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Integration

Christian Springer kämpft gegen Stammtischparolen

Der Kabarettist und Syrien-Kenner Christian Springer sprach am beruflichen Schulzentrum über den arabischen Frühling und den Krieg in Syrien.
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Die Flüchtlinge, die am beruflichen Schulzentrum unterrichtet werden, freuten sich, dass Christian Springer eine Lanze für geflüchtete Menschen brach. Einmal im Monat reist Springer in den Libanon, um Menschen, die aus Syrien geflüchtet sind, zu helfen.Sonny Adam
Die Flüchtlinge, die am beruflichen Schulzentrum unterrichtet werden, freuten sich, dass Christian Springer eine Lanze für geflüchtete Menschen brach. Einmal im Monat reist Springer in den Libanon, um Menschen, die aus Syrien geflüchtet sind, zu helfen.Sonny Adam

Als Unesco-Projektschule lebt das berufliche Schulzentrum Internationalität. Es pflegt Partnerschaften, regelmäßige reisen Schüler nach Bursa oder nach Frankreich. Und natürlich werden auch Migranten aus den verschiedensten Ländern unterrichtet.

Auf Initiative des Fachbereichs Religion kam jetzt der Gründer des Vereins Orienthilfe, der Kabarettist Christian Springer, an die Schule. Er brach eine Lanze für Humanität - ohne Wenn und Aber.

Christian Springer wäre nicht er selbst, wenn er nicht auf emotionale Weise Stammtischparolen entlarven und den Möchtegern-Urbayern einen Spiegel vorhalten würde. Das Bier zum Beispiel, auf das die Bayern heute so stolz sind, stamme ursprünglich aus Babylon. Der katholische Glauben sei von irischen Mönchen in den Freistaat gebracht.

Bayern ist ein Migrantenstamm

Und die berühmtesten Unternehmen, BMW und Audi, seien von Zugezogenen gegründet worden. "Bayern war schon immer ein Migrantenstamm", wetterte der Kabarettist.

Seine Botschaft: "So mancher blöd daherredende Vorsitzende eines Trachtenvereins hat mehr syrisches Blut in den Adern als er denkt. Man sollte immer nach dem Motto leben: Die Verwandtschaft kommt!".

Springer ist ein ausgewiesener Nahost-Kenner. Er spricht arabisch, schließlich hat er semitische Sprachen studiert. "Ich habe die arabische Welt zu lieben gelernt", erzählte der Kabarettist. Angefangen hat seine Liebe schon als Junge, als er Karl May las. Doch auf eine Diskussion um Religion und Glaube lässt sich Christian Springer nicht ein. Denn letztlich ist doch alles eine Frage der Menschlichkeit.

Springer war vor dem Syrien-Krieg mehr als 30 Mal in der Krisenregion. "Als 2011 der arabische Frühling ausbrach, hatte ich Angst um meine Freunde. Von manchen habe ich seit acht Jahren nichts mehr gehört", erzählte der Münchner. "In dieser Zeit habe ich viele Arschlöcher kennengelernt. Kriegsgewinner, die davon profitieren, dass der Preis für die Patronen hoch ist. Aber ich habe auch Heilige kennengelernt, die aufgehört haben zu studieren, die lieber helfen möchten", so Springer.

"Wer Banken retten kann, ...

"2012 hat der Kabarettist dann seine Initiative Orienthelfer gegründet. Er möchte Klischees durchbrechen und möchte den Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, helfen zu überleben und ihre Würde wiederzuerlangen.

Obwohl es auf der Welt 65 Millionen Flüchtlinge gibt, kommen doch nur sechs Prozent nach Europa. "Migration hat immer geklappt. Ich bin ein Optimist, Migration wird auch diesmal klappen", sagte er.

Der 55-Jährige war in den größten Flüchtlingscamps und hat dort gesehen, wie die Menschen in Zelten hausen. "Wer Banken retten kann, kann auch Menschen retten", sagt er sich. Springer fühlt sich nicht als Wohltäter und will auch nicht als solcher gefeiert werden. Er ist ein Kämpfer für Humanität und Mitmenschlichkeit. Er wettert gegen Stammtischparolen und gegen Hetzkampagnen.

"Der arabische Frühling ist nicht verpufft", ist er überzeugt. Denn ähnlich wie in der französischen Revolution sei ein Weltbild aufgebrochen. Für die Schüler hatte er die Botschaft, Chancen aufzunehmen und selber aktiv zu werden. "Ich habe keine Angst vor der Zukunft: Die Zukunft wird gut!"

Die Schüler indes waren begeistert von der emotionalen, direkten Art des Gastes. Und die Migranten hatten Tränen in den Augen, als Springer vom Beginn der Demonstrationen in Syrien erzählte. Denn er erzählte genau das, was sie selbst hautnah miterlebt hatten.

Auch Schulleiter Alexander Battistella war begeistert über die ebenso amüsante wie schonungslos offene Art des Kabarettisten.

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