dippold (FW), der sich die "Gardinenpredigt" von Ramsauer anhören musste, gab sich dennoch zuversichtlich, dass der Verkehrsminister seinen Besuch nachholen wird. Betroffen habe ihn aber das gemacht, was der Minister über den in Bayreuth nicht anwesenden Bürgermeister gesagt habe: "Da hat er sich in der Wortwahl vergriffen. Wir halten aber jetzt erst einmal still und warten auf einen neuen Termin."

Willi Kolb (SPD) sah das eigentliche Problem in der neuen Kostenschätzung des Staatlichen Bauamts: "Jeder hat gewusst, dass die damaligen Zahlen nicht stimmen konnten. Jetzt kommen sie aber mit 80 Millionen daher. Entweder können sie das Rechnen nicht, oder sie sollen die alte Rechenmaschine wegschmeißen und eine neue kaufen. Hier wurden doch gravierende Fehler gemacht. Die neue Kostenschätzung war doch für Ramsauer eine Steilvorlage."

Eine Lanze für das Staatliche Bauamt brach hingegen Reinhold Dippold, der auf den langen Zeitraum verwies, der seit der ersten Kostenschätzung vergangen sei: "Egal, was die Umgehung kostet, und wenn es 80 Millionen sind, dann muss sie auch finanziert werden."

Reinhard Kortschack (FW) hielt es nicht für sinnvoll, wenn sich das Gremium "auseinanderdividiert". Zum Auftritt von Ramsauer sagte er: "Ein Minister wüsste wissen, wie man sich verhält."

Nicht so optimistisch, dass die Umgehung überhaupt gebaut wird, zeigte sich Heinz Mösch (CSU). Er brachte nochmals die Ablösung von Grundstücken ins Gespräch, stieß damit bei seinen Ratskollegen jedoch auf wenig Gegenliebe. Sie argumentierten damit, dass die Umgehung im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens längst rechtskräftig bestätigt ist.
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