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Kulmbach
Helferkreise

Corona-Krise: Hilfsbedürftige, bitte melden!!!

In vielen Orten haben sich Helferkreise gegründet. Die Kulmbacherin Karin Klippel (70) ist heilfroh, dass Manuela Heckel für sie jetzt einkaufen geht.
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Manuela Heckel ist für den Helferkreis im Einsatz und erledigt für Karin Klippel die Einkäufe. Foto: Alexander Hartmann
Manuela Heckel ist für den Helferkreis im Einsatz und erledigt für Karin Klippel die Einkäufe. Foto: Alexander Hartmann
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Selbst einkaufen gehen kann Karin Klippel schon lange nicht mehr. Die alleinstehende Rentnerin hat gesundheitliche Probleme. Jetzt ist der 70-Jährigen auch noch ihre "gute Seele" für die nächste Zeit erst einmal weggebrochen. Eine langjährige Bekannte, die bis vor kurzem für sie in die Supermärkte gegangen ist, die jetzt aber, um sich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen, selbst kaum noch auf die Straße geht. "Weil sie ja zur Risikogruppe gehört", teilt Karin Klippel mit.

"Ich bin heilfroh"

"Ich hatte zeitweise Angst, dass ich verhungere, weil mir die Lebensmittel langsam ausgehen", sagt die Kulmbacherin, die in dieser Woche dann aber doch Brot, Toast, Margarine, Obst, Eier und vieles mehr an die Haustür geliefert bekommen hat. "Ich bin überglücklich und heilfroh", sagt die 70-Jährige, die eine neue "gute Seele" gewonnen zu haben scheint: Manuela Heckel, die sich bei dem von der Stadt gegründeten Helferkreis engagiert. "Ich bringe mich da gerne ein, will die Leute unterstützen, die Unterstützung brauchen", sagt Heckel.

Es gibt viele Helfer

Die 56-Jährige gehört zu über 120 Personen, die einen Beitrag leisten wollen, damit ältere Leute und Menschen mit Vorerkrankung, die als besonders gefährdet gelten, für Einkäufe oder den Gang zur Apotheke ihr Haus nicht mehr verlassen müssen.

Der Zuspruch sei gewaltig, sagt Thomas Tischer von der Stadtverwaltung, der die Anmeldungen für den Helferkreis entgegennimmt. Was noch fehlt, sind allerdings diejenigen, die die Hilfe in Anspruch nehmen. Stand Mittwoch waren es laut Tischer erst sechs Kulmbacher, die sich gemeldet haben.

"Darum geht ges doch gar nicht"

Ob die fehlende Nachfrage darin begründet liegt, dass Senioren nicht jammern und nicht als hilfsbedürftig gelten wollen? Eine Vermutung, die sich für Lion Kramer aufdrängt, der in Thurnau den von der Gemeinde initiierten Helferkreis unterstützt. "Ich habe eine ältere Frau getroffen, die mir gesagt hat, dass sie ja noch selber einkaufen kann. Doch darum geht es ja gar nicht", sagt der 19-Jährige, der weiß, dass gerade Ältere größere Menschensammlungen meiden sollen.

Wer sich noch fit fühle, sollte in Thurnau doch lieber einen Spaziergang um den Schlossweiher machen statt sich in die Schlange vor der Supermarktkasse einzureihen, sagt er.

Helfen konnte der 19-Jährige, der ein duales Studium beim Zoll absolviert, bis dato nicht. Denn auch in Thurnau gibt es ein Problem. Zwar haben sich schon über 40 Helfer registrieren lassen, aber erst fünf, die ihre Unterstützung in Anspruch nehmen wollen.

"Toller Service"

Dass das Angebot in Thurnau wie auch in Kulmbach noch keinen größeren Zuspruch gefunden hat, verwundert Karin Klippel. "Es ist doch ein toller Service, den die Helferkreise leisten", sagt die 70-Jährige, die froh ist, dass ihr Manuela Heckel in einer schwierigen Zeit zur Seite steht.

Manuela Heckel macht das gerne: "Ich habe gleich gespürt, dass Frau Klippel und ich auf einer Wellenlänge sind. Und wenn man sieht, wie sie sich über die Hilfe freut, dann tut das einem ja selber auch gut", meint die Kulmbacherin. Hierzu auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Keiner muss allein sein

Es ist eine Krise, die jeden Einzelnen fordert, in der sich aber eines ganz deutlich zeigt: Allein muss keiner sein. Die Gesellschaft hält zusammen, und das gerade auf dem flachen Land. Nachbarschaftshilfe wird im Landkreis Kulmbach groß geschrieben. Dass Junge für Betagte Einkäufe tätigen, ihnen in der Apotheke Medikamente besorgen, sie zum Optiker oder Arzt fahren - das ist keine Seltenheit, sondern inzwischen die Regel.

Viele Gaststätten oder auch Metzgereien bieten einen Lieferservice an. Sicherlich aus Eigeninteresse, aber eben auch, um die zu versorgen, die aus Angst vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht mehr aus dem Haus gehen wollen.

In den meisten Orten haben sich Helferkreise gebildet, die teils privat, meist aber von den Gemeindeverwaltungen organisiert sind. Alle haben ein Ziel: Sie wollen dazu beitragen, dass Senioren und Menschen mit eine Vorerkrankung, die bei einer Infizierung besonders gefährdet wären, möglichst zuhause bleiben. Denn Menschenansammlungen soll die Zielgruppe, die auch die Risikogruppe ist, möglichst meiden, auf eigene Einkaufstouren verzichten.

Die Zahl der Ehrenamtlichen, die sich einbringen, steigt. Es mangelt vielerorts allein an denen, die ihre Unterstützung in Anspruch nehmen. Wohl deshalb, weil viele den Ernst der Lage noch nicht erkannt haben. Es wird aber auch Menschen geben, die sich nicht melden, weil sie niemandem zur Last fallen wollen. All denen sei gesagt: Bleibt zu Hause und lasst euch beistehen. Es geht um eure Gesundheit. Genügend Helfer sind einsatzbereit.